01. Juni 2021 / 20:35 Uhr

Das ganz große Ding: Godshorn lässt 2015 viele Landesligisten alt aussehen

Das ganz große Ding: Godshorn lässt 2015 viele Landesligisten alt aussehen

Dirk Herrmann
Hannoversche Allgemeine / Neue Presse
Als Underdog obenauf: Der Bezirksligist TSV Godshorn verdient sich den Bezirkspokal nach einigen unerwarteten Triumphen.
Als Underdog obenauf: Der Bezirksligist TSV Godshorn verdient sich den Bezirkspokal nach einigen unerwarteten Triumphen. © Michael Plümer
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In unserer Serie „Das ganz große Ding“ haben wir die Vereine nach ihrem ganz besonderen Ereignis der vergangenen Jahre gefragt. Diesmal erinnert sich der TSV Godshorn an seinen Bezirkspokalsieg 2015.

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Es gibt Momente im Sportlerleben, die vergisst man nie. Spiele, bei denen man jetzt noch genau weiß, wo man sie damals verfolgt oder wie man sie erlebt hat. Geschichten, die von Jahr zu Jahr ein bisschen mehr ausgeschmückt werden, aber immer gleich anfangen: „Weißt du noch …“. In unserer Serie „Das ganz große Ding“ haben wir die Vereine nach ihrem ganz besonderen Ereignis der vergangenen Jahre gefragt. Diesmal erinnert sich der TSV Godshorn an seinen Bezirkspokalsieg 2015.

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Die glitzernde Trophäe, die ihnen bei der Zeremonie nach einem umkämpften Endspiel gegen den SV Bavenstedt übergeben worden war, wanderte im anschließenden Freudentaumel durch zahlreiche Hände. Alle wollten das gute Stück immer wieder anfassen, als die Spieler des damaligen Bezirksligisten TSV Godshorn zum Abschluss der Saison 2014/2015 bis in die frühen Morgenstunden ihren großartigen und unerwarteten Erfolg feierten. Der 1:0-Sieg war die Krönung nach ihrer letzten von sechs Partien im Bezirkspokal, bei der Trainer Guido Schustereit mit seinem Team zum vierten Mal einen Landesligisten bezwungen hatte. Der Pokal musste beim anschließenden Herumgereichtwerden einiges aushalten, steht seither aber im TSV-Klubheim unversehrt im Vitrinenschrank.

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Krause erinnert sich

SV-Spartenleiter Wolfgang Krause weiß noch ganz genau, wie er bei dem Duell mit den favorisierten Bavenstedtern vor heimischer Kulisse nach dem Treffer des Kapitäns Michel Rodríguez in der 75. Minute im Stadionsprecherhäuschen saß, ständig zur Uhr schaute und bei seinen folgenden Durchsagen um eine „stabile Stimme“ bemüht war. Die Mannschaft war schließlich kurz davor, ein durchwachsenes Jahr in der Bezirksliga, in dem erst im drittletzten Punktspiel der Klassenerhalt perfekt gemacht wurde, mit einem unverhofften Coup zu beenden. „Zum Schluss war es für uns eine Abwehrschlacht par excellence“, sagt Krause. Eine Viertelstunde noch, dazu fünf Minuten Nachspielzeit – dann hatte das Zittern ein Ende.



Kapitän kommentiert aus Klinik

TSV-Verteidiger Maximilian Linnenbrink liegt gerade im Krankenhausbett, als er gefragt wird, was von der glorreichen Pokalsaison und dem Tag des Endspiels am 7. Juni 2015 bis heute haften geblieben sei. Godshorns aktueller Mannschaftsführer, der an einem verschleppten Kahnbeinbruch operiert worden ist und voraussichtlich für ein halbes Jahr pausieren muss, erinnert sich etwa an das Halbfinale gegen den OSV Hannover, als man „Fabian Ernst quasi in Fußballrente geschossen“ habe. Der frühere Nationalspieler hatte seinerzeit bei den Bothfeldern seine Laufbahn ausklingen lassen. „Beim OSV war man ziemlich zuversichtlich, dass wir für ihn das passende Los für den Finaleinzug gewesen wären“, blickt Krause zurück. Fast hätte sich das auch bestätigt, doch vor dem 1:0-Siegtreffer durch den kurz zuvor eingewechselten Metin Akyol für den TSV verpasste Ferhat Bikmaz die OSV-Führung und traf nur den Pfosten – jener Bikmaz, der sich im vergangenen November den Godshornern angeschlossen hat.

