01. September 2019 / 17:28 Uhr

Trotz Karriere-Knick bis heute populär: Ralf Heine feiert seinen 75. Geburtstag

Trotz Karriere-Knick bis heute populär: Ralf Heine feiert seinen 75. Geburtstag

Frank Müller
Leipziger Volkszeitung
Ralf Heine ist aus dem Leipziger Fußball nach wie vor nicht wegzudenken.
Ralf Heine ist aus dem Leipziger Fußball nach wie vor nicht wegzudenken. © André Kempner
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Die DDR-Führung erzwang seinen sportlichen Abstieg. Aber Ralf Heine ließ sich nie unterkriegen, bewältigte zahlreiche Brüche in seiner Laufbahn. Am 1. September wird der ehemalige Torhüter von Chemie Leipzig 75 Jahre alt.

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Leipzig. Er war einer der besten Tormänner Leipzigs und der DDR. Ja, er hätte vielleicht Nationalspieler werden können, wenn seine Karriere nicht einen herben Bruch erfahren hätte. Die Rede ist von Ralf Heine, der in den 1960er und 1970er Jahren für Vorwärts Leipzig, den Halleschen FC Chemie, Chemie Leipzig, Chemie Böhlen und Stahl Nordwest zwischen den Pfosten stand. Die Torwartlegende mit der spektakulären Sportlerbiografie wird heute 75. Etliche Episoden aus seinem bewegten Leben sind unter anderem im Buch „Die im Osten spielten“ nachzulesen.

Notgedrungener Wechsel zu Chemie Leipzig

So wie über den folgenschweren Knick in seiner Laufbahn, der nicht selbstverschuldet war. Heine wusste zunächst nicht einmal den Grund dafür. Er erfuhr erst Wochen später, dass seine Schwester über die Ostsee in den Westen Deutschlands geflüchtet war. Zu dem Zeitpunkt, mitten in der Saison 1970/71, spielte er für den HFC. Die Hallenser bestellten ihn eines Tages in die Klubleitung und teilten ihm mit, dass er ab sofort für Oberligaspiele, also für die damals erste Liga, gesperrt sei. „Der Grund wurde dabei nicht einmal erwähnt“, beschreibt Heine den seltsamen Vorgang. Das Ganze ging wohl maßgeblich auf den so genannten Fußballbeschluss zurück, wonach Akteure mit Westverwandtschaft nicht Oberliga spielen durften. Ein Edikt, das andernorts durchaus aufgeweicht wurde.

Hier war Ralf Heine in seinem Element: zwischen den Pfosten.
Hier war Ralf Heine in seinem Element: zwischen den Pfosten. © LVZ-Archiv
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Der Torwart durfte zur nächsten Saison immerhin Chemie Leipzig wechseln, damals gerade erstmals in die zweitklassige DDR-Liga abgestiegen. Mit den Grün-Weißen schaffte er umgehend den Wiederaufstieg. Da er großen Anteil an dem Erfolg hatte, avancierte er in Leutzsch zum Publikumsliebling. Doch nun hätte er angesichts seiner politisch bedingten Sperre nicht mehr für Chemie spielen dürfen. Der Verein erwirkte eine Sondergenehmigung. Heine trug maßgeblich zu Chemies Oberliga-Verbleib 1972/73 bei. Er wie sein Verein glaubten, dass er nun weiter in der Oberliga halten dürfte. Doch die DDR-Sportapparatschiks kannten keine Gnade. Der hochtalentierte und in Leipzig sehr populäre Keeper sollte nur noch in der Zweiten von Chemie spielen.

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Gepostet von LVZ Leipziger Volkszeitung am Samstag, 23. März 2019

Das lehnte er ab und kam beim Zweitligisten Chemie Böhlen unter. Mit den Rand-Leipzigern stand er 1977 wieder vor dem gleichen Problem. Eine nochmalige Ausnahme wurde aber nicht gemacht, weshalb sich Heine schließlich zu seinem Ursprungsverein Stahl Nordwest zurückzog. Diesen führte er als Spielertrainer zeitweise bis in die DDR-Liga, insgesamt coachte er die Nordwestler 31 Jahre lang. Beim SV Nordwest ist der Jubilar bis heute als Geschäftsführer tätig. „Feiern werde ich nur im kleinen Kreise“, kündigt er an. Wenn er sich da mal nicht täuscht, denn um manche feuchtfröhliche Runde wird er angesichts seiner Bekanntheit bestimmt nicht herumkommen.

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