22. November 2019 / 10:44 Uhr

Strahlemann mit Schuhgröße 53: Justus Fischer ist die nächste Recken-Hoffnung

Strahlemann mit Schuhgröße 53: Justus Fischer ist die nächste Recken-Hoffnung

Christoph Hage
Hannoversche Allgemeine / Neue Presse
Justus Fischer freut sich über einen wichtigen Treffer kurz vor Spielschluss.
Justus Fischer freut sich über einen wichtigen Treffer kurz vor Spielschluss. © Thomas Bork
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Mit 16 Jahren ist Justus Fischer bereits eine imposante Erscheinung. 1,93 Meter misst das Nachwuchtalent der TSV Burgdorf. Nicht nur deshalb fällt der Kreisläufer auf. Auch sportlich startet der Jugend-Nationalspieler durch - bleibt dabei aber demütig.

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Justus Fischer ist keiner, der so mir nichts, dir nichts in der Masse untertauchen kann. 1,93 Meter, 110 Kilogramm, Schuhgröße 53 – das sind die beeindruckenden Körpermaße des Kreisläufers der TSV Burgdorf. Das 16-jährige Handballtalent nur auf seinen Körper zu reduzieren, würde ihm allerdings nicht gerecht werden. Fischer ist viel mehr als eine Erscheinung, zu der der Durchschnittsbürger aufblicken muss.

Aus ihm „könnte“ was werden – der Konjunktiv spielt in diesem Alter natürlich eine große Rolle, der Name Fischer wird jedoch immer wieder genannt, wenn es darum geht: Wer ist der Nächste aus der Reckenschmiede, der den Sprung zu den Profis schaffen könnte. Veit Mävers, Martin Hanne und Petar Juric haben bereits Erstligaluft geschnuppert, Nils Schröder und eben Fischer könnten die nächsten in der Reihe sein. Bis dahin ist der Konjunktiv ein ständiger Begleiter. „Aus seinem Jahrgang gibt es drei Spieler, die den Sprung in die Bundesliga schaffen könnten“, sagt etwa Landestrainerin Christine Witte.

Besonderes Treffen mit Romero

Anfang des Jahres kam es beim 2. Vorrundenspieltag der Weltmeisterschaft in München zu einem außergewöhnlichen Treffen. Fischer, damals noch 15 Jahre alt, traf auf den nur zwei Zentimeter größeren Julen Aguinagalde. Iker Romero, Co-Trainer der TSV Hannover-Burgdorf und der spanischen Nationalmannschaft, hatte das Treffen vor dem Spiel der Iberer gegen Island organisiert. „Ich finde es wahnsinnig, was er leistet, wie viel Verantwortung er als Kreisläufer übernimmt“, sagt Fischer über sein „absolutes Vorbild“, das Welt- und Europameister wurde sowie 2016 mit Kielce die Champions League gewann. „Im Finale gegen Veszprem hat er den entscheidenden Siebenmeter verwandelt“, schwärmt Fischer.

Zwei Bilder von Jannik Kohlbacher und Aguinagalde hat er auf seinem Handy als Hintergrund. Zu solchen Spielern blickt der Jugendliche, den seine Mitspieler „Fischi“ nennen, auf. Sein bester Freund Fabrice Wolf hat ihn vor zehn Jahren überhaupt erst zum Handball gebracht. Die beiden besuchten gemeinsam die Grundschule in der List, wo er, seine Eltern und seine beiden Geschwister Mark (20) und Frida (14) noch heute wohnen.

"Er hat das Spiel verstanden"

Seite an Seite ging es mit dem Freund zum Training beim Hannoverschen SC. Anfangs ging er auch noch beim Judo auf die Matten, mit zehn Jahren entschied er sich für den Mannschaftssport. „Das Feeling, zusammen zu gewinnen, zusammen zu verlieren, das mag ich einfach mehr“, sagt Fischer. Vor vier Jahren wechselte er zum TSV Anderten, wiederum zwei Jahre später entschied er sich für die TSV. „Anderten war schon ein ziemlich großer Qualitätsunterschied, Burgdorf der nächste Schritt.“ Zumal er seit dem Sommer auch dem Teilzeitinternat des Olympiastützpunktes angehört. Dort hat ihn die Landestrainerin unter ihren Fittichen. „Dass er etwas Besonderes ist, hat man früh gesehen“, sagt Witte. „Er hat das Spiel verstanden.“

