19. März 2021 / 16:18 Uhr

Trotz mulmigen Gefühl und illegaler Party: Merle Homeier und Luna Thiel sind nach der Hallen-EM in Torun coronafrei

Trotz mulmigen Gefühl und illegaler Party: Merle Homeier und Luna Thiel sind nach der Hallen-EM in Torun coronafrei

Redaktion Sportbuzzer
RedaktionsNetzwerk Deutschland
Merle Homeier (links) und Luna Thiel sind ohne Corona aus von der Hallen-EM in Torun zurückgekehrt. Beide hatten jedoch ein mulmiges Gefühl. fotos: imago images
Merle Homeier (links) und Luna Thiel sind coronafrei aus Torun zurückgekehrt. Beide hatten jedoch auch ein mulmiges Gefühl. © imago images
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Die Hallen-EM im polnischen Torun hat sich als ein Superspreader-Event herausgestellt. Die beiden Schaumburger Leichtathletinnen blieben verschont.

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„Das war schon ein mulmiges Gefühl.“ Da sind sich die beiden Schaumburger Leichtathletinnen Luna Thiel (VfL Eintracht Hannover) und Merle Homeier (LG Göttingen) einig. Beide sind bei der Hallen-Europameisterschaft im polnischen Torun angetreten. Und nun kam raus, dass sich dort von den mehr als 700 Athleten aus 47 Ländern insgesamt 51 mit dem Coronavirus infiziert haben. Trotz strenger Hygienemaßnahmen.

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Alle in einem Bus

Weitspringerin Homeier und 400-Meter-Läuferin Thiel blieben verschont. Und dass, obwohl sieben weitere Sportler aus dem deutschen Team mit Corona nach Deutschland zurückkamen. Sie alle saßen auf der Rückfahrt in einem Bus. Zurück in Hannover hat die Obernkirchenerin Thiel davon erfahren. „Dass es tatsächlich sieben Deutsche waren, habe ich erst jetzt, fast zwei Wochen später aus dem Internet erfahren“, sagt Thiel. Wer diese sieben waren und wo sie im Bus bei der gemeinsamen Rückfahrt gesessen haben, weiß keiner. „Vielleicht wäre bei so einer Sache mehr Information doch wichtiger als der Datenschutz. Immerhin haben wir zehn Stunden alle zusammen im Bus verbracht“, sagt Thiel.

Das volle Ausmaß der Infektionen bei der EM wird ohnehin erst jetzt klar. „15 Italiener, neun Briten und neun aus den Niederlanden hat es auch erwischt“, sagt Thiel. Doch an ihr ist der Kelch vorbeigegangen. „Ich habe seit dem fünf Schnell- und PCR-Tests gemacht. Da waren wir fast mehr beim Testen als beim Training“, sagt Thiel. Positiv für sie: Alle Tests waren negativ.

Illegale Party

Die Bückeburgerin Homeier hatte sich vor Ort schon „unwohl gefühlt". Während der siebenstündigen Busfahrt von Berlin nach Torun sollten die Sportler durchgängig ihre Masken tragen. Nicht alle sollen das über die gesamte Zeit getan haben. „Wir waren in Doppelzimmern und auch mit anderen Nationen im Hotel untergebracht“, berichtet Homeier. Alle hätten gemeinsam gegessen und sich dadurch vermischt. Auch eine illegale Party soll es am Sonntag nach den Wettkämpfen gegeben haben. In der Halle selbst ließ der „superkleine Aufwärmbereich“ kaum Möglichkeiten, um den Abstand zu anderen Sportlern einzuhalten. Eine sichere Blase sieht anders aus.

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Die Weitspringerin hatte von dem positiven Test im deutschen Team erst eine Woche nach der Rückkehr aus Polen vom Bundestrainer erfahren. „Ich habe direkt danach einen PCR-Test in Minden gemacht und war superaufgeregt.“ Schließlich hatte die 21-Jährige innerhalb dieser Woche auch Kontakt zu anderen Menschen. „Zwei weitere PCR-Tests waren danach auch negativ. Aber wir wissen nicht, wer sich infiziert hat, uns wurde aber auch keine Quarantäne empfohlen. Es ist einfach ein mulmiges Gefühl.“ Trainingslager stehen für Homeier vorerst nicht an. Ihr Coach möchte Vorsicht walten lassen. „Aber in Hannover haben wir gute Trainingsmöglichkeiten.“

Trainingslager auf Gran Canaria

Bei Thiel sieht das anders aus. Sie fliegt am Samstag (20. März) zum Trainingslager des deutschen Leichtathletik-Verbandes nach Gran Canaria – vier Wochen Vorbereitung auf die Staffel-WM Anfang Mai sind angesagt. Das wird anders als sonst. Einzelzimmer, vier Wochen Leben in einer Blase, kein Genießen der südlichen Sonne, kein Sightseeing. „Ich nehme zum Glück viel Arbeit für mein Studium mit. Ich kann mir schon vorstellen, dass es für alle, die das nicht haben, langweilig werden kann“, sagt Thiel. Aber Rücksicht ist für sie wichtig. „Wir müssen doch Vorbilder sein und uns auch an alle Regel halten. Alles andere wäre nicht fair der Gesellschaft gegenüber.“ Die Isolation hat auch andere Folgen. „Ich habe auf eigenen Kosten ein weiteres Gepäckstück gebucht. Wenn man die ganze Zeit nichts einkaufen kann, reichen 23 Kilogramm für einen Koffer kaum aus“, sagt Thiel.

Mulmig ist Thiel nun übrigens auch wieder. „Gran Canaria war lange kein Risikogebiet. Jetzt kurz bevor wir dahin fliegen, steigen auch dort wieder die Fälle“, sagt Thiel. So wird sich ihr Leben über vier Wochen nur auf den Sportplatz, das Hotel-Restaurant und ihr Hotel-Zimmer mit den Online-Aufgaben für ihr Studium beschränken.