24. Mai 2021 / 15:41 Uhr

Königlich für einen Tag: Als die Handballer der TSV Burgdorf royalen Besuch bekamen

Königlich für einen Tag: Als die Handballer der TSV Burgdorf royalen Besuch bekamen

Volker Klein
Hannoversche Allgemeine / Neue Presse
Spaniens Ex-König Juan Carlos besuchte mit seiner Frau Sophia und den Töchtern Elena und Cristina ein Handballspiel des Enkels Pablo Urdangarin in Burgdorf.
Spaniens Ex-König Juan Carlos besuchte mit seiner Frau Sophia und den Töchtern Elena und Cristina ein Handballspiel des Enkels Pablo Urdangarin in Burgdorf. © Rainer Droese
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Es gibt Momente im Sportlerleben, die vergisst man nie. In unserer Serie „Das ganz große Ding“ haben wir die Vereine aus der Region Hannover nach ihrem ganz besonderen Ereignis der vergangenen Jahre gefragt. Heute erinnert sich die TSV Burgdorf an den königlichen Besuch in ihrer Halle.

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Mit Erfolgen kennen sich die TSV-Handballer bekanntlich bestens aus. Sei es bei den Profis der Bundesliga-Aufstieg 2009 und der erstmalige Einzug ins Endspiel beim Final Four in Hamburg 2018 oder auch der Aufstieg der Reserve in die 3. Liga (2012). Für einen der größten Medienaufläufe haben jedoch die ­A-Junioren der Burgdorfer, die seit vielen Jahren in der Jugend-Bundesliga unterwegs sind, am 27. April 2019 gesorgt.

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Nach der Vizemeisterschaft in der Weststaffel traf die vom Weltmeister Iker Romero trainierte Mannschaft im Viertelfinale der deutschen Meisterschaft auf die HSG Dutenhofen/Münchholzhausen, den Bundesliga-Nachwuchs der HSG Wetzlar. Seitdem zu Beginn der Saison mit dem 18-jährigen Pablo Urdangarin der Neffe des spanischen Königs Felipe zum Kader der Burgdorfer gehörte, war die mediale Aufmerksamkeit gewachsen. Pablo ist Sohn des ehemaligen Weltklassespielers Iñaki Urdangarin. Dessen früherer Mitspieler beim FC Barcelona sowie der spanischen Nationalmannschaft und Freund Carlos Ortega ist (noch) der Trainer des Bundesligisten TSV Hannover-Burgdorf. Diese Verbindung machte es möglich, dass Pablo in Burgdorfs Nachwuchs unterkam.

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Aus dem Gerücht wurde Realität

„Ich bin fast vom Stuhl gefallen, als die ersten Gerüchte aufkamen, dass Angehörige der Königsfamilie nach Burgdorf kommen wollen, um Pablo zu unterstützen“, sagt Heinz-Werner Graich, Verantwortlicher der Handballer in Burgdorfs Spielstätte, der Halle der Gudrun-Pausewang-Schule. Nachdem feststand, dass der ehemalige König Juan Carlos mit seiner Ehefrau Sofía sowie seinen Töchtern Elena und Cristina, der Mutter von Pablo, der Kleinstadt Burgdorf tatsächlich einen Besuch abstatten wollten, wuchs die Aufregung stündlich.

"Hatten schon befürchtet, dass wir weggesperrt werden"

„Wir hatten für diverse Vorbereitungen nur sehr wenig Zeit. Ich bin mit unserem Pressesprecher zur Burgdorfer Polizei gefahren, um mitzuteilen, wer drei Tage später hier auftauchen wird“, sagt Graich. „Wir hatten schon befürchtet, dass wir gleich weggesperrt werden, wenn wir mit unserer Information dort aufschlagen. Sicherheitshalber haben wir unseren Ehefrauen gesagt, wo wir hinfahren, damit die uns im Notfall wieder herausholen“, erinnert er sich lachend.

Sicherheitskräfte rümpften die Nase

Allerdings war dies nur eine Sache, die geregelt werden musste. Absperrmaterial für die Tribüne wurde besorgt, außerdem Sitzkissen. Schließlich sollten die harten Bänke für keine schmerzhafte Erinnerung bei der royalen Prominenz sorgen. Am Tag vor dem Großereignis erschienen spanische Sicherheitskräfte, um den Ort des Geschehens zu inspizieren. „Wir haben uns mit Händen und Füßen unterhalten. Schwierig war es auch, weil sie an mancher Stelle Bedenken hatten und die Nase rümpften. Doch letztlich haben sie ihr Okay gegeben“, sagt das Vorstandsmitglied.

Volksnah und zu Fotos bereit

Am Spieltag platzte die Tribüne aus allen Nähten. Fotografen und Fernsehkameras drängten in die kleine Halle. Dazu Zuschauer aus Burgdorf und Umgebung, die sich die Möglichkeit, den Ex-Monarchen aus nächster Nähe sehen zu dürfen, nicht entgehen lassen wollten. „Der König und seine Familie waren absolut volksnah, haben vielen Leuten zugewunken, Hände geschüttelt und waren immer wieder für Fotos bereit“, sagt Graich. Der majestätische Besuch beflügelte wohl auch die Burgdorfer Mannschaft, die klar mit 35:24 die Oberhand behielt.

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Sehnsüchtiger Blick nach der Bockwurst

Die erstklassige Stimmung wird die Erinnerung an diesen Tag hochhalten. Urdangarin junior wechselte nach einem Jahr in Burgdorf zum HBC Nantes II. „Eins werde ich aber wohl nie vergessen“, ergänzt Graich. „Der sehnsüchtige Blick des Ex-Monarchen, als ich mit Bockwürstchen in der Hand in die Kabine der Schiedsrichter ging. Ich glaube, er hätte zu gerne getauscht …“