24. Juni 2020 / 09:37 Uhr

"War etwas Besonderes": Kastening, Olsen und Patrail kommen in Recken-Ruhmeshalle

"War etwas Besonderes": Kastening, Olsen und Patrail kommen in Recken-Ruhmeshalle

Simon Lange
Hannoversche Allgemeine / Neue Presse
Timo Kastening (von links), Morten Olsen und Mait Patrail haben sich einen Platz in der Recken-Ruhmeshalle verdient.
Timo Kastening (von links), Morten Olsen und Mait Patrail haben sich einen Platz in der Recken-Ruhmeshalle verdient. © Florian Petrow
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Trotz der Corona-Pandemie hat die TSV Hannover-Burgdorf ein Quintett würdig verabschiedet. Sportchef Sven-Sören Christophersen kündigte bei dem Event auf dem Schützenplatz an, dass Timo Kastening, Morten Olsen und Mait Patrail in die Hall of Fame der Recken aufgenommen werden.

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Timo Kaste­ning stockte ein wenig die Stimme. Er wirkte sichtlich bewegt, als er sich von Hannover und den Recken-Fans am Montagabend verabschiedete. „Ich habe lange überlegt, was ich heute sage. Aber jetzt fehlen mir die Worte“, stammelte Deutschlands Handballer des Jahres 2019.

Alle sind sich einig: Viel besser als gar kein Abschied

Nein, es flossen keine Tränen. Und nein, die ganz großen Emotionen blieben aus, weil die Fans auf dem Schützenplatz sich hinter Frontscheiben und Motorhauben verstecken mussten, anstatt dicht gedrängt in einer vollen Arena ihren Lieblingen zuzujubeln und sich sogar persönlich von ihnen zu verabschieden.

Aber, darin waren sich alle Beteiligten einig: Die Corona-Party auf dem Schützenplatz war in diesen Zeiten sehr viel besser als gar kein Abschied. In der Handball-Bundesliga war diese Improvisation bislang sogar einzigartig, weil kein anderes Team so eine Bühne samt Parkplatz zur Verfügung hat.

Bilder von der Verabschiedung der Recken Morten Olsen, Timo Kastening, Joshua Thiele, Mait Patrail und Cristian Ugalde auf dem Schützenplatz in Hannover

Verabschiedung des scheidenden Recken-Quintetts Morten Olsen, Timo Kastening, Joshua Thiele, Mait Patrail und Cristian Ugalde auf dem Schützenplatz in Hannover. Zur Galerie
Verabschiedung des scheidenden Recken-Quintetts Morten Olsen, Timo Kastening, Joshua Thiele, Mait Patrail und Cristian Ugalde auf dem Schützenplatz in Hannover. © Florian Petrow

„Es brannte mir auf der Seele, dass wir die Jungs vernünftig verabschieden können“, sagte Recken-Sportchef Sven-Sören Chris­­to­pher­sen in Richtung Jo­shua Thiele (geht nach Minden), dem zugeschalteten Cristian Ugalde (Ziel unbekannt), Mait Pa­trail (Rhein-Neckar Löwen), Morten Olsen (Gudme) und Kastening (MT Melsungen).

Trio kommt in die Hall of Fame

Den großen drei (Patrail, Olsen, Kastening) versprach Christophersen sogleich die Aufnahme in die Hall of Fame. Die Recken-Ruhmeshalle ist Spielern vorbehalten, die neben anderen Aspekten über viele Jahre im Dienst der TSV Hannover-Burgdorf standen.

Pa­trail (acht Jahre), Olsen (zehn Jahre mit Unterbrechung) und Kastening (zwölf Jahre) erfüllen dieses Kriterium, wie schon ein Jahr zuvor die verabschiedeten Recken-Ikonen Lars Lehnhoff, Torge Johannsen und Martin Ziemer. 2019 wurden die Trikotbanner mit Spielernamen und Nummern in der Arena ausgerollt. Auf diese Zeremonie mussten die scheidenden Stars des Sommers 2020 verzichten. Corona macht alles anders.

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Trotzdem: „Etwas Besonderes war es ohnehin“, sagte Christophersen mit Blick auf die Kulisse von 500 Autos und geschätzten 1500 Fans darin, „und ich glaube, die Spieler waren auch froh, dass wir das genau so ge­macht haben“.

Dennoch: Die Handballer sehnen sich zur Normalität zurück: Hallentraining, Saisonstart, Spiele mit Zu­schau­ern. Die Weichen dafür werden gerade gestellt. Vo­raus­set­zung für alle Pläne ist die Vorarbeit der Politik. Da kamen die Ehrengäste am Montag gerade recht: Oberbürgermeister Belit Onay und Regionspräsident Hauke Jagau.

Verabschiedung von Timo Kastening

„Ich komme zwar vom Basketball, aber meine Frau ist leidenschaftliche Handballerin. Wir haben die Saison der Recken intensiv verfolgt“, sagte Onay und outete sich als Fan: „Lange lief es ja so gut, dass man dachte: Ey, wir können sogar Meister werden. Das Gefühl war richtig cool.“ Am Ende der abgebrochenen Spielzeit war es Platz vier. „Die Saison hat noch einmal einen Push ge­ge­ben. Handball hat einen irren Stellenwert in der Stadt und in der Region“, sagte Onay.

Der Oberbürgermeister versprach: „Die Stadt steht zu den Recken. Wir werden den Standort stärken und alles möglich machen“, dass der Handball „schnell wieder“ in die Halle „zurückkehren kann“. Und zwar mit Zuschauern. „Der Handball braucht diese At­mo­sphä­re, dann macht er erst wieder Spaß“, weiß Onay. Auch Jagau wünscht sich, „dass wir sehr schnell wieder zur Normalität zu­rück­kom­men. Wir haben doch alle viel lieber, wenn man die Spieler auch anfassen kann.“

Recken-Fans feiern Timo Kastening

Egal, wie und wann die neue Saison beginnt. Einen Termin hat sich Onay schon geblockt. 27. und 28. Februar 2021, Pokal-Final-Four in Hamburg mit den Recken. Euphorisch lehnte sich Onay, der eine autofreie Innenstadt anpeilt, aus dem Fenster: „Ich freue mich – und das sage ich als Grünen-Politiker –, wenn wir mit einem Autokorso den Pokalgewinn feiern können.“

Alles große Worte. Die Fans hoffen, dass auch Taten folgen.