02. März 2020 / 16:11 Uhr

Sportgericht weist Einspruch von Dynamo Dresden zurück

Sportgericht weist Einspruch von Dynamo Dresden zurück

Stefan Schramm
Dresdner Neueste Nachrichten
Dynamo Videobeweis
Bei der Partie Dynamo Dresden gegen Darmstadt wurde das 3:3 von Patrick Schmidt aberkannt. © dpa
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Der Verein will nach der neuerlichen Entscheidung zum umstrittenen Darmstadt-Videobeweis über weitere juristische Schritte beraten.

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Frankfurt am Main/Dresden. Recht haben und Recht bekommen ist zweierlei. Dass diese Redensart auch für Verfahrensbeteiligte am DFB-Sportgericht in Frankfurt am Main gilt, musste Dynamo Dresden am Montagnachmittag schmerzlich erfahren. Zwar räumte Schiedsrichter Michael Bacher eine Fehlentscheidung ausdrücklich ein. Dennoch hat das Verbandsorgan des Deutschen Fußball-Bunds (DFB) den Einspruch der Schwarz-Gelben gegen die Wertung der 2:3-Niederlage gegen den SV Darmstadt 98 in der zweiten Instanz erneut abgeschmettert. „Auch nach dem Ergebnis der mündlichen Verhandlung ließ sich weder ein Fehler des Videoassistenten noch ein Regelverstoß des Schiedsrichters nachweisen“, begründete Sportgerichtsvorsitzender Hans E. Lorenz die Entscheidung.

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Herber Rückschlag für Dynamo Dresden: Das Team von Trainer Markus Kauczinski unterlag dem SV Darmstadt 98 mit 2:3. Zur Galerie
Herber Rückschlag für Dynamo Dresden: Das Team von Trainer Markus Kauczinski unterlag dem SV Darmstadt 98 mit 2:3. ©
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Grund für den Einspruch war die Aberkennung des vermeintlichen 3:3-Ausgleichstreffers durch Patrick Schmidt in der 72. Minute. Der Referee gab den Treffer zunächst, schaute sich die Szene nach einem Hinweis des Videoassistenten Florian Badstübner aber nochmal an. Anschließend verweigerte er den Treffer wegen einer Abseitsstellung Jannis Nikolaou die Anerkennung, doch der Dresdner Innenverteidiger griff nicht entscheidend ins Spiel ein. „Im Nachhinein muss ich anerkennen, dass die bessere Entscheidung gewesen wäre, das Tor anzuerkennen“, erklärte Bacher nun vorm Sportgericht. Auch wenn sich die stark abstiegsbedrohten Dynamos durch die Aussage im Nachhinein zumindest im Grund ihrer Einspruchseinlegung bestärkt fühlen, nützt ihnn dies herzlich wenig. Das Resultat hat weiter Bestand, die Punkte sind futsch.

Für Ärger hatte jedoch die Undurchsichtigkeit der Beweise gesorgt. So blieb auch gestern unklar, was Bacher und Badstübner während der strittigen Szene besprachen. „Wir finden es aus Gründen der Transparenz und des partnerschaftlichen Miteinanders im Fußball sehr bedauerlich, dass der DFB uns keine Möglichkeit eingeräumt hat, den Funkverkehr zwischen dem Schiedsrichter-Team und dem Videoschiedsrichter in Köln abzuhören“, erklärte Rechtsanwalt Christian Quirling, der die Sportgemeinschaft gemeinsam mit Ralf Minge vorm Sportgericht vertrat. So bleibt der Verdacht von Mauscheleien im Raum.

Sportgericht schützt Referees

Dynamos Sport-Geschäftsführer erklärte: „Die Entscheidung in Frankfurt hat uns nicht überrascht, weil wir mit der Argumentation des Sportgerichtes rechnen mussten. Wir sind als Geschäftsführung grundsätzlich dazu verpflichtet, Schaden von unserem Verein fernzuhalten. Daher mussten wir diesen Vorgang rund um das Eingreifen des ‚Video Assistant Referees‘ auch im Sinne des Fußballs vom DFB-Sportgericht überprüfen lassen, weil er unserer Meinung nach nicht hätte eingreifen dürfen, da eine klare Fehlentscheidung des Schiedsrichters zu keinem Zeitpunkt vorlag.“ Zudem gehe es bei der aktuellen Situation des Tabellenletzten um jeden Punkt. Im Abstiegsfall – der Rückstand auf Platz 15 beträgt fünf Punkte – droht der Verlust von Arbeitsplätzen.

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Das DFB-Sportgericht hatte in seiner Verhandlung aber weniger die sportliche Lage der Dresdner im Blick als die Protektion der Unparteiischen. Es berief sich ebenso wie der DFB-Kontrollausschuss auf die Tatsachenentscheidung des Referees und sah auch keinen Regelverstoß durch das Eingreifen des VAR in Köln. Richter Lorenz bekräftigte, dass die Entscheidungsbefugnisse zwischen Videoassistent und Schiedsrichter klar zugunsten des Unparteiischen vor Ort geregelt sind. „Der Fahrer des Fahrzeugs ist der Schiedsrichter. Er entscheidet, ob er links oder rechts herum fährt“, sagte Lorenz. Den jungen Schiedsrichter ehre aber das Zugeben seines Fehlers.

Damit hat das Sportgericht erneut eine Entscheidung bestätigt, die auf einem Videobeweis beruhte. Die SGD war bereits zum zweiten Mal in dieser Spielzeit von einem Einspruch betroffen: Im Dezember war Liga-Konkurrent Wehen Wiesbaden mit seinem Einspruch gegen die Niederlage vom 13. Spieltag bei Dynamo (0:1) ebenfalls vorm Sportgericht gescheitert. Wie die Schwarz-Gelben in dieser Sache nun weiter juristisch vorgehen, werden die Verantwortlichen des Vereins in den kommenden Tagen bei einem Treffen entscheiden, „wenn der neuerliche interne Abwägungsprozess abgeschlossen ist“, wie es hieß. Die Berufungsfrist gegen das Urteil beträgt nun sieben Tage. Denkbar ist ein letztinstanzlicher Gang vors DFB-Bundesgericht.

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