10. Dezember 2021 / 08:05 Uhr

Ist das nicht irgendwie verboten? Trotz Quasi-Lockdowns spielen einige sächsische Teams weiter

Ist das nicht irgendwie verboten? Trotz Quasi-Lockdowns spielen einige sächsische Teams weiter

Johannes David
Leipziger Volkszeitung
Die Fußball-Regionalliga, Floorball und Tischtennis sind nur drei Sportarten, in denen weiter trainiert und gespielt wird.
Die Fußball-Regionalliga, Floorball und Tischtennis sind nur drei Sportarten, in denen weiter trainiert und gespielt wird. © Christian Modla / Montage
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Die Fußball-Regionalligisten des Freistaates aber auch Teams einiger anderer Spielsportarten sind weiter am Ball. Doch dürfen die das gemäß Corona-Notverordnung überhaupt noch? Eine eindeutige Rechtsgrundlage gibt es dafür in Sachsen nicht.

Leipzig. „Ist das nicht irgendwie verboten, ist das tatsächlich erlaubt? Kann ich das bitte schriftlich haben, weil mir nachher keiner glaubt. Dürfen die das?“ Diese Fragen stellte sich schon vor Jahren eine deutsche Punkrock-Band namens Die Ärzte. Die Worte scheinen gerade aktueller denn je. Worum es konkret geht: Neben den Vollprofis, etwa in Leipzig die RB-Kicker, DHfK-Handballer oder IceFighters, sind trotz des Quasi-Lockdowns noch einige Teams in der Region mit dem Spielbetrieb beschäftigt. Zum Beispiel die hiesigen Fußball-Regionalligisten sowie die Zweitliga-Volleyballer und -Handballerinnen, aber auch die höchstklassigen Teams im Hockey, Tischtennis oder Floorball. Aber dürfen die das gemäß Corona-Notverordnung überhaupt?

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„Laut Auffassung des Sächsischen Sozialministeriums dürfen im Fußball die Ligen eins bis drei spielen, die Regionalliga in Sachsen nicht“, heißt es dazu aus dem Ministerium. Na hoppla. Gleiches gelte demnach für ähnlich organisierte Ligen, die zwar von ihren Verbänden oder vom Deutschen Olympischen Sportbund (DOSB) sowie vom Landessportbund das Siegel Profiliga bekommen haben, in denen aber de facto so gut wie keine Vollprofis oder Berufssportler zu finden sind.

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Also etwa die 2. Handball-Bundesliga, wo die Frauen des HC Leipzig spielen, oder die 2. Volleyball-Bundesliga mit den Männern der L.E. Volleys und des GSVE Delitzsch sowie den Frauen der Sachsen Volleys Grimma. Auch hier wird munter gespielt und trainiert. Mit zumindest fragwürdiger Rechtsgrundlage.


Plötzlich Profi? Fördergelder müssten zurückgezahlt werden

Und da wäre noch ein anderer, nicht ganz unwesentlicher Fakt. So weist die Stadt Leipzig darauf hin, „dass Profisport durch die Stadt Leipzig nicht gefördert wird und damit im Zweifel auch mögliche Förderungen zurückgezahlt werden müssten – auch im Hinblick auf die Nutzungskosten der Sportanlagen der Stadt“.

Doch wie kann es abgesehen davon überhaupt sein, dass die betroffenen Teams weiter am Ball bleiben? In der Fußball-Regionalliga Nordost hat offenbar schlicht der Verband NOFV entschieden, den „Spielbetrieb bis auf Weiteres unter Beachtung der Coronaschutzverordnungen der Bundesländer und der strikten Umsetzung der jeweils gültigen Hygienekonzepte“ fortzusetzen. Nur verhindert die in Sachsen derzeit gültige Verordnung eigentlich genau das. Der entsprechende Passus besagt in diesem Zusammenhang, dass lediglich „lizenzierte Profisportlerinnen und -sportler, Berufssportlerinnen und -sportler“ weitermachen dürfen.

Die gibt es aber weder bei Handballerinnen, noch bei den Volleyballern oder den Viertliga-Kickern von Chemie Leipzig oder dem FC Eilenburg. Die Chemiker wollten ohnehin bereits ihre in diesem Jahr noch ausstehenden Heimspiele verlegen beziehungsweise das Heimrecht tauschen. Allerdings, um Partien ohne Zuschauer und damit einhergehenden Einnahmeverluste abzuwenden. Diesem Ansinnen wiederum kam der Verband nicht nach.

„Nicht nachvollziehbar, dass wir weiterspielen“

Geisterspiele hin oder her, Eilenburgs Trainer Nico Knaubel ist schon längere Zeit mulmig zumute. „Für Außenstehende ist es nicht nachvollziehbar, dass wir weiterspielen. Aus meiner Sicht gibt es in Deutschland drei Profi-Fußballligen. Alle darunter sollten solidarisch sein und ebenfalls aussetzen“, sagt der 41-Jährige und ergänzt: „Mir fehlt die klare Linie. Wo ziehen wir die Grenze? Nächstes Jahr sagt dann vielleicht Rot-Weiß Erfurt in der Oberliga ,wir sind ein Profiverein’ oder eine Mannschaft aus der Landesliga.“ Allerdings: Bereits im letzten bundesweiten XXL-Lockdown hatten in Deutschland einige vierte Fußball-Ligen (West, Südwest) ihre Saison wie die Profis zu Ende gespielt ...

Handball-Zweitligist HC Leipzig holte sich seine Spiel- und Trainingserlaubnis vom Verband und reichte diese bei der Stadt ein. Aus dem Rathaus heißt es dazu nur, dass es „sehr wohl Grauzonen in verschiedenen Sportarten“ gebe. Der HCL verweist darauf, dass Liga zwei wie die Bundesliga nicht vom gemeinnützigen Amateur-Verband DHB, sondern von der HBF ausgerichtet wird – vergleichbar mit der DFL im Fußball oder der HBL im Männerhandball. Zudem hätten die Spielerinnen Verträge und würden ihre Miete und Brötchen von den Einnahmen im Handball bezahlen. Auch wenn es sich vom Berufsbild her meist um Studentinnen handelt und im Frauenhandball keine riesigen Summen gezahlt werden.

Die Volleyball-Zweiligisten und Vertreter weiterer Sportarten berufen sich auf eine vom DOSB herausgegebene Liste der Profiligen – nur ist davon in der sächsischen Verordnung gar keine Rede. Und was nicht explizit als Ausnahme vom aktuell gültigen Trainings- und Spielverbot für alle ab 16 Jahren geregelt ist, ist eben nicht erlaubt. Demnach hätten alle Partien, die seit dem 22. November – als die hiesige Verordnung in Kraft trat – ausgetragen wurden, nicht von der Verordnung gedeckt, so sie denn in Sachsen stattfanden und man der Einschätzung des Ministeriums folgt. Wenn es nach den Verbänden geht, ist das Vorgehen wiederum „tatsächlich legal“, nach der Stadt Leipzig „eine Grauzone“. Da kann sich also offenbar ein jeder das für ihn gerade Passende heraussuchen.

Mit: Antje Henselin-Rudolph und Frank Schober