16. August 2021 / 10:51 Uhr

Trotz guter erster Halbzeit: FC Grimma verliert gegen Budissa Bautzen

Trotz guter erster Halbzeit: FC Grimma verliert gegen Budissa Bautzen

Tom Rietzschel / lvz
Leipziger Volkszeitung
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Der FC Grimma gab in der zweiten Halbzeit das Spiel aus der Hand. © Karsten Hannover
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Am 2. Spieltag der NOFV-Oberliga Süd verlor der FC Grimma nach eigener Führung gegen Budissa Bautzen am Ende mit 2:3. Somit ist der Saisonstart für die Muldestädter missglückt und Trainer Kunert weiß, dass die Mannschaft noch viel Arbeit vor sich hat.

Grimma. Das hatte sich der FC Grimma ganz anders vorgestellt. Nach der 2:3 (1:1)-Auftaktniederlage am letzten Sonntag beim Oberliga-Top-Favoriten FC Rot-Weiß Erfurt unterlagen die Muldestädter am 2. Spieltag nun im heimischen Husaren-Sportpark dem FSV Budissa Bautzen mit 2:3 (1:0) und setzten den Saison-Auftakt damit erst einmal in den Sand. Dabei sah es in den ersten 45 Minuten allerdings für die Platzherren recht gut aus. Mit einer verdienten 1:0-Führung ging es in die Kabinen, da man doch deutliche Feld- und Chancenvorteile verbuchen konnte. Was die Mannschaft dann jedoch in der zweiten Hälfte ablieferte, war allerdings recht schwer in Worte zu fassen.

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Auch Trainer Alexander Kunert sparte in der anschließenden Pressekonferenz nicht mit Kritik. „Insgesamt war die Darbietung in den zweiten 45 Minuten viel zu wenig“, so der Grimmaer Coach. „Vor allem von Spielern, die Ansprüche anmelden, jedoch gerade etwas hintendran sind, erwarte ich einfach viel mehr.“ So warteten die Gäste geduldig auch ihre Möglichkeiten, welche sie in der Schlussviertelstunde auch konsequent nutzten und somit die Partie drehen konnten. Matchwinner für die Ostsachsen war der 34-jährige Torjäger Torsten Marx, der nach seiner Einwechslung mit zwei Treffern und einer Torvorlage die Partie quasi ganz allein für den Aufsteiger entschied. „Erst einmal sind wir froh, dass wir ihn haben“, freute sich Budissa-Trainer Thomas Hentschel im Anschluss. „Er wird sicherlich nicht mehr jedes Spiel machen können, doch wenn er eingewechselt wird, lebt die Mannschaft und spürt großes Vertrauen. Nun freuen wir uns auf das Mittwochsspiel gegen Neugersdorf, wo sicherlich der eine oder andere Zuschauer mehr auf die Müllerwiese kommt.“

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Nach der 2:3-Auftaktniederlage am letzten Sonntag bei Rot-Weiß Erfurt, unterlagen die Muldestädter am 2. Spieltag nun im heimischen Husaren-Sportpark dem FSV Budissa Bautzen mit 2:3. Zur Galerie
Nach der 2:3-Auftaktniederlage am letzten Sonntag bei Rot-Weiß Erfurt, unterlagen die Muldestädter am 2. Spieltag nun im heimischen Husaren-Sportpark dem FSV Budissa Bautzen mit 2:3. ©

Für die Grimmaer gilt es dagegen nun Wunden zu lecken, obwohl die Zeit dafür recht knapp ist. Ebenfalls am Mittwoch sind die Kunert-Schützlinge erneut gefordert, wenn um 18.30 Uhr der aktuelle Tabellenführer SG Union Sandersdorf im Husaren-Sportpark gastiert. Dabei gehörten die ersten 45 Minuten klar der Grimmaer Mannschaft. Bereits nach wenigen Sekunden hätte Kevin Wiegner die Einheimischen in Führung bringen können, als er sich zunächst einen langen Pass von Michel Schwarz erlief, die Kugel im Anschluss jedoch aus vielversprechender Position am Tor vorbeisetzte. Grimma begann mit richtig viel Schwung, die Gäste aus der Spreestadt hatten im Defensivbereich zunächst alle Hände voll zu tun. Eine gute Einschussmöglichkeit hatte allerdings auch Budissa in der Anfangsphase, als sich Tom Hagemann – nach einem Diagonalpass von Jannik Käppler – zunächst gegen Jonas Konzok durchsetzte, im Torabschluss anschließend jedoch knapp verzog (8.).


