27. August 2020 / 18:57 Uhr

Trotz Horror-Bilanz: Darum haben Wolfsburgs-Frauen diesmal eine Chance gegen Lyon!

Trotz Horror-Bilanz: Darum haben Wolfsburgs-Frauen diesmal eine Chance gegen Lyon!

Jasmina Schweimler
Wolfsburger Allgemeine / Aller-Zeitung
Dauerfrust gegen Lyon: Im Vorjahr scheiterte der VfL zum vierten Mal am Rekordsieger (l.), diesmal wittern Alexandra Popp (r.) und Co. ihre Chance.
Dauerfrust gegen Lyon: Im Vorjahr scheiterte der VfL zum vierten Mal am Rekordsieger (l.), diesmal wittern Alexandra Popp (r.) und Co. ihre Chance. © AP / Boris Baschin
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Der VfL Wolfsburg trifft am Sonntag (20 Uhr, live auf Sport1) auf den Seriensieger Olympique Lyon. Die Französinnen taten sich im bisherigen Verlaufe des Turniers gegen Bayern und PSG überraschend schwer - die Wolfsburgerinnen wittern ihre Chance.

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Sie haben national und international alles weggeräumt, was sich ihnen in den Weg stellte - nur an Olympique Lyon sind die Fußballerinnen des VfL Wolfsburg immer wieder gescheitert. Am Sonntag steht der nächste Versuch an - im Finale der Champions League, das die seit Jahren besten beiden Frauenmannschaften Europas ab 20 Uhr im Estadio Anoeta in San Sebastian bestreiten. Und die Chance auf einen Wolfsburger Sieg ist diesmal so groß wie lange nicht mehr - denn der "Riese" Lyon hat Schwächen gezeigt.

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VfL gegen Lyon - das ist aus Wolfsburger Sicht eine Horror-Bilanz. Fünfmal kreuzten sich die Wege beider Teams in der Champions League, nur einmal setzte sich Wolfsburg durch - im Finale 2013, als Martina Müller per Elfmeter-Tor für den 1:0-Sieg des Außenseiters sorgte. Danach gewann immer das mit Weltstars gespickte Team von der Rhone, zweimal im Finale (2016 und 2018), zweimal im Viertelfinale (2017 und 2019). "Klar sind unsere letzten Spiele gegen sie nicht erfolgreich gewesen", sagt VfL-Coach Stephan Lerch, doch "mein Gefühl sagt mir, dass wir uns auf diese Partie freuen können..."

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"Keine denkt: 'Och nee, nicht schon wieder Lyon'"

Denn Lyon tat sich im bisherigen Verlauf des Turniers schwer, die Mannschaft von Trainer Jean-Luc Vasseur wirkte weder beim Viertelfinal-2:1 gegen die Bayern noch beim Halbfinale gegen Paris so dominant. Das 1:0 gegen PSG verfolgte Lerch zusammen mit seinen Spielerinnen in der Lobby des NH-Hotels in San Sebastian, auch die Partie gegen die Bayern hatte ein Großteil der Mannschaft dort geschaut. Lerchs Fazit: "Dass sie wieder im Finale stehen, ist für mich keine Überraschung", aber "es waren bisher enge Partien für Lyon, sie haben sich an der einen oder anderen Stelle schwer getan, Lösungen zu finden." Die Spielerinnen sehen es auch so. Kaptänin Alexandra Popp: "Als das Spiel am Mittwoch zu Ende war und der Gegner feststand, hatte ich nicht das Gefühl, dass wir ins Bett gegangen sind und uns gedacht haben: 'Och nee, nicht schon wieder Lyon.' Es ist wieder ein neues Spiel, es fängt bei 0:0 an."

Das mag zum einen an der noch fehlenden Spielpraxis liegen (in Frankreich wurde die Liga abgebrochen), zum anderen aber auch an dem Fehlen von Schlüsselspielerinnen wie Ada Hegerberg (noch nicht fit nach Kreuzbandriss) und Griedge Mbock Bathy (Achillessehnenriss), Amandine Henry und Eugenie Le Sommer mussten zudem aufgrund kleiner Wehwehchen immer mal wieder pausieren. Stürmerin Nikita Parris wird nach Gelb-Rot gegen PSG im Finale nur zugucken dürfen. Lerch: "Da fehlen wichtige Spielerinnen, aber dafür stehen andere in den Startlöchern." Man dürfe sich darum auch weder von den Ausfällen noch von den knappen Ergebnissen "blenden lassen", denn: "Sie haben einen unfassbar starken Kader." Zu diesem Kader gehört die halbe französischen Nationalmannschaft - und seit Juli auch Sara Gunnarsdottir, die vom VfL kam. Die Isländerin ist eine der neuen Spielerinnen, die bei der CL-Endrunde im Baskenland bisher zum Einsatz kamen.

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"Wir wollen am Montag Zusatzgepäck im Flugzeug haben"

Popp musste beim knappen 1:0 des VfL gegen Barcelona im Halbfinale vorzeitig vom Platz, hatte im Spiel ordentlich etwas abbekommen. Jetzt gab die Nationalspielerin Entwarnung. "Mein Rücken hat ein bisschen was abbekommen, aber ich kann wieder gerade laufen. Das ist die Hauptsache", schmunzelte Popp, die auf das Finale gegen Lyon brennt. "Ich habe bereits das Pokalfinale zwischen Lyon und Paris geschaut. Bereits da hatte ich das Gefühl, dass PSG nah dran war", findet Popp. Doch Lyons individuelle Klasse "ist vor allem bei Standards mit Wendie Renard stark. Und wenn sie dann einmal treffen, ist es schwierig, da hinterher zu rennen."

Was zudem für den VfL spricht: Nach der grandiosen Saison in der Liga und dem erneuten Erfolg im Pokal "haben wir die Konstanz der ganzen Saison im Rücken. Wir wissen, was wir spielen und auf den Platz bringen können", so Popp. Manche Ergebnisse aus der Vergangenheit hörten sich zwar deutlich an, doch "wenn man die Spiele betrachtet, waren sie gar nicht so deutlich. Wir waren schon immer nah dran, aber es haben Kleinigkeiten gefehlt oder wir haben doofe Fehler gemacht. Ich denke, dass uns das dieses Jahr nicht passieren wird", so Popp kämpferisch. "Wir haben ein ganz anderes Selbstbewusstsein mit ins Turnier gebracht. Unser Ziel ist es ganz klar, dass wir am Montag noch etwas Zusatzgepäck im Flugzeug haben - den Titel!"