13. Juli 2020 / 08:04 Uhr

Neu-Recke Johan Hansen im Interview: "Will genauso große Rolle spielen wie Kastening"

Neu-Recke Johan Hansen im Interview: "Will genauso große Rolle spielen wie Kastening"

Simon Lange
Hannoversche Allgemeine / Neue Presse
Zwei Weltmeister unter sich: Neuzugang Johan Hansen (links) mit Recken-Legende Morten Olsen (rechts). 
Zwei Weltmeister unter sich: Neuzugang Johan Hansen (links) mit Recken-Legende Morten Olsen (rechts).  © imago images/Ritzau Scanpix
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Wird er der neue Timo Kastening? Johan Hansen soll den nach Melsungen Jungstar der TSV Hannover-Burgdorf auf Rechtsaußen ersetzen. 2019 wurde er zusammen mit Recken-Legende Morten Olsen Weltmeister. Der SPORTBUZZER hat den Dänen vor dem Trainingsstart in der Südstadt zum Interview getroffen.

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Willkommen in Hannover! Sind Sie gut angekommen?

Ja, danke. Ich bin seit dem 1. Juli hier. Ich wohne in der Südstadt und fühle mich schon sehr wohl. Nach und nach erkunde ich die Nachbarschaft und die City. Am schönen Maschsee bin ich auch schon gewesen. Mir gefällt es hier. Ich bin ja das erste Mal in einer Großstadt.

Sie stammen von den Färöer-Inseln…

… genau. Die sind sehr übersichtlich. Da leben insgesamt nur 50.000 Menschen.

Sie sind nicht alleine nach Hannover gekommen…

Nein, meine Frau Astrid ist dabei und unsere drei Monate alte Tochter Nora. Für alle war die Corona-Krise nicht gut. Für mich hatte sie aber etwas Positives. Es war die perfekte Zeit. Ende März bin ich das erste Mal Vater geworden, ich konnte drei Monate zu Hause bei meiner Familie sein. Das war wunderbar, auch wenn ich natürlich gerne Handball gespielt hätte. Und vor einem Monat haben wir auf den Färöer-Inseln geheiratet, im ganz kleinen Kreis. Das war sehr schön. Sogar das Wetter war gut, das kommt da oben nicht so häufig vor (lacht).

Sie waren dort eigentlich Fußballspieler und sind erst spät zum Handball gekommen?

Richtig. Ich habe Handball mit ein paar Kumpels nur nebenbei gespielt. Im Fußball war ich sogar Nationalspieler. Mit 15 habe ich festgestellt, dass ich im Handball besser bin und habe dann auch gleich in der obersten Liga gespielt. Ein dänischer Handballtrainer hat mich dann entdeckt und mir gesagt, dass ich gut genug bin, in Dänemark zu spielen. Kurzum: Ich habe die Chance genutzt und bin mit 16 Jahren nach Dänemark gewechselt.

Zehn Jahre später spielen Sie in der stärksten Liga der Welt.

Ja, das war immer mein Ziel. Es war schon eine große Reise bis hierhin. Jetzt gehe ich den nächsten Schritt. Tatsächlich hat mir ein Coach in Skanderborg mal gesagt, dass ich zwar kein Handball spielen kann, aber dafür laufen und springen. Das sei gut genug für den Anfang (lacht). So gesehen, ist es bisher nicht schlecht gelaufen.

Die Stimmen der Recken-Profis zum Europapokal-Verzicht:

<b>Kreisläufer Evgeni Pevnov:</b> Natürlich bin ich wahnsinnig enttäuscht, das tut mir richtig weh. Der EHF-Wettbewerb ist eine ganz besondere Bühne, ich schaue mir ohnehin gern fremde Länder an. Aber die Entscheidung des Vereins ist verständlich, das ist so. Wir müssen nun damit leben. Mir fehlt das internationale Gesamtpaket: Das Reisen, die anderen Hallen, unbekannte Mannschaften. Zur Galerie
Kreisläufer Evgeni Pevnov: "Natürlich bin ich wahnsinnig enttäuscht, das tut mir richtig weh. Der EHF-Wettbewerb ist eine ganz besondere Bühne, ich schaue mir ohnehin gern fremde Länder an. Aber die Entscheidung des Vereins ist verständlich, das ist so. Wir müssen nun damit leben. Mir fehlt das internationale Gesamtpaket: Das Reisen, die anderen Hallen, unbekannte Mannschaften." ©

Sie hatten neben Hannover andere Angebote, auch aus Kiel. Wieso haben Sie sich für die Recken entschieden?