Gäste mit Feldüberlegenheit

Die sollte jedoch zunächst die einzige Möglichkeit der Gäste bleiben. Die Muldestädter hatten die Spielkontrolle fest in der eigenen Hand und kreierten in der Folgezeit durchaus die eine oder andere aussichtsreiche Gelegenheit. „Wir hatten gute Ballbesitz-Phasen und schafften immer wieder vielversprechende Lösungsmöglichkeiten gegen diesen tief stehenden Gegner“, resümierte FC-Coach Alexander Kunert. Als Maximilian Sommer mit einem weiten Ball den rechtzeitig startenden Jan Hübner auf die Reise schickte, legte sich der Techniker beim letzten Kontakt den Ball etwas zu weit vor, so dass der rechtzeitig herauslaufende Budissa-Schlussmann Mikolaj Gorzelanski diese Gelegenheit mit letztem Einsatz entschärfen konnte (13.). Vier Minuten wäre der Bautzner Torhüter dann jedoch machtlos gewesen – Jonas Konzok köpfte einen von Michel Schwarz getretenen Eckball direkt ans Lattenkreuz (17.).

Mit dem nächsten Angriff sollten die Gastgeber dann allerdings ihre Feldüberlegenheit auch auf der Anzeigetafel zum Ausdruck bringen. Sehr gut von Moritz Griesbach per Rückpass in Szene gesetzt, blieb Robin Brand vor dem Tor eiskalt und brachte mit einem platzierten Abschluss die Gastgeber mit 1:0 in Front (18.). Zwar ebbte der große Grimmaer Schwung in der Folgezeit leicht ab, doch verloren die Platzherren nie die Kontrolle über die Begegnung. So blieben zwingende Offensivaktionen der Gäste in den ersten 45 Minuten eine Seltenheit. Einzig ein Distanzschuss von Julien Hentsch (drüber, 39.) sowie ein Versuch von Jannik Käppler, nachdem dieser prima von Tom Hagemann in Szene gesetzt wurde (vorbei, 45.+1), bedrohten das Grimmaer Gehäuse.

Bautzner Marx kippte vollends das Spiel

Auf der Gegenseite setzte Neuzugang Leonhard Wolf noch ein Achtungszeichen, als er zunächst ein Zuspiel von Jan Hübner aufnahm, sein anschließender Hinterhaltsschuss jedoch über die Querlatte strich (39.). „In der ersten Halbzeit hatten wir schon gehöriges Glück“, erkannte Gäste-Trainer Thomas Hentschel im Nachgang die Überlegenheit der Grimmaer nahtlos an. „Zu diesem Zeitpunkt hätte das Spiel schon gegen uns entschieden sein können.“ Auf der Gegenseite trauerte sein Gegenüber Alexander Kunert etwas den vergebenen Möglichkeiten nach. „Wenn wir vor dem Wechsel das zweite Tor machen, geht das Spiel vielleicht letztlich in eine andere Richtung.“ So appellierte der Grimmaer Coach zur Pause zwar noch einmal daran, weiterhin fokussiert zu bleiben und keinen Millimeter zurückzuweichen. „Wir hatten in der Halbzeit alles besprochen“, so Kunert.

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Doch sah die Realität nach dem Wiederanpfiff ganz anders aus. Kurz nach der Fortsetzung der Partie hatte man im FC-Lager bereits ein extrem mulmiges Gefühl, als Tom Hagemann plötzlich völlig frei vor Nico Becker auftauchte – der Grimmaer Schlussmann die Gelegenheit jedoch mit einem Blitzreflex zunichtemachen konnte (46.). Die Gastgeber gaben in der Folgezeit jegliche Kontrolle ab und agierten fortan extrem unruhig sowie fehlerhaft, so dass Bautzen nun Morgenluft witterte. Sehenswert von Hagemann eingeleitet, wurde ein Schuss von Steve Schröder im letzten Moment noch abgeblockt (55.), bei einem weiteren Versuch von Jannik Käppler zeigte sich Becker abermals auf dem Posten (56.). So kamen die Kunert-Schützlinge zwar äußerst behäbig aus der Kabine, doch war die Möglichkeit zum vielleicht vorentscheidenden Treffer für den FC durchaus vorhanden.

