22. Mai 2019 / 12:41 Uhr

Recken-Chef Korsen zum Finanzstreit mit Günter Papenburg: "So erreicht man keinen Konsens"

Recken-Chef Korsen zum Finanzstreit mit Günter Papenburg: "So erreicht man keinen Konsens"

Redaktion Sportbuzzer
RedaktionsNetzwerk Deutschland
Eike Korsen (links) und Jürgen Cramer (Mitte) sprechen mit dem SPORTBUZZER über den Finanzstreit zwischen dem TSV Hannover-Burgdorf und Tui-Arena-Eigner Günter Papenburg (rechts). 
Eike Korsen (links) und Jürgen Cramer (Mitte) sprechen mit dem SPORTBUZZER über den Finanzstreit zwischen dem TSV Hannover-Burgdorf und Tui-Arena-Eigner Günter Papenburg (rechts).  © Petrow/Imago/Montage
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Am Donnerstag (19 Uhr) spielen die Handball-Recken der TSV Hannover-Burgdorf in Kassel bei MT Melsungen. Während es für die Profis sportlich nicht mehr wirklich um etwas geht, schwelt im Hintergrund weiter der Finanzstreit zwischen Tui-Arena-Eigner Günter Papenburg und den Recken.

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Der SPORTBUZZER sprach mit Recken-Geschäftsführer Eike Korsen (35) und mit Jürgen Cramer (64), einem der fünf Gesellschafter der TSV Hannover-Burgdorf Handball GmbH, über die Problematik. Mit dem Konflikt beschäftigt sich auch weiterhin das Landgericht Verden.

Herr Korsen, die Recken streiten sich mit Arena-Besitzer Günter Papenburg vor Gericht. Es geht um ausbleibende Zahlungen und zerstörtes Vertrauen. Sehen Sie überhaupt eine Möglichkeit, diesen Konflikt zu lösen?

Korsen: Unser Ziel war es, ist es und bleibt es auch, dass Spielstätten-Konzept mit der Tui-Arena als Hauptspielstätte, das aus meiner Sicht für beide Seiten wertvoll ist, fortzuführen. Ich glaube, dass uns dieses gemeinsame Interesse über die inhaltlichen Auseinandersetzungen hinweg eint.

Ihre Gegner behaupten, die Recken wollen gar nicht alle Spiele in der Tui-Arena austragen – obwohl das der gemeinsame Vertrag einfordert.

Korsen: Die Spielstättenaufteilung ist vor allem eine Terminfrage, bei der auch übergeordnete Interessen eine Rolle spielen, was hinlänglich bekannt ist. Wir müssen uns an den Vorgaben des Rahmenspielplans der Liga orientieren, der wiederum auch an TV-Verträge gebunden ist. Und dann muss uns die Arena zu diesen Rahmenspieltagen zur Verfügung ge­stellt werden können. Bei dieser Termin-Jonglage zeigt sich, dass die Arena für alle Heimspieltermine überhaupt nicht frei ist – weder in den zurückliegenden beiden Spielzeiten noch in der kommenden.

Heißt im Klartext: Auch wenn Sie in die Arena wollen, können Sie gar nicht zwangsläufig.

Korsen: Wir hätten beispielsweise am 5. Mai gern das Spiel gegen Magdeburg in der Arena ausgetragen. Zu diesem Spieltag war aber Mario Barth in der Halle. Uns steht die Arena also schon allein aufgrund von Terminkollisionen mit anderen Veranstaltungen nicht zu allen Spielen zur Verfügung. Da­her kommt ja auch das ge­meinsam entwickelte Konzept mit zwei Spielstätten.

Cramer: Es gibt Verpflichtungen von beiden Seiten im Rahmenvertragswerk. Unser Interesse ist es doch, dass wir möglichst alle Spiele in der Arena machen können. Allerdings muss auch alles zueinander passen. Dazu gehören auch weitere Punkte.

Bilder vom Spiel der Handball-Bundesliga zwischen der TSV Hannover-Burgdorf und dem VfL Gummersbach

Recken-Torhüter 
Urban Lesjak bejubelt eine seiner Paraden. Zur Galerie
Recken-Torhüter Urban Lesjak bejubelt eine seiner Paraden. ©
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Die Miete zum Beispiel …

Korsen: Ja. Aber es gibt ja auch noch den Vorwurf, dass wir der Arena erhebliche Ne­ben­kos­ten schuldig sind.

Woraus setzt sich diese Summe zusammen?

Korsen: Aus unserer Sicht sind die Forderungen unberechtigt, da sie um ein Vielfaches gegenüber dem Vorjahr gestiegen sind. Es ist ja nicht so, dass wir gar nichts bezahlen, aber die Rechnungen sind um einen Faktor explodiert, der für uns nicht nachvollziehbar ist. Wir erkennen in diesen Ansprüchen mittlerweile den dritten Versuch, im Nachhinein die Konditionen für sich nachhaltig zu verbessern.

