01. Oktober 2020 / 10:01 Uhr

Auftakt gegen Minden: Auf die Recken wartet die schwerste und knackigste Saison aller Zeiten

Auftakt gegen Minden: Auf die Recken wartet die schwerste und knackigste Saison aller Zeiten

Simon Lange
Hannoversche Allgemeine / Neue Presse
„Wir haben sehr viele junge Spieler. Die benötigen noch Zeit, sagt Recken-Trainer Carlos Ortega.
„Wir haben sehr viele junge Spieler. Die benötigen noch Zeit", sagt Recken-Trainer Carlos Ortega. © imago images/foto2press
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Weil es keine Absteiger gab, spielt die Handball-Bundesliga mit 20 Teams. Es gibt 38 statt 34 Spieltagen. Dazu kommen Olympia-Quali, WM und Pokal-Final-Four. Die TSV Hannover-Burgdorf startet heute (19 Uhr) mit dem Heimspiel gegen GWD Minden in die wohl schwerste und knackigste Saison aller Zeiten.

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Wetten ab­schlie­ßen auf eine Recken-Platzierung? Besser nicht. Die Handballer der TSV Hannover-Burgdorf sind seit Jahren unberechenbar. Zieht man eine Linie zwischen den Endplatzierungen der letzten zehn Jahre, entsteht eine Welle mit Höhen und Tiefen.

Die Formkurve der letzten Jahre gleicht der phrasenverdächtigen Achterbahnfahrt. Einer mittelmäßigen Platzierung folgt eine gute. Und andersherum: Einer Platzierung im einstelligen Bereich folgt eine im zweistelligen.

Spielplan der TSV Hannover-Burgdorf in der Bundesliga-Saison 2020/21

<b>5. Spieltag:</b> Bergischer HC (H), Donnerstag, 22. Oktober 2020, 19 Uhr Zur Galerie
5. Spieltag: Bergischer HC (H), Donnerstag, 22. Oktober 2020, 19 Uhr ©

Rang 13 in der Saison 2011/12, Rang sechs und erstmals Europa 2012/13. Rang acht 2013/14, Rang 13 2014/ 15, Rang sieben 2015/16, Rang elf 2016/17. Rang sechs 2017/18 und die erneute Quali für Europa, 2018/19 der Sturz auf Platz 13.

Vergangene Spielzeit: mit Rang vier die beste Platzierung aller Zeiten. Wieder qualifizieren sich die Recken für Europa, verzichten aber auf die Teilnahme. Fazit der Berg-und-Tal-Fahrt: Konstanz geht anders.

Ihre stetig bescheidene Zielvorgabe: ein Platz unter den ersten zehn. Das klingt nach ewiger Untertreibung, ist aber eine realistische Einschätzung der Lage.

Dennoch: Immer wenn die Recken eine Super-Saison hinter sich haben, so wie jetzt, steigt die Erwartungshaltung. Egal, wie viele und welche Spieler gingen und kamen oder wie viel jünger das Team wurde.

Von den diesjährigen Re­cken erneut einen Top-Platz zu erwarten, ist im Augenblick nicht angebracht. Der weiter verschärfte Sparkurs war unumgänglich.

Offenbar un­be­re­chen­ba­re Vereinbarungen mit Arena-Eigner Günter Papenburg, unsichere Corona-Zeiten, ausbleibende und verringerte Zuschauereinnahmen, Verzicht auf Gehalt und Europa – den Recken blieb nichts anderes übrig, als das Team weiter zu verjüngen und zu verbilligen. Da geht automatisch Qualität verloren.

Bilder zum Testspiel der TSV Hannover-Burgdorf gegen den SC Mageburg

Alfred Joensson (rechts) beim Torabschluss. Zur Galerie
Alfred Joensson (rechts) beim Torabschluss. ©

Mit Timo Kastening, Morten Olsen und Mait Patrail sind gleich drei der entscheidenden Säulen weggebrochen. Für Rechtsaußen Kas­te­ning kam der dänische Weltmeister Johan Hansen. Das dürfte passen, zumindest sportlich. Menschlich wird Hansen den Publikumsliebling Kastening vorerst nur schwer ersetzen können.

Für die Mittelmann-Position kam Filip Kuzmanovski aus Magdeburg. Der Mazedonier soll im Idealfall in eine Doppelrolle schlüpfen: vorne im Spielaufbau Su­per­star Olsen ersetzen und hinten den Defensivspezialisten Patrail.

Das Pro­blem: Kuzmanovski zwickte seit dem zweiten Testspiel die Achillessehne. Ihm fehlt der wichtigste Teil der Vorbereitung. Ob er heute beim Ligaauftakt gegen Minden (19 Uhr, ZAG-Arena) spielen kann, entscheidet sich kurzfristig.

Sportlich wird es dauern, bis er weiterhelfen kann. Dabei ruhen auf ihm große Hoffnungen. Sein Potenzial ist unbestritten. In Magdeburg schwärmen sie immer noch von ihm und trauern ihm nach – bis auf SCM-Trainer Bennet Wiegert vielleicht, der Kuzmanovski stoisch angemessene Einsatzzeiten verwehrte.

„Natürlich war der vierte Platz super für uns“, sagt TSV-Kreisläufer Evgeni Pevnov, „wir sind uns aber der Tatsache bewusst, dass wir viele gute Spieler abgeben mussten. Wir sind dennoch guter Dinge, dass wir eine gute Saison spielen werden. Ob wieder Platz vier, wieder Europa, ob besser oder schlechter – das kann man nicht sagen.“

Auch Trainer Carlos Ortega verfällt wenig verwunderlich nicht in Euphorie: „Wir haben sehr viele junge Spieler. Die benötigen noch Zeit.“ Kapitän Fabian Böhm meint: „Ein Platz unter den ersten zehn wäre okay.“

Mehr zu den Recken

Sicher ist, dass es die schwerste und knackigste Saison aller Zeiten wird. Weil es keine Absteiger gab, spielt die Bundesliga mit 20 Teams. Es gibt 38 statt 34 Spieltagen. Dazu kommen Olympia-Quali und WM.

Und für die Recken noch ein besonderer Höhepunkt: das verlegte Pokal-Final-Four im Februar in Hamburg. Es ist die Chance, mit nur zwei starken Spielen ei­nen Titel zu holen. Und das ist den Recken zuzutrauen. An einem guten Tag können sie wahrscheinlich jeden schlagen. Ob es auch mit der Konstanz hinhaut?