05. Juni 2021 / 06:00 Uhr

Bei Recken-Coach Ortega platzt nicht nur der Titeltraum: "Mein Herz ist gebrochen"

Bei Recken-Coach Ortega platzt nicht nur der Titeltraum: "Mein Herz ist gebrochen"

Simon Lange
Hannoversche Allgemeine / Neue Presse
Die Enttäuschung bei Recken-Coach Carlos Ortega ist nach der Niederlage gegen Melsungen riesengroß.
Die Enttäuschung bei Recken-Coach Carlos Ortega ist nach der Niederlage gegen Melsungen riesengroß. © Florian Petrow
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Die Enttäuschung über die Niederlage gegen Melsungen beim Final Four wiegt schwer bei den Recken. "Mein Herz ist gebrochen", sagt Trainer Carlos Ortega mit etwas Abstand nach dem 24:27 im Halbfinale des DHB-Pokals. "Mit dem Aus von Kiel gegen Lemgo war die Chance auf den Titel noch größer."

Der Recken-Schmerz saß auch auf der Rückfahrt am Freitag aus Hamburg noch „sehr tief. Die Stimmung war wirklich nicht gut, geredet wurde nicht viel, jeder hat Zeit für sich gebraucht“, erzählt Ivan Martinovic, mit acht Toren bester Schütze bei der 24:27-Halbfinalniederlage gegen die MT Melsungen am Donnerstagabend.

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Von der ge­drück­ten Atmosphäre in der Kabine un­mit­tel­bar nach dem Spiel bekam er nichts mit, Martinovic wurde zur Dopingprobe gebeten, das zog sich hin. Er stieß erst wieder zur Mannschaft, als die schon im Bus saß. Im Lindner Park-Hotel Hagenbeck folgte noch ein gemeinsames Abendessen. Die Recken hatten einiges zu verdauen.

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Dabei hatte alles sehr lange sehr gut ausgesehen. Trotz der zähen Anfahrt durch den Dauerstau auf der A 7 war die TSV Hannover-Burgdorf sportlich auf den Punkt da, zusätzlich noch motiviert durch eine Videobotschaft ihrer Ex-Stars. Morten Olsen, Cristian Ugalde, Joshua Thiele und Mait Patrail, die in der vergangenen Saison noch beim Erreichen des Final Four dabei gewesen waren, hatten eine Viel-Glück-Botschaft ans Team gesandt. „Das hat uns sehr gefreut und uns einen Extraschub gegeben“, sagte Martinovic. Nur Timo Kastening fehlte, er stand schließlich auf Seiten der Melsunger, seinem neuen Verein seit Sommer 2020.

Rote Karte für Böhm weggesteckt

Hannover war lange Zeit ebenbürtig mit der Startruppe aus Kassel. Selbst die äußerst umstrittene Rote Karte für Kapitän Fabian Böhm in der 42. Minute steckte das Team weg. Mit allen Chancen (23:23) ging die TSV in die Schlussphase. Wenn nur die Würfe von Filip Kuzmanovski (gehalten) und Hannes Feise (Pfosten) reingegangen wären – aber wie so oft in dieser Saison fehlten den Recken in den letzten Minuten eines Spiels Glück und Cleverness.

Es zieht sich durch die ganze Spielzeit. „Es fehlt uns der Killerinstinkt. Und wir bestrafen uns mit eigenen Fehlern selbst“, sagt Sven-Sören Christophersen. Auch der Sportchef haderte am Freitagnachmittag noch mit dem unglücklichen Aus – und den Pfiffen der Unparteiischen: „Ich sage es mal so: Ein Spiel sollten die Spieler entscheiden, nicht die Schiedsrichter.“ Besonders die Rote Karte für Böhm nach einem Foulspiel an Julius Kühn sorgte für Unverständnis bei den Recken.

Trainer Carlos Ortega hatte am Freitag schon Distanz zu diesem Pfiff gefunden. Der Spanier war trotzdem noch emotional sehr aufgewühlt. „Ich bin sehr stolz auf meine Mannschaft. Auf ihren Kampf. Wir waren jetzt schon das dritte Mal hintereinander beim Final Four. Wer schafft das schon?“, sagte Ortega: „Wir hatten große Hoffnung auf diesen Pokal. Mit dem Aus von Kiel gegen Lemgo war die Chance auf den Titel noch größer. Es ist hart und traurig, dass wir es nicht geschafft haben. Mein Herz ist gebrochen. Diese Mannschaft ist so super und hätte es verdient gehabt.“


Spielplan der TSV Hannover-Burgdorf in der Bundesliga-Saison 2020/21

<b>37. Spieltag:</b> HBW Balingen-Weilstetten (A), Mittwoch, 23. Juni, 19 Uhr Zur Galerie
37. Spieltag: HBW Balingen-Weilstetten (A), Mittwoch, 23. Juni, 19 Uhr ©

Wie Martinovic und Christophersen konnte auch Ortega am Freitagnachmittag nicht sagen, ob er sich das Finale am frühen Abend wirklich angucken würde. Alle zögerten, die Melsunger im Finale spielen zu sehen, das hätte den Frust nach dem verlorenen Halbfinale nur noch vergrößert.

Der Fokus gilt ab sofort dem Ligaspiel in Flensburg am Sonntag (13.30 Uhr). Die Mannschaft fährt am Samstagmittag wieder hoch nach Hamburg und checkt im selben Hotel ein. Sonntag erfolgt die Weiterfahrt nach Flensburg. „Klar ist es nicht einfach, jetzt den Schalter umzulegen“, sagt Martinovic, „aber für ein Spiel gegen Flensburg sollte man immer motiviert sein.“ Die Re­cken wollen die Saison jetzt nach der „riesigen Enttäuschung“ (Böhm) mit Anstand zu Ende bringen.