12. Januar 2022 / 08:52 Uhr

Auf dem Weg zur EM: Ex-Recke Timo Kastening hofft auf den Turnierrausch

Auf dem Weg zur EM: Ex-Recke Timo Kastening hofft auf den Turnierrausch

Eric Zimmer
Hannoversche Allgemeine / Neue Presse
Fliegt heute zur EM: Der ehemalige Recke Timo Kastening.
Fliegt heute zur EM: Der ehemalige Recke Timo Kastening. © IMAGO/Rene Schulz
Anzeige

Timo Kastening, der von 2013 bis 2020 für die Handball-Profis der TSV Hannover-Burgdorf und inzwischen bei der MT Melsungen unter Vertrag steht, reist am Mittwoch mit der deutschen Nationalmannschaft zur Europameisterschaft nach Bratislava. Das Ziel? Das Überstehen der Vorrunde soll gelingen, „und dann mal sehen“. 

Auch von Bratislava wird Timo Kastening nicht viel zu sehen bekommen – mit seinen Kollegen von der Handball-Nationalmannschaft steckt er wieder in einer Corona-Bubble, diesmal bei der am Donnerstag beginnenden Europameisterschaft. Am Mittwoch fliegt der Rechtsaußen mit dem Tross vom Deutschen Handballbund (DHB) in die Hauptstadt der Slowakei, erster Gegner in der Vorrunde ist dort am Freitag (18 Uhr) Belarus.

Anzeige

Ans Leben in der Bubble, also zum Schutz vor Corona ans Leben unter Handballern, hat sich der Profi von der MT Melsungen gewöhnt – und kann der Sache aus sportlicher Sicht etwas Positives abgewinnen. „Das stärkt das Mannschaftsgefüge, weil wir zwangsweise auch mehr Freizeit miteinander verbringen. Darts und Kartenspielen ist oft angesagt“, sagt der Ex-Recke, der vor seinem Wechsel nach Hessen 2020 bei der TSV Hannover-Burgdorf zum Nationalspieler gereift war. Gemeinsames Sightseeing ist nicht mehr drin. Hotel, Halle, Bus – die Aufenthaltsorte der DHB-Spieler sind überschaubar. „Es ist schon schade, dass wir von den Spielorten nichts sehen können. Aber auch daraus resultiert, dass wir uns noch mehr auf Handball konzentrieren“, sagt der 26-Jährige.

Die Laufbahn von Timo Kastening in Bildern

Timo Kastening wechselt als Jugendspieler 2008 vom TSV Barsinghausen in den Recken-Nachwuchs. Dieses Bild zeigt ihn 2011. Zur Galerie
Timo Kastening wechselt als Jugendspieler 2008 vom TSV Barsinghausen in den Recken-Nachwuchs. Dieses Bild zeigt ihn 2011. ©

Weg zurück in die Weltspitze?

Wie weit es für die Deutschen bei der EM (bis 30. Januar) gehen soll, wollen sie beim DHB nicht festlegen. Die Platzierung sei „nicht so wichtig“, sagte Präsident Andreas Michelmann dem Deutschlandfunk. „Dass die Mannschaft sich nach dem Umbruch aufeinander einstellt, sich einspielt“ aber schon. Das Überstehen der Vorrunde soll gelingen, „und dann mal sehen“, sagt Michelmann. Österreich (16. Januar) und Polen (18. Januar) sind die weiteren Gegner, Platz eins und zwei bringen ein Ticket in die Hauptrunde.


Einst Säulen der Nationalmannschaft, sind Routiniers wie Uwe Gensheimer (35), Steffen Weinhold (35) und die Torhüter Johannes Bitter (39) und Silvio Heinevetter (37) nicht mehr mit dabei, dafür acht Turnierdebütanten. Das Team muss sich finden, die Hierarchie ist „jetzt aufgebrochen. Wir sehen das als eine neue Dynamik an. Das Gefüge sortiert sich neu, alles wirkt sehr frisch“, sagt Kastening, der ebenfalls keine Zielvorgabe herausposaunt. Er bleibe dabei, „dass wir noch am Anfang stehen“ auf dem Weg zurück an die Weltspitze. Und er erinnert an die Olympischen Spiele im vergangenen Jahr mit dem „krachenden“ Aus im Viertelfinale gegen Ägypten (26:31). Erst, „wenn über Jahre hinweg gute Leistungen abgeliefert werden“, könne sich das DHB-Team wieder zu den Weltklassemannschaften zählen. Das sieht Michelmann ähnlich, für ihn ist der erste Gradmesser die Heim-EM 2024.

"Experten sind dazu da, ihre Meinung zu sagen. Aber so was tangiert uns nicht."

In Ruhe arbeiten, als Team zusammenwachsen und sich nach Möglichkeit „in einen Rausch spielen“ (Kastening) gehört zu den EM-Planungen der deutschen Handballer, genau wie verletzungs- und coronafrei bleiben. Und dabei wollen sie sich von nichts ablenken lassen. Auch nicht davon, dass der ehemalige Weltklassetorhüter Henning Fritz die Vertragsverlängerung mit Bundestrainer Alfred Gislason (62) kurz vor der EM bis 2024 kritisch sieht. Der Isländer sei zwar „ein renommierter und erfolgreicher Trainer, ein ausgewiesener Fachmann“, sagte der Weltmeister von 2007 dem „Mannheimer Morgen“. „Ich frage mich aber: Wenn man sich für einen Umbruch in der Mannschaft und viele junge Spieler entscheidet, ist Alfred Gislason dann auch eine zukunftsorientierte Lösung?“ Er könne sich Florian Kehrmann (44, TBV Lemgo) „gut als Bundestrainer vorstellen“. „Experten sind dazu da, ihre Meinung zu sagen. Aber so was tangiert uns nicht“, sagt Kastening. Auch sein Melsungen-Kollege Kai Häfner (2014 bis 2019 ein Recke) gibt sich fokussiert: „Jetzt gilt es zu liefern.“