Cramer: Dazu kommt: Die belastbaren Nachweise für Verbräuche liefert Herr Pa­pen­burg nicht. Wie aber kann eine solche Steigerung ge­gen­über dem Vorjahr entstehen?

Sie haben Günter Papenburg im Gegenzug eine Rechnung von rund 400 000 Euro gestellt, die Einnahmelücken stopfen sollen. Das sieht der gemeinsame Vertrag auch so vor. Papenburg aber sagt, diese Lücken würden in seinen Hochrechnungen gar nicht existieren, und verlangt Einsicht in die Finanzunterlagen. Wieso geben Sie ihm nicht die geforderten Bilanzen?

Korsen: Tatsache ist: Wir ha­ben einen geprüften Jahresabschluss als Grundlage unserer Zahlungsaufforderung vorgelegt, der eindeutig die geforderte Zahl ergibt. Wir haben uns das ja nicht ausgedacht. Es handelt sich um ein von unabhängiger Stelle bekräftigtes Dokument, das unsere wirtschaftliche Situation darlegt.

Cramer: Der testierte Jahresabschluss vom Wirtschaftsprüfer liegt Herrn Pa­pen­burg vollständig vor. Alle Zahlen sind dort aufgeführt. Wenn unsere Zahlen falsch wären, hätten wir nicht nur das Problem Papenburg, sondern vielmehr noch ein steuerrechtliches. Um es deutlich zu machen: Wo soll das Geld denn geblieben sein, das laut Vorwurf nicht angegeben wurde?

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Aber wenn die Finanz­unterlagen vorliegen, welche Dokumente fehlen dann?

Korsen: Günter Papenburg möchte Einblicke in alle Sponsorenverträge der Re­cken. Und sehr viele weitere Angaben, die längst nicht nur mit Einnahmen zu tun haben. Das geht zu weit, an jeder Stelle.

Cramer: Wir haben eine Verschwiegenheitserklärung gegenüber unseren Partnern und können und werden solche Daten keinesfalls offenlegen.

Und wie geht der Konflikt nun weiter, wenn keine Einigung in Aussicht steht?

Korsen: Eine Glaskugel habe ich nicht, erkenne im Kern aber nach wie vor das gleiche und gemeinsame Interesse. Daher vertraue ich auf dieses Konstrukt mit der Tui-Arena und zur Not darauf, dass wir juristisch recht bekommen werden. Herr Papenburg hat offenkundig auch ein wirtschaftliches Interesse, die Recken als Mieter der Arena zu behalten, so dass wir weiter an einer vernünftigen Lö­sung arbeiten, nicht zuletzt auch im Sinne des Sport-Standortes Hannover.

Bleibt die Sache mit dem Vertrauen. Herr Papenburg macht diese Entwicklung auch an Ihnen fest, Herr Korsen.

Korsen: Ich möchte die Diskussion so sachlich wie möglich gestalten. Viel schwieriger finde ich, dass schlichtweg alles in Zweifel gezogen wird. Es werden Partnern von uns, namentlich unserem Hauptsponsor CP Pharma, der seit mehr als 20 Jahren höchst verlässlich an der Seite dieses Vereins steht und stets alle Zusagen erfüllt hat, Wortbrüche vorgeworfen, was ich moralisch und ganz bestimmt auch inhaltlich für falsch halte. Da wird in unserer Wahrnehmung gerade eine Grenze überschritten, die nicht tolerierbar ist.

Cramer: Der Streit mit Herrn Papenburg begann, da war Benjamin Chatton noch Geschäftsführer der Recken. Mein Eindruck ist, dass Herr Papenburg von Anfang an seiner Zusage aus der Verpflichtungserklärung nicht nachkommen wollte. Zunächst fingen die Forderungen langsam an und wurden mit der Zeit immer mehr. Ich finde es mehr als anstrengend, dass Herr Papenburg Eike Korsen angreift. Vorher lief es ge­nau­so.

Also läuft alles auf eine Eskalation zu?

Korsen: Ich hoffe nicht. Je mehr wir zusammenarbeiten, statt operativ Knüppel zwischen die Beine gelegt zu bekommen, die nicht nur sehr viel Geld fressen, sondern zudem an anderer Stelle wertvollere Ressourcen binden, desto mehr treiben wir doch unser Projekt nach vorne. Wenn man diesen Aufwand in die Entwicklung investieren würde – dieser Blickwinkel fehlt mir in der Diskussion völlig –, hilft das allen. Dort müssen wir schnellstmöglich hinkommen.

Sie sind also durchaus bereit, auf die Gegenseite für das gemeinsame Ziel zuzugehen?

Korsen: Wir haben den Neustart angeboten – leider wurde das bisher nicht angenommen. Wir wollen Ruhe haben und in eine gemeinsame Zukunft schauen. Wir sind Herrn Papenburg sehr weit entgegengekommen. Eine Einigung bedeutet aber auch, dass die Gegenseite Schritte auf uns zu macht und nicht immer wieder auf den gleichen, unberechtigten Forderungen beharrt. So erreicht man keinen Konsens.

Von Carsten Bergmann und Simon Lange

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