20. März 2020 / 18:19 Uhr

"Kein Jammern": Abstiegskampf statt Aufstiegshoffnungen beim TSV Goltern

"Kein Jammern": Abstiegskampf statt Aufstiegshoffnungen beim TSV Goltern

Tobias Kurz
Hannoversche Allgemeine / Neue Presse
Der TSV Goltern bejubelt einen Treffer.
Der TSV Goltern bejubelt einen Treffer. © Debbie Jayne Kinsey
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2019 verpasste der TSV Goltern den Aufstieg nur knapp. Diese Saison sollte es bei dem Kreisligisten dann endlich klappen. Schnell wurden allerdings die Erwartungen heruntergeschraubt. Vor der Ligaunterbrechung wegen der Corona-Krise hieß es für die Golterner: Kampf um den Klassenerhalt statt Aufstiegsjagd.

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Seit knapp vier Monaten hat der TSV Goltern kein Pflichtspiel mehr bestritten. Erst waren es witterungsbedingte Absagen, nun ist es die landesweit verordnete Spielpause bis zum 19. April aufgrund der Coronapandemie. Wann und ob die Saison beendet werden kann, ist noch unklar – und in diesen Zeiten mit Sicherheit auch zweitrangig. Ginge es nach den Golternern, würden sie die laufende Spielzeit vermutlich am liebsten sofort abhaken und unbeschwert neu anfangen.

Erwartungen runtergeschraubt

Denn wenig bis nichts lief seit dem Fast-Aufstieg 2019 nach Plan. „Diese Saison können wir nur retten, indem wir nicht absteigen. Mehr wollen wir nicht“, meint Trainer Gustav Kuhn. Die Erwartungen wurden in Rekordzeit heruntergeschraubt. Drei Punkte steht der TSV nur über dem Strich, mit dem Aufstieg hat man diesmal nichts zu tun. „Mit der gescheiterten Relegation im vergangenen Sommer waren wir doppelt angeschmiert“, begibt sich Kuhn auf Ursachensuche.

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Da wäre einmal der psychische Knacks, sich für eine starke Saison nicht mit dem Aufstieg belohnt zu haben, und dann, viel schwerwiegender vermutlich, die verkürzte Sommerpause. „Dazu hatten wir anders als in der Vorsaison Verletzungspech“, sagt Kuhn, fügt aber eilig hinzu: „Das ist kein Jammern. Das gehört dazu, das haben andere Mannschaften auch.“ Es gilt also, das Seuchenjahr vernünftig zu beenden – und dann neu anzugreifen.

"Wir wollen nicht wild drauf los neue Spieler holen"

So sieht es auch Uwe Feitisch, der seit Anfang dieses Jahres die sportliche Leitung beim TSV übernommen hat. „Diese mäßige Saison hat ja sehr erklärbare Gründe, die uns bekannt sind“, sagt er und erklärt, wie schon jetzt am Neustart gebastelt wird: „Was wir nun tun wollen, ist eine frühzeitige Planung. Wir wollen nicht wild drauf los neue Spieler holen, sondern ganz genau schauen, wie diese auch wirklich zu uns passen - in allen Bereichen.“

Kein großer Umbruch geplant

Ein Riesenumbruch ist also keineswegs angedacht, gestandene Leistungsträger wie Chris Jansen, Robin Busch oder Marcel Schult sollen gehalten werden, die Qualität im Team punktuell erhöht werden. Um Ausnahmespieler von der Aufgabe in Goltern zu überzeugen, hilft der neue Kunstrasenplatz, der nach mühevoller Vereinsarbeit noch in dieser Saison fertiggestellt werden soll. „Das macht sich schon bemerkbar“, gibt Kuhn zu. „Da kriegst du schon ein paar Leute mehr, die auch kicken können.“

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Drei Verstärkungen für den Sommer sind bereits fix, Namen nennen sie in Goltern noch nicht. Die vielleicht wichtigste Personalie ist ebenfalls schon geklärt. Kuhn bleibt Trainer. „Gustel ist ja auch in alles involviert. Ich würde mich freuen, wenn er noch einige Saisons bleibt. Ich erlebe ja, wie viel Energie er immer wieder reinsteckt“, erklärt Feitisch, dem bewusst ist, dass das zwischendurch nicht mehr so war.

"Ich habe hier eigentlich noch eine Aufgabe, die ich erfüllen möchte"

„Am Ende der Hinrunde war er sehr angespannt, wir mussten zum Training in andere Orte ausweichen, dazu die Verletzungsmisere, das macht schon mal mürbe. Aber durch die Pause hat er auch neue Power getankt.“ Das merkt man Kuhn an. „Ich habe hier eigentlich noch eine Aufgabe, die ich erfüllen möchte“, sagt er.

"Über diese Euphorie Berge versetzten"

Den Aufstieg? „So langsam könnte man mal oben reinrutschen“, meint er nur – und auch Feitisch blickt schon voller Tatendrang auf das neue Spieljahr: „Wenn man den Aufstieg als einen Wunsch definiert, kann man über diese Euphorie Berge versetzen.“ Erst einmal geht es aber darum, wann wieder gespielt werden kann – und dann um den Klassenerhalt.