Auch in das Endspiel sei man keineswegs chancenlos gegangen, so Linnenbrink. „Wir waren krasser Außenseiter, hatten aber ja auch schon vorher höherklassige Gegner rausgeworfen.“ Gegner, die am Ende der Landesligasaison im oberen Tabellendrittel gelandet waren wie der Heeßeler SV (mit dem heutigen TSV-Coach Niklas Mohs), TuS Sulingen und eben der OSV.

Mit seinem Tor gegen den SV Bavenstedt, Siebter im Abschlussklassement des Bezirksoberhauses, lieferte auch Rodríguez, inzwischen für die Altherren des SC Langenhagen am Ball, eine Pokalanekdote: Der 34-jährige Spanier traf gegen die Elf von Wilfried Bergmann, einst selbst sein Coach bei den A-Junioren des SCL und später noch einmal beim OSV. „Willi meinte hinterher, dass es ja klar war, dass ausgerechnet ich treffen musste“, erinnert sich Rodríguez mit einem Schmunzeln und kann noch erzählen, wie das damals war in der entscheidenden Szene: „Ein langer Ball auf mich in die Gasse, zwei Spieler überlaufen, reingeschoben – eigentlich ganz einfach.“

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Etwas Einmaliges erlebt

Eine „feucht-fröhliche Sause“ (Rodríguez), „etwas Einmaliges als Amateurkicker“ (Linnenbrink) erlebten die Godshorner danach zumindest im Pokal nicht mehr. Als Bezirkspokalsieger gab es zunächst im NFV-Pokal beim 0:6 gegen den Regionalligisten VfV 06 Hildesheim eine Lehrstunde. Im Bezirkspokal reichte es in der Saison 2016/2017 noch für den Einzug in die 4. Runde; ansonsten war spätestens nach dem zweiten Spiel fortan Endstation. Umso stolzer sei man darauf, „was wir in unserem sportlich damals noch eher kleinen Godshorn erreicht haben“, sagt Krause. „In der Bezirksliga haben wir danach die Erfolgsspur ja auch noch weitergelegt.“ Und wenngleich er ein Jahr vor dem erstmaligen Landesliga-Aufstieg des Klubs sein Amt als TSV-Trainer bereits an Tan Türkyilmaz abgegeben hatte, habe Guido Schustereit einen großen Teil zu dieser Entwicklung beigetragen. Krause: „Die Früchte jahrelanger Arbeit konnte Guido auch mit dem Bezirkspokalsieg ernten. Das hat mich besonders für ihn gefreut.“

Auf dem Weg ins Finale wären die Godshorner in der 4. Runde beim Mühlenberger SV beinahe gestolpert. Nach einer 3:0-Führung kassierten sie innerhalb von 18 Minuten die Treffer zum Ausgleich, ehe der gefoulte Patrick Grabosch per Elfmeter in der Nachspielzeit noch das 4:3 schoss. „Danach haben wir auf jede weitere Aufgabe hingefiebert“, blickt Schustereit zurück. Jedes Pokalspiel sei „ein Festtag“ gewesen. „Mit einer Anteilnahme im Verein, wie ich sie noch nie erlebt hatte“, erzählt der 50-Jährige. „Wir haben viele aufregende Dinge erlebt, die für uns gepasst haben. Es war super emotional, und der Fußballgott hat auch ein bisschen geholfen.“