10. Dezember 2020 / 14:43 Uhr

TSV Godshorn als einziger Verein mit zwei C-Juniorinnenteams: Viel Fußball – und ein bisschen Chichi 

TSV Godshorn als einziger Verein mit zwei C-Juniorinnenteams: Viel Fußball – und ein bisschen Chichi 

Ole Rottmann
Hannoversche Allgemeine / Neue Presse
Auch bei der Mini-Weltmeisterschaft werfen die Godshorner Fußballerinnen samt Athletikcoach Wilfried Giesecke (links) und Cheftrainer Björn Wiekenberg (rechts) ihren Sombrero in den Ring. 
Auch bei der Mini-Weltmeisterschaft werfen die Godshorner Fußballerinnen samt Athletikcoach Wilfried Giesecke (links) und Cheftrainer Björn Wiekenberg (rechts) ihren Sombrero in den Ring.  © Privat
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Nur die wenigsten Vereine können weibliche Teams ins Rennen schicken, der TSV Godshorn kann sogar zwei aufbieten. Sophia Wiekenberg hatte ihren Vater damals überredet, Trainer zu werden. Um alle bei Laune zu halten, lässt sich das Ehepaar Wiekenberg einiges einfallen. 

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Mädchen zwischen zwölf und 14 Jahren setzen verschiedenste Prioritäten. Fußball allerdings steht bei den meisten neben Schule, Freunden, sozialen Netzwerken und Musik sicher nicht unbedingt auf Position eins der Aktivitätenliste. Es kommt daher nicht von ungefähr, dass die Staffeln der ­C-Juniorinnen (Jahrgang 2006 und jünger) in der Region Hannover nicht eben reichlich gefüllt sind. Nur die wenigsten Vereine können weibliche Teams ins Rennen schicken.

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In der angesprochenen Altersklasse sind es im hannoverschen Umland gerade mal zehn Klubs beziehungsweise Spielgemeinschaften, die in den drei Gruppen der beiden existierenden Spielklassen Bezirks- und Kreisliga mit Mädchenteams antreten. Drei Neunermannschaften sind darunter, beim Rest komplettieren sogar nur sieben Akteurinnen eine Formation. Exot ist der TSV Godshorn, der als einziger Klub gleich zwei Mannschaften meldete.

Die Erstvertretung, die das Klassement der Bezirksliga anführt, war irgendwann schlicht voll – und so entstand die Reserve von Trainer Sven Reich, die zum Zeitpunkt der Zwangspause Platz vier in der Kreisliga 2 belegt. Beim TSV gibt es neben einer Frauenmannschaft noch die A-Juniorinnen sowie eine weibliche D-Jugend.

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Sophia als treibende Kraft

„Klar brauchen die Mädchen ein bisschen mehr Chichi“, sagt Andrea Wiekenberg, das nach eigener Aussage „Mädchen für alles“ der ersten Mannschaft – und Ehefrau des Chefcoachs. „Man muss schließlich gucken, dass man alle am Ball hält.“ Vor etwas mehr als sechseinhalb Jahren war Sophia, die jüngere der beiden Wiekenberg-Töchter, mit der Bitte an ihren Vater Björn herangetreten, im Verein kicken zu wollen. Der TSV Godshorn sollte es sein. „Und sie hat mich gefragt, ob ich nicht den Trainer machen möchte“, erzählt Björn Wiekenberg, der als Ex-Niedersachsenauswahlspieler von Hannover 96 und Germania Grasdorf für die Rolle prädestiniert schien.

„Wenn du genug Mädels zusammenkriegst, mache ich es“, habe er seinerzeit gesagt, berichtet der 45-Jährige. Und als Sophia schließlich mit einer Horde interessierter Freundinnen vor der Tür stand, gab es kein Zurück mehr. „Am 16. Mai 2014 hatten wir das erste Training“, erzählt Björn Wiekenberg. Das Geburtsdatum seiner Kinder vergisst man nicht – und zu etwas Vergleichbarem ist die Mannschaft über die Jahre für die Eheleute geworden.

Kader rekrutiert sich nicht nur aus Godshorn

Von der Erstbesetzung auf dem Rasen ist noch ein Trio am Start: Neben Sophia sind das Milena Sternau, die wie eh und je das Tor hütet, und Lina Erlhoff, deren starker linker Fuß schon von Anbeginn für den TSV im Einsatz war. Mittlerweile rekrutiert sich der Kader nicht mehr nur aus knapp 7000 Godshornern. „Krähenwinkel, Kaltenweide, Wedemark, Isernhagen, Garbsen, Vinnhorst, Bothfeld“, Andrea Wiekenberg fallen auf Anhieb gar nicht alle Wohnorte der 17 Spielerinnen ein.

Eine Fußballvergangenheit besitzt die 44-jährige Krankenkassenbetriebswirtin im Gegensatz zu ihrem Mann nicht. „Ich habe nur mal in der AOK-Betriebsmannschaft gespielt“, sagt sie lachend. Doch der Umgang mit rundem Gerät ist ihr nicht fremd, betreut sie doch als eine von zwei Übungsleiterinnen die TSV-Ballsportgruppe.

Aber zurück zum Fußball – und zum Chichi. Das Ehepaar, das von Athletiktrainer Wilfried Giesecke unterstützt wird, lässt sich stets Neues rund ums Team einfallen, um alle bei Laune zu halten und einen Nährboden für sportlichen Erfolg zu bilden. Egal, ob Comiczeichnen, Teilnahme am „Gran Schlamm“ in Heeßel, Ernährungsberatung oder Reisen zu ausgefallenen Turnieren – langweilig wird es nie. 

Und so steht neben Staffelmeisterschaft und Hallenkreismeisterschaft sogar ein Europameistertitel in der Liste. Als Portugal gewannen die Godshornerinnen im Jahr 2017 die begehrte Mini-EM. Mit der WM-Krone (als Mexiko) im Jahr darauf klappte es zwar nicht. Doch laut Björn Wiekenberg sind es ohnehin gar nicht die Siege, die haften bleiben. „Wir haben im Pokal gegen Hannover 96 nach 3:3 zwar im Elfmeterschießen verloren“, sagt er, „aber gegen ein auswahlgetränktes Team mithalten zu können, war für mich das bisherige Highlight.“

Übrigens: Wenn Mayleen Schirmer ein paar Jahre vor Sophia wiederum bei ihrem Vater Matthias nicht so insistiert hätte, wäre aus dem Mädchenfußball beim TSV womöglich nichts geworden. Vater und Tochter Schirmer trainieren und kicken mittlerweile bei den TSV-Frauen. Aber das ist wieder eine andere Geschichte.