20. Mai 2021 / 14:24 Uhr

Mehr als eine Notlösung: Patrik Kershi ist neuer Trainer beim TSV Fortuna Sachsenross

Mehr als eine Notlösung: Patrik Kershi ist neuer Trainer beim TSV Fortuna Sachsenross

Sportredaktion Hannover
Hannoversche Allgemeine / Neue Presse
Patrik Kershi (eingeklinkt, oben) und Ahmad El Jamal (unten) bilden das neue Trainerduo des Kreisligisten TSV Fortuna Sachsenross.
Patrik Kershi (eingeklinkt, oben) und Ahmad El Jamal (unten) bilden das neue Trainerduo des Kreisligisten TSV Fortuna Sachsenross. © Sascha Priesemann/privat
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Auf der Suche nach einem Trainer für den TSV Fortuna Sachsenross wurde Patrik Kershi auf einmal selbst zum Kandidaten. Der Ex-Kapitän des Kreisligisten sagte zu - und will seinen Herzensverein im Gespann mit Ahmad El Jamal nicht nur fußballerisch voranbringen. Erste Zugänge sind im Anflug.

Manchmal ist es nicht der direkte Weg, der zum Ziel führt. So war es auch bei Patrik Kershi und seiner neuen Aufgabe als Trainer des TSV Fortuna Sachsenross. Als der bisherige Cheftrainer Liyadin Celik intern mitteilte, sein Amt aus privaten und beruflichen Gründen niederzulegen, machte sich Kershi sofort auf die Suche nach einem Nachfolger.

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Schon Celik hatte er vor zwei Jahren zu Fortuna geholt, als nach einem Massen-Exodus nur noch acht Spieler beim Kreisligisten geblieben waren und der sportliche Knockout drohte. Auch diesmal schritt der engagierte ehemalige Kapitän und "heimliche Teammanager" der ersten Mannschaft sofort zur Tat und kontaktierte potenzielle Kandidaten. „Ich hatte zwei, drei Ideen und schon erste Gespräche geführt – als der Vorstand vorfühlte, ob ich mir nicht vorstellen könnte, es selbst zu machen“, berichtet Kershi. Statt einer Notlösung war er also auf einmal Wunschkandidat des Vereins.

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"Wenn ich etwas mache, dann mit vollem Einsatz"

Der 34-Jährige bat um Bedenkzeit, da er beruflich immer mal wieder sehr eingespannt ist. „Wenn ich etwas mache, dann mit vollem Einsatz“, erklärt Kershi seine anfängliche Unsicherheit. „Am Ende bin ich zu dem Schluss gekommen, dass ich Bock darauf habe und dankbar bin für die Chance.“ Dass er so schnell nach dem Ende seiner aktiven Zeit im Herrenfußball eine Trainerlaufbahn einschlägt, hätte er nicht erwartet, wie er zugibt: „Jetzt hat es mich also auch erwischt“, meint er und lacht.

Gleichberechtigtes Trainerduo mit El Jamal

Eine logische Folge, möchte man meinen, wenn man die aktive Laufbahn des kompromisslosen Verteidigers verfolgt hat. „Ich war jemand, der vorangegangen ist und auf dem Platz viel gesprochen hat. Am wichtigsten war mir aber immer, dass die Gemeinschaft stimmt“, sagt er. Ein Credo, dass er auch in der neuen Rolle des Trainers vermitteln will. Das eint ihn mit Ahmad El Jamal, mit dem er ein gleichberechtigtes Trainergespann bilden wird.

"Die Jungs sind mir ans Herz gewachsen"

El Jamal fungierte schon unter Celik als Co-Trainer und bleibt auch nach dem Abschied seines Partners. „Ich hätte sehr gerne mit Lio weitergemacht, deshalb war ich natürlich traurig, als er mir mitgeteilt hat, dass er aufhört. Aber ich habe vollstes Verständnis für seine Beweggründe“, sagt er und betont: „Die Jungs sind mir in den vergangenen Jahren ans Herz gewachsen, deshalb wollte ich trotzdem weitermachen.“

Gemeinsam mit Kershi (34) bildet El Jamal (35) ein relativ junges Trainerteam. Aneinander gewöhnen muss sich das Duo kaum, die beiden kennen sich schon seit ihrer Jugend. „Als Kershi sich angeboten hat, war ich sofort begeistert von der Idee. Ich weiß, dass er in der Mannschaft und im Verein sehr angesehen ist. Er ist ein feiner Kerl und erwartet das Gleiche von den Spielern wie ich.“ Dazu zählen nicht nur Trainingsfleiß und fußballerisches Talent, sondern vor allem auch Disziplin, Fairness und Respekt.


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Drei Neuzugänge schon fix

Das sind Grundsätze, die er von seinen Spielern verlange, betont Kershi. Die in der Vergangenheit aber nicht immer beherzigt wurden - 2019 und 2020 zählte Fortuna zu den 20 unfairsten Teams der Region Hannover (siehe Galerie oben). Vergangenheit? „Wer sich gegenüber Mitspielern, Gegenspielern oder dem Schiedsrichter respektlos benimmt, kommt sofort runter und es gibt Konsequenzen“, sagt Kershi.

Diese Gefahr sehe er im aktuellen Team aber nicht, auch Neuzugänge sollen charakterlich reinpassen. Drei Neue sind bereits so gut wie fix – alle mit Fortuna-Vergangenheit. „Die drei werden uns enorm verstärken“, ist Kershi überzeugt, ohne Namen nennen zu wollen. An zusätzlichen Verstärkungen arbeitet das Trainerduo auf Hochtouren, weitere Gespräche laufen. Die Kaderbreite, bei Fortuna in der Vergangenheit immer ein Problem, soll stimmen. Aktuell zählt der Kader 28 Mann, es könne aber sein, "dass der ein oder andere den Verein noch von sich aus verlassen wird", ist Kershi bewusst, dass sich Dinge im Amateurfußball schnell ändern können.

Begovic und Amirzada bisher einzige Abgänge

Feste Abgänge gibt es bislang nur zwei: Alvin Begovic wechselt in Fortunas Ü32 und Fahim Amirzada verlässt den Verein auf eigenen Wunsch. Insbesondere das Gerüst des Teams hat dafür schon frühzeitig fest zugesagt, auch ein Verdienst des scheidenden Celik, wie Kershi betont: „Er hat das Team mit Jamal in einer ganz schwierigen Zeit übernommen, stabilisiert und zusammengeschweißt. Das ist nicht selbstverständlich und dafür gebührt ihm Dank und Respekt.“

tk