20. Mai 2020 / 11:38 Uhr

TSC Schwarz-Gold erhält EM-Zuschlag – und hofft auf Austragung im September

TSC Schwarz-Gold erhält EM-Zuschlag – und hofft auf Austragung im September

Ferdinand Jacksch
Göttinger Tageblatt
Die Europameisterschaft der Standardformation soll am 26. September in Göttingen ausgetragen werden. Die Corona-Pandemie könnte dem Gastgeber jedoch einen Strich durch die Rechnung machen.
Die Europameisterschaft der Standardformation soll am 26. September in Göttingen ausgetragen werden. Die Corona-Pandemie könnte dem Gastgeber jedoch einen Strich durch die Rechnung machen. © Peter Heller
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Eine tolle Nachricht für die Göttinger Tanzsportfans: Die Europameisterschaft der Standardformationen hat die Welttanzsportvereinigung (WDSF) für den 26. September an den TSC Schwarz-Gold des ASC Göttingen 1846 vergeben. Doch die Austragung ist aufgrund der Corona-Pandemie stark gefährdet.

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„Wir gehen nach heutigen Stand davon aus, dass wir die Europameisterschaft in Göttingen nicht durchführen können“, bedauert Markus Zimmermann, Cheftrainer der erfolgreichen A-Formation des Göttinger Tanzsportteams. Die Hoffnung stirbt auch in diesem Fall zuletzt. „Wir bleiben auf jeden Fall auf Standby“, ergänzt Zimmermann. Im organisatorischen Hintergrund stehen die Zeichen des Bereitschaftsdienstes weiterhin auf grün, „auf Go“, wie Zimmermann gedämpften Optimismus verbreitet.

„Wir könnten es durchaus schaffen, mit einem Vorlauf von sechs bis acht Wochen, die Durchführung zu organisieren“, sagt Christian Schröder, Vorsitzender des TSC Schwarz-Gold. Schröder vertraut dabei auch auf das Göttinger Publikum. „Ich gehe davon aus, dass wir selbst in dieser relativ kurzen Zeit noch genügend Eintrittskarten verkaufen könnten, damit es eine für die teilnehmenden Mannschaften schöne Veranstaltung wird und diese sich für die Ausrichter finanziell lohnt. Andererseits kann ich mir aber nicht vorstellen, dass nach dem 31. August schlagartig alle Veranstaltungen wieder erlaubt sind“, blickt Schröder der ungewissen Zukunft entgegen.

Veranstaltung ohne Zuschauer ist keine Option

Der Grund: „Wir reden über mehrere tausend Zuschauer und die Veranstaltung findet nicht unter freiem Himmel statt, sondern auf relativ begrenztem Raum“, so der TSC-Vorsitzende, für den ein Geisterspiel, also eine Veranstaltung ohne Zuschauer, in keinem Fall in Frage kommt. „Neben dem finanziellen Schaden wäre es besonders für Formationstänzer völlig absurd, da Amateure eine maßgebliche Motivation auch aus der Reaktion der Zuschauer ziehen. Man sollte immer daran denken, dass wir als Tänzer uns ja nicht nur als Sportler, sondern auch als Künstler verstehen und der Applaus ist bekanntlich das Brot des Künstlers“, bricht Schröder eine Lanze für seine Zunft.

Tanzsportteam Göttingen gewinnt Bundesliga-Heimturnier mit sieben Einsen

Tanzsportteam Göttingen gewinnt Bundesliga-Heimturnier mit sieben Einsen Zur Galerie
Tanzsportteam Göttingen gewinnt Bundesliga-Heimturnier mit sieben Einsen © Heller

Eine Verschiebung des Termins nach hinten ist wiederum eher unwahrscheinlich, da am 14. November schon die Deutsche Meisterschaft in Düsseldorf und am 5. Dezember die WM in Braunschweig auf dem Programm stehen – und das jeweils mit Göttinger Beteiligung. Am 5. Januar 2021 ist der Start in die neue Bundesligasaison geplant, am 6. Februar dann das Heimturnier in Göttingen. Vielleicht sogar mit zwei Teams des Göttinger Tanzsportteams, da die B-Formation am 26. September in Rüsselsheim um den Aufstieg in die Eliteliga tanzen soll. Wohlgemerkt stehen hinter diesen geplanten Terminen noch viele Fragezeichen.

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„Wir gehen momentan davon aus, dass wir das Projekt „EM Formationen“ vielleicht eher in 2021 noch einmal angehen können“, so die TSC-Verantwortlichen. Gerade in Zeiten von „Social Distancing“ ist der Zusammenhalt in dieser „Leidensgemeinschaft“ eine gute Möglichkeit zur Ablenkung und Stärkung. Sobald wieder trainiert werden darf, geht es dann auch voller Elan wieder auf die Fläche.

Martin Davong vom Göttinger Tanzsportteam hält sich mit Expanderübungen auf dem Balkon fit
Martin Davong vom Göttinger Tanzsportteam hält sich mit Expanderübungen auf dem Balkon fit © R
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Training im Homeoffice-Modus

Seit Anfang April wollte das Göttinger Tanzsportteam schon im gemeinsamen Training sein, doch da hatte die Corona-Pandemie einen Strich durch die Rechnung gemacht. „Da wir ja kein Training haben dürfen, halten wir den Kontakt im Team über WhatsApp“, erzählt Tänzer Alexander Ploch. „Die Nachrichten der anderen zu lesen – das ist ein kleiner Wermutstropfen in dieser restriktiven Zeit. Die Zuversicht stirbt eben zuletzt“, so der Geologe. „Der Ausgleich durch das gemeinsame Training und die ganze Mannschaft fehlen mir sehr“, klagt die Medizinerin Sophia Seidler.

Robert Bischof, der gerade von der B- und die A-Formation aufgestiegen ist, macht aus der Not eine Tugend. „Ich übe mit meinem Bruder Richard.“ Das Team versucht, „ durch das von den Trainern abgestimmtes Eigentraining bestmöglich auf den Start des gewohnten Trainings wieder vorzubereiten“, so Anna-Lena Padberg. Martin Davong hält die Spannung unter anderem mit Expanderübung auf dem Balkon hoch. Die gesamte Formation um Teamsprecherin Sarah Günther fiebert dem Tag entgehen, an dem es wieder richtig losgehen kann.