10. April 2021 / 22:04 Uhr

Hälfte eins auf Augenhöhe: Tapfere Recken unterliegen THW Kiel mit 29:35

Hälfte eins auf Augenhöhe: Tapfere Recken unterliegen THW Kiel mit 29:35

Simon Lange
Hannoversche Allgemeine / Neue Presse
Alfred Jönsson macht schmerzhafte Bekanntschaft mit Kiels Patrick Wiencek.
Alfred Jönsson macht schmerzhafte Bekanntschaft mit Kiels Patrick Wiencek. © Florian Petrow
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Sie haben Kiel einen tollen Kampf geboten und waren eine Hälfte lang sogar auf Augenhöhe. Nach 60 Minuten hieß es aus Sicht der Recken jedoch 29:35 (16:16). Die Aufgabe für die TSV Hannover-Burgdorf war durch die Tatsache, dass sich sechs Spieler in Quarantäne befinden, enorm erschwert worden.

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Was für eine bravouröse Vorstellung der Recken am späten Samstagabend: Die TSV Hannover-Burgdorf verlor zwar gegen den großen Favoriten THW Kiel daheim in der ZAG-Arena mit 29:35, lieferte aber eine taktische und kämpferische Topleistung ab – und das nach 14 Tagen Quarantäne und nur zwei Trainingseinheiten. "Ich bin stolz auf meine Mannschaft, wir haben bis zum Ende gekämpft", sagte Coach Carlos Ortega. "In der zweiten Halbzeit hatten wir Probleme in der Abwehr und keine Paraden mehr. Das war entscheidend."

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Ohne sechs Spieler waren die Recken angetreten. Die TSV hatte die Namen der Öffentlichkeit bislang vorenthalten. Um die Spieler zu schützen – und aus taktischen Gesichtspunkten den Gegner in Unsicherheit zu lassen. Nach dem ersten Positivfall Nejc Cehte (Slowenien, rechter Rückraum) waren in der Folge auch sein Landsmann und Torwart Urban Lesjak, Ivan Martinovic (ebenfalls rechter Rückraum), die Kreisläufer Evgeni Pevnov und Justus Fischer sowie Linksaußen Vincent Büchner positiv auf das Coronavirus getestet worden.

Bilder vom Handball-Spiel der Bundesliga zwischen der TSV Hannover-Burgdorf und dem THW Kiel

Großer Kampf: Kapitän Fabian Böhm geht bei den Recken mit gutem Beispiel voran. Zur Galerie
Großer Kampf: Kapitän Fabian Böhm geht bei den Recken mit gutem Beispiel voran. ©

Drei der sechs Spieler wurden jüngst weiterhin positiv getestet. Es ist noch offen, wer wann in der kommenden Woche aus der um jeweils eine Woche verlängerten Quarantäne kommt. Voraussetzung ist ein negativer Test. Gegen die Rhein-Neckar Löwen am Samstag dürfte so oder so keiner dieser Spieler einsatzfähig sein. Alle müssen sich zuvor kardiologischen Tests unterziehen. Eine kurzfristige Rückkehr auf die Platte ohne viel Training käme nach drei Wochen ohne Handball zu früh.

Ortega nominiert vier Perspektivspieler

Für die sechs fehlenden Spieler hatte Trainer Ortega mit vier Jungakteuren aus dem Perspektivkader aufgefüllt: neben Petar Juric die Debütanten Felix Wernlein (Tor), Matteo Ehlers und Koray Ayar. Die Startsieben stellte sich praktisch von allein auf. Domenico Ebner im Tor, Hannes Feise auf Linkaußen, Johan Hansen auf Rechtsaußen, Ilija Brozovic am Kreis. Alfred Jönsson als Mittelmann, Kapitän Fabian Böhm auf Halblinks, Rechtshänder Ivan Kuzmanovski auf Halbrechts.

Nach einer dreiminütigen Torflaute zu Beginn gelang Hannover der erste Treffer: Hansen netzte per Siebenmeter ein. Böhm erhöhte auf 2:0. Ein guter Reckenanfang. Taktikfuchs Ortega stellte die beste Mannschaft der Welt vor Rätsel. Der Spanier nahm für die Angriffe immer mal wieder den starken Ebner aus dem Tor zugunsten eines siebten Feldspielers.

Die TSV spielte lange Angriffe in Überzahl, leistete sich kaum Fehler und stellte auf 6:3. Nanu? Bahnte sich da etwa ein Wunder gegen die Startruppe aus dem hohen Norden an? Von Quarantäne-Blues war bei den Recken nichts zu spüren. Im Gegenteil. Die TSV gab Vollgas.

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Nach nur 10:14 Minuten musste Kiels Coach Filip Jicha die erste Auszeit nehmen, um sein Team neu einzustellen. Für jeden zweiten Treffer sorgte zunächst Hansen, der seinem dänischen Landsmann Niklas Landin immer wieder verlud. Natürlich konnte es nicht ewig so weiter gehen. Als Kiel auf 8:9 verkürzte holte auch Ortega sein Team zusammen. Die ersten Fehler schlichen sich ein, Kiel bestrafte die meisten. In der 21. Minute ging Kiel das erste Mal in Führung (10:11).

Hanne durch die Beine von Landin

Dennoch blieb Hannover ebenbürtig. Dank Disziplin, Ruhe, Kampf, starker Torhüterleistung, überlegt herausgespielten Würfen und guter Chancenverwertung. In die Pause ging es mit einem 16:16. Das alleine war schon eine Sensation angesichts der außergewöhnlichen Umstände im Vorfeld.

Auch nach dem Wechsel hielt die TSV die Partie zunächst offen – trotz zweimaliger Unterzahl. Martin Hanne verwandelte sogar einen Freiwurf direkt zum 20:20 (36.) – durch die Beine von Landin. Allerdings lief das Ortega-Team jetzt immer einem kleinen Rückstand hinterher.

Es war nur eine Frage der Zeit, bis die Recken-Kräfte schwinden würden und der Rückstand anwachsen würde. Beim 22:25 waren es erstmals drei Tore (41.). Die Dinge nahmen jetzt ihren natürlichen und zu erwartenden Lauf. Nicht aber ohne tapfere Gegenwehr der Recken. Abschlachten lassen wollten sie sich nicht.

Spielplan der TSV Hannover-Burgdorf in der Bundesliga-Saison 2020/21

<b>29. Spieltag:</b> TBV Lemgo Lippe (A), Sonntag, 9. Mai, 16 Uhr Zur Galerie
29. Spieltag: TBV Lemgo Lippe (A), Sonntag, 9. Mai, 16 Uhr ©

Als Kiels Superstar Sander Sagosen auf 29:24 stellte, war die Partie allerdings vorentschieden. Diesen Vorsprung würde sich der THW nicht mehr nehmen lassen. Die TSV traf zwar weiterhin, ließ jetzt hinten aber viel zu schnelle und einfache Gegentore zu.

Kuzmanovski kassierte in der 51. Minute die rote Karte, nachdem er Sagosen unabsichtlich mit der Hand im Gesicht traf. So hatten die Recken für die Schlussphase noch einen Spieler weniger im schon dezimierten Kader zur Verfügung. Allein: Es machte keinen Unterschied mehr. Die Niederlage war ohnehin besiegelt.