Nach guter Kombination setzte Jan Hübner mit einem Absatzkick mustergültig Moritz Griesbach in Szene, doch, allein auf das Tor zulaufend, schob der Stürmer den Ball knapp am Gäste-Gehäuse vorbei (68.). Kurz darauf versuchte sich Hübner mit einem Heber aus gehöriger Distanz, doch auch hier brauchte Gorzelanski im BudissaTor nicht einzugreifen (72.). Zu diesem Zeitpunkt hatte Gäste-Trainer Hentschel allerdings schon seinen Joker gezogen. Mit dem 34- jährigen Torsten Marx brachte der Bautzner Coach einen echten Torjäger, der bei all seinen Stationen (Dynamo Dresden II, Bautzen, Halberstadt, Bischofswerda, Kamenz, Görlitz, Großenhain) in den letzten Jahren eindrucksvoll seine Treffsicherheit unter Beweis gestellt hat. Und genau diese Einwechslung von Marx sollte die Begegnung in Grimma vollends kippen.

"Ganze Menge Arbeit vor uns"

Elf Minuten war der Budissa-Rückkehrer im Spiel, als er glänzend freigespielt wurde und aus spitzem Winkel per Lupfer Becker keine Abwehrchance ließ – 1:1 (75.). Dieser Treffer gab den Gästen zusätzlichen Auftrieb. Zwar strich kurz darauf ein Schuss von Robin Brand knapp über den Balken (76.), doch gewann Bautzen fortan deutlich Oberwasser. Nach einer flachen Eingabe von Florian Baudisch verpassten sowohl Hagemann als auch Marx (77.), so dass die Muldestädter hier schon Glück hatten, nicht in Rückstand zu geraten. Drei Minuten später hatten die Oberlausitzer die Begegnung dann jedoch komplett gedreht. Sehr gut von Marx in Szene gesetzt, fühlte sich in der Grimmaer Hintermannschaft niemand für Julien Hentsch zuständig, welcher mit einem Flachschuss zum 1:2 traf (80.).

Doch damit noch nicht genug – Grimma nun in Schockstarre, so dass Bautzen noch einmal eiskalt zuschlug. Nach einem blitzschnell vorgetragenen Konter brauchte Marx nach einem Querpass von Hentsch nur noch den Fuß hinhalten – 1:3 (83.). Nun warfen die Muldestädter alles nach vorn und tatsächlich sollte in der Schlussphase noch einmal Hoffnung im Grimmaer Lager aufkeimen – auch wenn die Gäste mit einer dicken Aktie daran beteiligt waren. Nach einem Anwurf von Torhüter Mikolaj Gorzelanski vertändelte Jannik Käppler die Kugel im eigenen Strafraum leichtfertig gegen Kevin Wiegner – im Anschluss konnte sich der Bautzner Abwehrspieler nur noch mit einem Foulspiel helfen. „Dieser Gegentreffer ärgert mich“, konstatierte Gäste-Coach Thomas Hentschel. „Das war eine blinde Geschichte – ausgehend schon mit dem Abwurf vom Torhüter.“

Michel Schwarz nahm das Geschenk dankend an und verwandelte den fälligen Strafstoß sicher zum 2:3-Anschlusstreffer (87.). Zwar versuchten die Gastgeber in der verbleibenden Spielzeit noch einmal alles, um wenigstens noch einen Punkt retten zu können, doch konnte sich die Kunert-Elf bis zum Schlusspfiff nichts Zwingendes mehr erarbeiten. Problemlos brachten die Gäste den kostbaren Auswärtssieg über die Zeit, so dass die Freude im Bautzner Lager natürlich groß war. „Heute haben wir mal das Glück gehabt, was wir vielleicht mal gebraucht haben“, resümierte GästeTrainer Hentschel und verteilte anschließend auch dem Gegner Komplimente. „Phasenweise hat Grimma richtig stark gespielt, deshalb freuen wir uns umso mehr über die ersten drei Punkte in dieser Oberliga-Saison.“ Die Laune seines Gegenübers, Alexander Kunert, war natürlich eine ganz andere. „Wenn man drei Auswärtstore erzielt, kann man schon von einem nicht unverdienten Gästesieg sprechen“, analysierte der FC-Coach trotzdem recht nüchtern zur Pressekonferenz. „Nach zwei Spielen sollte man sicherlich noch nicht auf die Tabelle schauen. Doch eins steht fest: Wir haben noch eine ganze Menge an Arbeit vor uns.“