22. November 2021 / 10:32 Uhr

HBL übergeht eigene Statuten: Recken ärgert Absage des Flensburg-Spiels

HBL übergeht eigene Statuten: Recken ärgert Absage des Flensburg-Spiels

Simon Lange
Hannoversche Allgemeine / Neue Presse
Heidrun Friedrichs bekam als eine der wenigen von der Absage des Spiels gegen Flensburg nichts mit. Die Informationswelle der Recken war an der 69-Jährigen vorbeigeschwappt. Ich war erstaunt und dachte erst, ich werde veräppelt, sagte sie, als sie es schließlich doch erfuhr. Von ihr war aber kein Vorwurf zu hören. Sie fuhr einfach wieder nach Hause nach Lauenau.
Heidrun Friedrichs bekam als eine der wenigen von der Absage des Spiels gegen Flensburg nichts mit. Die Informationswelle der Recken war an der 69-Jährigen vorbeigeschwappt. "Ich war erstaunt und dachte erst, ich werde veräppelt", sagte sie, als sie es schließlich doch erfuhr. Von ihr war aber kein Vorwurf zu hören. Sie fuhr einfach wieder nach Hause nach Lauenau. © Florian Petrow
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Mit der kurzfristigen Absage des Heimspiels gegen Flensburg sind die Recken vor vollendete Tatsachen gestellt worden. Sie warten nun auf eine schriftliche Begründung und wollen weitere Schritte klären, denn: Die HBL hat mit ihrem Alleingang die eigenen Statuten übergangen.

Es ist nur ein abgesagtes Spiel, doch die Tragweite ist gewaltig. Die Recken der TSV Hannover-Burgdorf wurden am Samstagvormittag kalt erwischt, als sie von der Absage erfuhren. Die Telefone von Geschäftsführer Eike Korsen und Sportchef Sven-Sören Christophersen standen nicht mehr still. In der ZAG-Arena war schon alles vorbereitet für das Spiel um 20.30 Uhr gegen Flensburg. Mehr als 4200 Karten waren verkauft, die Recken rechneten mit 4500 Fans – das wäre Saisonrekord gewesen.

Nun ist der emotionale und wirtschaftliche Schaden groß. Der Ausfall der Partie kostet die Recken geschätzt einen sechsstelligen Betrag. Ob und wann die Partie nachgeholt wird, ist offen. Wie und wann die Fans ihr Geld zurückbekommen, ebenfalls. „Sobald der weitere Umgang mit der Spielabsage geklärt ist, folgen alle weiteren Informationen für die Ticketinhaber“, heißt es in der Mitteilung auf der Homepage.

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Am Freitag hatten die Flensburger den Corona-Fall Simon Hald veröffentlicht. Das vollständig durchgeimpfte Team fuhr trotzdem nach Hannover und checkte im Spielerhotel ein. Am Samstagvormittag kommunizierten die Flensburger dann vier weitere Fälle, darunter drei Spieler. Alle Betroffenen saßen mit im Bus. Die Gefahr weiterer Ansteckungen war nicht auszuschließen.

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Kurz darauf reagierte die Handball-Bundesliga (HBL) mit der Absage – offenbar ohne Anordnung des zuständigen Gesundheitsamtes. Die Recken wurden in die Entscheidung nicht eingebunden – und damit vor vollendete Tatsachen gestellt. „Wir sind lediglich kurzfristig über die Absage informiert worden“, sagt Christophersen.

Hat die HBL einen Präzedenzfall geschaffen?

Fakt ist: Die HBL überging mit der Entscheidung ihre eigenen Regeln – und schuf einen willkürlich anmutenden Präzedenzfall. Wenig später wurde auch die Partie zwischen Magdeburg und Lübbecke abgesagt – wegen sechs Impfdurchbrüchen beim SCM. Nach den HBL-Statuten müssen Mannschaften eigentlich antreten, wenn die Hälfte des Lizenzspieler-Kaders einsatzfähig ist. Das wäre sowohl bei Flensburg als auch bei Magdeburg der Fall gewesen. Es gibt in der Spielordnung also keine regelgerechte Grundlage für diese Absagen.

Dennoch hat sich die HBL dafür entschieden – zum Ärger der Recken. „Unsere Maßgabe lautet: Die Gesundheit steht über allem. Wir gehen auf Nummer sicher“, verteidigte Liga-Geschäftsführer Frank Bohmann die kurzfristigen Absagen. Man wolle nicht das Risiko eingehen, dass die Zahlen durch weitere positive Nachtestungen noch höher werden. „Ganz oben steht, dass wir gesund durch die Pandemie kommen“, betonte Bohmann. Deshalb seien diese „schwierigen, aber eindeutigen Entscheidungen“ getroffen worden.


Das ist der Spielplan der Recken der TSV Hannover-Burgdorf in der HBL-Saison 2021/22

<b>14. Spieltag:</b> TuS Nettelstedt-Lübbecke (H), Sonntag, 5. Dezember, 16 Uhr Zur Galerie
14. Spieltag: TuS Nettelstedt-Lübbecke (H), Sonntag, 5. Dezember, 16 Uhr ©

Bohmann äußerte zwar Verständnis für die Kritik aus Hannover. Dennoch zweifelte er nicht an der Richtigkeit der Maßnahmen. Es sind die ersten coronabedingten Absagen in dieser Saison. Vergangene Spielzeit waren es letztlich rund 50 Partien.

Die berechtigte Kritik nach diesen HBL-Alleingängen: Werden jetzt etwa reihenweise Spiele abgesagt? Denn schon ein einziger Corona-Fall in einem Team birgt die Gefahr für weitere. Steht damit auch der gesamte Spielbetrieb auf der Kippe? Dürfen Fans dann überhaupt noch zugelassen werden?

Das Signal, das die HBL indirekt gesendet hat, ist fatal: Impfen hilft nicht, eigene Statuten sind egal. Die HBL sprach von „Einzelfallentscheidungen“, sieht aber ein, dass es „Gesprächsbedarf gibt“. Die Recken warten indes auf eine an sie gerichtete schriftliche Begründung der Absage und wollen dann weitere Schritte klären. Protest, Anspruch auf zwei Punkte oder Akzeptanz eines Nachholspiels – alles scheint denkbar.