27. Januar 2021 / 16:12 Uhr

Trotz Personalnot bei der TuS Frisch Auf Hainichen: „Uns gibt es noch"

Trotz Personalnot bei der TuS Frisch Auf Hainichen: „Uns gibt es noch"

Heiko Henschel
Leipziger Volkszeitung
Symbolbild
Bei TuS wird schon länger nicht mehr gegen den Ball getreten. © Christian Modla
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Bald wieder mehr Leben in die Bude? Bei der TuS Frisch Auf Hainichen herrscht Stille, Funkstille. Der Verein steht ohne Kicker da. Irgendwann soll das runde Leder wieder über den verlassenen Fußballplatz rollen.

Kitzscher/Hainichen. „Lebt denn der alte Holzmichl noch?“ In Abwandlung eines Randfichten-Gassenhauers könnte die Frage ebenso lauten: Was treibt eigentlich der TuS Frisch Auf Hainichen? Die Antwort des Vereinsvorsitzenden Karl Hellriegel bietet keine Veranlassung zur Sorge: „Uns gibt es noch und wir schlafen auch nicht.“ Das auf dem Gespräch basierende Nachhaken hatte sich allerdings förmlich aufgedrängt, denn mit regelmäßigen Wettkampfbetrieb machen die Sportler aus dem knapp 500 Einwohner zählenden Ortsteil von Kitzscher momentan nicht auf sich aufmerksam. Was jedoch keineswegs mit der Corona-Pandemie, sondern schlichtweg fehlendem Personal zu tun hat.

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Die Fußball spielenden Männer hatten ihre Eigenständigkeit aus Kader-Gründen bereits 2012 aufgegeben und sind nach Spielgemeinschaften mit den Reserveteams des FSV Kitzscher, des Bornaer SV sowie des FC Bad Lausick auf dem Kicker-Atlas aktuell überhaupt nicht mehr zu finden. Die Alten Herren hat es mittlerweile in alle Winde verstreut, die Frauenmannschaft existiert wie bei zahlreichen Leidensgenossen längst nicht mehr und ein Nachwuchsteam sucht man in Hainichen derzeit gleichfalls vergeblich. Dennoch ist der weiße Fleck auf der Punktspiel-Landkarte nicht für ewig in Stein gemeißelt. Hellriegels Blick richtet sich stattdessen nach vorn: „Es ist beileibe nicht ausgeschlossen, in naher Zukunft wieder die eine oder andere Mannschaft zu melden. Damit wieder etwas mehr Leben in die Bude einzieht. Zu Dorffesten sind früher bei Fußballturnieren 100 Kinder dem runden Leder nachgejagt.“

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Die Voraussetzungen dafür sind auf dem Gelände definitiv vorhanden, weil die Infrastruktur halt stimmt. Der 1897 gegründete und heute etwa 80 Mitglieder zählende Verein – in dem neben Fußball auch Pop-Gymnastik (beides auch für Kinder und Jugendliche), Kegeln sowie Tennis angeboten wird – verfügt über eine durchaus ansehnliche und großzügige Sportanlage. Ein großer und ein mit Flutlicht ausgestatteter kleiner Rasenplatz (sogar in puncto Bewässerung gibt es gewisse Ideen), zwei Tennisplätze sowie eine Kegelbahn stehen zur Verfügung. Das in den Jahren 1973/1974 errichtete Sportler-Heim präsentiert sich nach umfangreichen Baumaßnahmen so modern wie nie zuvor. Fenster, Duschen, Wärmedämmung – am und im Gebäude ist vieles neu. Dank Fördermitteln und Eigenleistungen, wobei sich der Präsident - der mit der VR Bank auf einen zuverlässigen Partner setzen kann – hier wie da in vorderster Front mächtig ins Zeug legte.

125. Jubiläum steht bevor

Obendrein bekam die 1962 hoch gezogene und einige Steinwürfe entfernte Turnhalle unter anderem ein neues Dach verpasst. Insbesondere die 20 Damen der Pop-Gymnastik-Gruppe - welche dort ihr Domizil haben - registrierten es mit sichtlicher Freude. Grund zum Jubel gab es in den vergangenen Jahrzehnten bereits reichlich, gerade die Fußballmänner konnten manchen Erfolg feiern. Fünfmal holten sie den Kreismeistertitel (1979, 1980, 1982, 1985 als BSG Traktor sowie 1993 als Frisch Auf), ebenfalls fünfmal wurden sie Pokalsieger. 1974 behielt man gegen die BSG Traktor Ramsdorf mit 1:0 die Oberhand, 1977 konnte die BSG Aktivist Deutzen mit 6:5 nach Elfmeterschießen bezwungen werden, 1982 wurde durch ein 2:1 gegen die BSG Traktor Auligk sogar das Double geholt, 1986 gegen die BSG Aktivist Espenhain/Mölbis mit 1:0 gewonnen und 1992 gelang ein 1:0-Sieg gegen den SV Blau-Weiß Deutzen.

1995 stand sogar die zweite Mannschaft im Finale, zog allerdings gegen die Deutzener mit 0:2 den Kürzeren. Der aus einer sportlich-musikalischen Familie stammende Karl Hellriegel (die Enkel spielen Fußball, auch der Sohn hat gekickt, schon der Großvater stand dem Gesangsverein vor) erlebte alle Triumphe praktisch hautnah mit. Seit sage und schreibe 50 Jahren ist er Vereinschef und keineswegs amtsmüde. Wäre schließlich auch gelacht, wenn der Name „Frisch Auf“ vom Club-Logo prangt. Außerdem wird 2022 zum 125. Geburtstag Jubiläums-Alarm ertönen, da bleibt man automatisch hellwach.