09. Februar 2020 / 15:37 Uhr

Trotz Unterzahl und Eigentor in Fürth: 96 verschafft sich Luft im Abstiegskampf

Trotz Unterzahl und Eigentor in Fürth: 96 verschafft sich Luft im Abstiegskampf

Dirk Tietenberg
Hannoversche Allgemeine / Neue Presse
Hannovers Cedric Teuchert feiert seinen Treffer zum zwischenzeitlichen 2:0.
Hannovers Cedric Teuchert feiert seinen Treffer zum zwischenzeitlichen 2:0. © imago images/Zink
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Hannover 96 hat sein Auswärtsspiel am 21. Spieltag der 2. Fußball-Bundesliga bei der SpVgg Greuther Fürth mit 3:1 für sich entschieden. In einer ereignisreichen Partie deutete nach dem 1:0 von Genki Haraguchi alles auf einen 96-Sieg hin, doch dann gab es einen Platzverweis, ein Eigentor und eine Verletzung zu beklagen. Den Schlusspunkt setzte ein Debütant. 

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Linton Maina wollte gar nicht mehr stoppen. „Ich hab gedacht, er läuft ins Aus“, sagte Hannovers überraschter Trainer Kenan Kocak. Aber nein. 96. Minute, 96-Stürmer Maina, 19 Jahre jung, rannte mit Ball auf und davon, legte zurück auf Simon Stehle, 18 Jahre jung. Stehle schoss 96 in seinem Profidebüt zum 3:1 ins Auswärtsglück. Maina und Stehle liefen sofort durch zur Gästekurve. Schiedsrichter Sören Storks pfiff die aufregende Partie ab. „Auswärtssiege sind schöööön“, sagten die 550 Fans aus Hannover.

Chaos-Sonntag in Fürth

Unbekannte 96-Emotionen brachen aus. Der erste Sieg 2020, das erste Tor eines Teenagers, ein Platzverweis für Josip Elez, ein gehaltener Elfmeter von Ron-Robert Zieler, ein weiteres Felipe-Verletzungsdrama. Aber 96 gewann den Chaos-Sonntag in Fürth.

„Für uns sind alle Punkte wichtig“, wusste Kocak nachher. Was jeder an der Tabelle ablesen kann. 96 holte Luft im engen Würgegriff des Abstiegskampfes. Dass eine Mannschaft „wie ein Bummerang nach dem Rückschlag gegen Wiesbaden“ (2:2) zurückgekehrt war, freute Kocak besonders. „Vielleicht“, sagte der Schlussläufer Maina vor sich hin, „liegen uns diese Gegner ja mehr.“ Den kommenden Gegner Hamburg schloss Maina in seine Vermutung mit ein.

Roten in Noten: So waren die 96-Profis gegen Greuther Fürth in Form

<b>Ron-Robert Zieler</b>: Nach dem Patzer, der gegen Wiesbaden zuletzt den Sieg kostete, diesmal stark. Hält vor der Pause mehrfach die Führung mit Klasseparaden fest – und dann auch noch den Elfmeter von Hrgota. Note 1 Zur Galerie
Ron-Robert Zieler: Nach dem Patzer, der gegen Wiesbaden zuletzt den Sieg kostete, diesmal stark. Hält vor der Pause mehrfach die Führung mit Klasseparaden fest – und dann auch noch den Elfmeter von Hrgota. Note 1 ©

"Über die Ursachen und die Symptome bei den Standards müssen wir sprechen."

Fürth spielte geordnet, zielgerichtet außen an einem kompakten 96-Mittelfeld vorbei. Und war immer gefährlich, vor allem bei Standards. Linksverteidiger Jannes Horn hatte in der ersten Hälfte riesige Probleme – 96 lag 1:8 nach Eckbällen zurück und verdankte es Zieler, dass Fürth nicht vorne lag. „Über die Ursachen und die Symptome bei den Standards müssen wir sprechen“, sagte Kocak nachher, als handele es sich um ein Virus.

Die Momente von Genki Haraguchi wirken hingegen immer wieder heilsam. Sein 1:0 (41. Minute) nach Vorarbeit von Dominik Kaiser und Linton Maina war erneut die erste Punkte-Medizin, die 96 so dringend braucht. Haraguchi hatte ja auch schon gegen Wiesbaden getroffen.

Bilder vom Auswärtsspiel von Hannover 96 bei der SpVgg Greuther Fürth

Fürths Havard Nielsen (r.) mit Händchen - Edgar Prib versucht zu stören. Zur Galerie
Fürths Havard Nielsen (r.) mit Händchen - Edgar Prib versucht zu stören. ©

Zieler hat "die Ecke geahnt"

So ging 96 führend in die Pause nach einem geordneten ersten Durchgang. Der zweite entwickelte sich wie ein wilder Ritt durch alle Facetten des Zweitligafußballs. Zunächst reizten die Fürther Fans Zieler als „Fliegenfänger, Fliegenfänger.“ Dabei schnappte er sich alle Fliegen, während seine Verteidiger in der Luft kopflos irrlichterten.

Statt seines Kopfes nutzte Josip Elez die Fingerspitzen, um ein Tor zu verhindern. Schiri Storks gab nach Prüfung am Bildschirm den Elfer und schickte Elez mit Gelb-Rot runter. Kurz zuvor hatte Kocak noch eine neue Taktik auf einen Zettel gemalt und ihn Felipe gereicht. „Für zehn Feldspieler, dann war es einer weniger, das konnten wir dann vergessen“, gestand Kocak. Zieler hielt aber die Führung beim Elfmeter von Branimir Hrgota fest. „Ich habe die Ecke geahnt“, erklärte er nachher. „Ich hatte das Gefühl, hier kann heute nichts anbrennen.“

Mehr zum Spiel #SGFH96

"Ein Traum ist in Erfüllung gegangen."

Auch Edgar Prib ahnte den nächsten Fürther Angriff voraus, schickte Maina, der gibt weiter zu Cedric Teuchert gab. Und der Ex-Nürnberger tanzte seinen persönlichen Derby-Samba zum 2:0 und zur Gästefankurve (70.). 96 machte weiter, aber auf der falschen Seite - Waldemar Anton pickte den Schuss von Maximilian Wittek ins eigene Tor – 1:2 (74.). „Das dritte Eigentor, seit ich hier bin“, ärgerte sich Kocak. „Das passt auch wieder.“ Aber es passte auch dazu, dass die Fürther von sich aus nicht an Zieler vorbeikamen.

Kocak brachte nun den pfeilschnellen Stürmer Stehle, während Felipe nach einem Stich in den Oberschenkel rausmusste (79.). Die Lücke kleisterte Kocak dann mit Matthias Ostrzolek zu. Und der Defensivkleber hielt. Bis zur sechsten Minute der Nachspielzeit. Fürths Torwart Saschsa Burchert stürmte mit bei der mittlerweile 13. Ecke der Fürther. 96 klärte Maina marschierte über 70 Meter los, Burchert kam nicht hinterher, Maina legte rüber zu Stehle. „Ein Traum ist in Erfüllung gegangen“, sagte der 18-Jährige. Und der 96-Albtraum des sieglosen Jahres 2020 ist erstmal vorüber.

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