Das stimmt, ich hatte auch andere Angebote. Aber für mich waren die Recken richtig. Was sie mir angeboten haben, vor allem an Spielzeit, war zu gut, um Nein zu sagen. Hier kann ich mich entwickeln. Team und Trainer sind toll, die Recken spielen einen sehr interessanten Handball. Ich habe nur gutes gehört über Trainer Carlos Ortega. Auch von den Spielern, die unter ihm in Dänemark gespielt haben. Mit Morten Olsen habe ich natürlich auch gesprochen. Ich will hier auf Rechtsaußen eine genauso große Rolle spielen wie Timo Kastening.

... der nach Melsungen gewechselt ist. Er hinterlässt tatsächlich große Fußstapfen, nicht nur sportlich. Wie wollen Sie die ausfüllen?

Er ist ein großartiger Spieler. Ich habe gegen ihn bei der Junioren-EM gespielt, er ist in meinem Alter. Ich weiß, dass er hier in Hannover auch der Fan-Liebling war. Natürlich kann ich seinen Platz nicht ausfüllen. Aber ich werde in Hannover meinen eigenen Platz finden und gut spielen für die Recken und die Fans.

Die Umstände sind ziemlich andere im Vergleich zu September 2019, als sie sich für Hannover entschieden haben. Erst Corona, dann Kurzarbeit, jetzt noch die schlechte Nachricht, dass die Recken nicht Europa spielen. Bereuen Sie schon ihre Entscheidung?

Nein, natürlich nicht! Die Corona-Situation war für jeden hart und kompliziert. Auch für die Recken. Ich vertraue darauf, dass es die richtige Entscheidung der Klubführung war. Ich habe die letzten fünf Jahre Champions League und EHF-Cup gespielt. Und natürlich will ich weiter in Europa spielen. Aber für mich war jetzt erstmal wichtig, in der Bundesliga spielen zu können und hier Fuß zu fassen. Das ist ja gegeben. Tja, und dann müssen wir uns diese Saison einfach wieder für Europa qualifizieren, sodass wir nächstes Jahr dort spielen können.

Also haben Sie Verständnis für die Entscheidung?

Ja, es ist in diesen Zeiten kein einfacher Job für die Klub-Führung. Und als Spieler musst du die Entscheidung akzeptieren.

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Dann droht noch ein Gehaltsverzicht. Das kann ihnen doch auch nicht gefallen?

Das will natürlich auch keiner. Aber wenn es dazukommen sollte, werden wir auch da mit dem Team eine Lösung finden. Da mache ich mir im Augenblick aber keine Gedanken drüber. Ich denke jetzt erstmal nur an den Trainingsstart und daran, das Team kennenzulernen.

Am Montag geht es los. War erwarten Sie?

Ich freue mich riesig drauf. Wir mussten alle lange warten. Hatten alle lange keinen Handball in der Hand. Ich habe das sehr vermisst. Es ist schön, zurück auf der Platte zu sein, die Jungs kennenzulernen – und Deutsch zu lernen.

In der Liga wimmelt es nur so vor Dänen. In Hannover sind Sie aber nach dem Weggang von Morten Olsen der einzige.

Das ist okay für mich. Natürlich ist es schön, jemand zu haben, der deine Sprache spricht. Dem man sich anvertrauen kann. Aber anderseits ist es auch aufregend, wenn keine Dänen da sind. So werde ich die Sprache und auch die Kultur sehr viel schneller lernen. Das wäre anders, wenn ich in Kiel oder Flensburg spielen würde. Aber klar, einen Kulturschock werde ich nicht erleben. Deutsche und Dänen sind sich schon ähnlich. Die Färöer sind der kleine Bruder von Dänemark. Dänemark ist der kleine Bruder von Deutschland.

Ihr letztes Spiel in Dänemark mit Bjerringbro-Silkeborg vor der Corona-Pause war schon ohne Zuschauer. Geben Sie uns einen kleinen Vorgeschmack, wie war das?

Es hat sich wie ein Trainingsmatch angefühlt. Dazu kam, dass der Gegner nicht so stark war und wir mit zehn Toren oder so gewonnen haben. Das große Problem war das Coaching. Unser Trainer schreit immer gerne die Schiedsrichter an – aber jetzt konnten sie alles hören und verstehen. Das war nicht so gut (lacht).