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<b>17. Spieltag:</b> HC Erlangen (H, Tui-Arena), Donnerstag, 19. Dezember 2019, 19 Uhr Zur Galerie
17. Spieltag: HC Erlangen (H, Tui-Arena), Donnerstag, 19. Dezember 2019, 19 Uhr ©
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Straßenschuhe zu finden, ist schwierig

Straßenschuhe zu finden, werde mittlerweile schon echt schwierig, sagt Fischer. „In einem Schuhladen war ich das letzte Mal vor drei Jahren.“ Nicht zuletzt aufgrund seiner körperlichen Voraussetzungen verstärkte der Kreisläufer schon in der vergangenen Saison die Burgdorfer A-Junioren bei der deutschen Meisterschaft, zu deren Kader er in dieser Spielzeit fest gehört. Genauso wie zur Burgdorfer Männerreserve. Zu den zehn bis 13 Trainingseinheiten pro Woche kommen also noch zwei Spiele. Sein Tag beginnt allerdings mit einer kleinen Runde mit Hund Teddy, einem Mischling aus einem Dackel und einem Schäferhund. „Ich mag es, morgens ein bisschen mehr Zeit für alles zu haben“, sagt Fischer.

Fischer spielt in der U17-Nationalmannschaft

„Er geht einen Weg, den Talente in Deutschland nicht häufig gehen“, sagt Witte. Was nur möglich ist, weil Fischer seit Mitte des Jahres zur U17-Nationalmannschaft gehört. Ende Juni debütierte er bei den Ruhr-Games in Duisburg, beim European Youth Olympic Festival vier Wochen später in Baku gewann er mit dem deutschen Nachwuchs Silber. „Ich sehe, dass das funktionieren könnte, wenn ich weiter Vollgas gebe, dass sich vielleicht etwas entwickeln könnte“, sagt Fischer. Da ist er wieder, der Konjunktiv.

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Plan B: Grundschullehrer

Fischer ist indes nicht so blauäugig, dass er keinen Plan B hat. Und der passt zu ihm. „Ich will Grundschullehrer werden“, sagt der 16-Jährige, der sich beim Zukunftstag vor drei Jahren sowie bei einem Praktikum in diesem Jahr ein Bild in der Grundschule an der Gartenheimstraße in Bothfeld machte. „Ich mag es, mit Kindern zu arbeiten.“

Dabei scheint Fischer sein tägliches Pensum mit einer gewissen Leichtigkeit von der Hand zu gehen. „Er ist ein Strahlemann, der eigentlich immer ein Lächeln auf den Lippen hat“, sagt Witte. A-Junioren-Trainer Sven Gennburg nennt ihn„sehr ehrgeizig. Fischi verhält sich sehr intelligent, setzt seinen Körper sehr gut ein und ist von den Techniken her schon sehr weit, beispielsweise, was das einhändige Fangen angeht.“ Die Bundesliga müsse für ihn das Ziel sein. „Unsere Aufgabe ist es, ihn bestmöglich darauf vorzubereiten. Er hat die Zeit und die werden wir ihm geben“, sagt Gennburg.

"Er ist der freundlichste und netteste Mensch"

Für seinen Vater Thorsten Fischer, der in Hameln das Restaurant „Forsthaus Finkenborn“ und die Eisdiele „Giovanni L“ betreibt, ist sein Sohn „der freundlichste und netteste Mensch, den ich kenne. Er ist ein ganz ausgeglichener Kerl.“ Es gebe keinen Tag, an dem er morgens aufstehe und keinen Bock habe. „Selbst im Urlaub trainiert er zweimal am Tag“, sagt der Vater. Mutter Iris gab ihrem Sohn früh etwas mit auf den Weg: „Wenn du dich für etwas entscheidest, dann musst du auch etwas dafür tun, hat sie zu ihm gesagt. Und das hat er, glaube ich, verinnerlicht, das lebt er“, sagt Thorsten Fischer. Damit aus dem Konjunktiv vielleicht in nicht allzu weiter Zukunft eine Tatsache wird.

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