16. November 2021 / 11:09 Uhr

"Nachhaltig etwas entwickeln": Recken-Sportchef nimmt Prokop in Schutz

"Nachhaltig etwas entwickeln": Recken-Sportchef nimmt Prokop in Schutz

Jonas Freier
Hannoversche Allgemeine / Neue Presse
Recken-Sportchef Sven-Sören Christophersen (eingeklinkt) verteidigt Coach Prokop gegen aufkommende Kritik.
Recken-Sportchef Sven-Sören Christophersen (eingeklinkt) verteidigt Coach Prokop gegen aufkommende Kritik. © IMAGO/Claus Bergmann/Oliver Vogler
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Sky-Experte Stefan Kretzschmar hatte sich im Vorfeld der Recken-Niederlage in Kiel durchaus kritisch über Christian Prokop geäußert. Sportchef Christophersen bricht eine Lanze für seinen Coach: "Es geht uns darum, nachhaltig etwas zu entwickeln."

Abstiegskampf? „Von den Punkten her muss man es ja so sagen“, sagt Recken-Kapitän Fabian Böhm. Aber: „Wir sehen uns da aktuell noch nicht.“ Um die Abstiegsplätze zu sehen, brauchen Hannovers Bundesliga-Handballer allerdings kein Fernglas: Sie haben nur noch ein Zwei-Punkte-Polster.

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In Kiel zu verlieren, ist relativ normal. Beim 24:31 am Sonntag fand Trainer Christian Prokop „unsere erste Halbzeit ganz okay“. Aber: „In der zweiten Halbzeit haben wir das Spiel innerhalb von wenigen Minuten zu schnell aus der Hand gegeben. Dann waren auch unsere Körpersprache und der Glaube nicht mehr so da. Das war sehr ärgerlich.“

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Das sah Ex-Nationalspieler und Sky-Experte Stefan Kretzschmar ähnlich. Er fand die Recken „aufgrund vieler technischer Fehler in der zweiten Halbzeit chancenlos“. Trotzdem müsse „Hannover jetzt die Nerven behalten und weiterarbeiten. Sie haben gute Spieler und gute Alternativen.“

Über den neuen Recken-Trainer Prokop hatte Kretzschmar schon vor dem Spiel gesprochen – durchaus kritisch: „In Leipzig habe ich zwei Jahre gebraucht, um seine Handschrift zu sehen und zu verstehen. Er ist – was seine Weltanschauung auf den Handball angeht – ein etwas komplizierter Trainer. Als Laie versteht man sie schon mal gar nicht, als jemand, der in dem Business ist, muss man sich damit intensiv auseinandersetzen. Vieles ist neu, und das braucht etwas Zeit.“

"Tabelle nach zehn Spielen

Diese Zeit wird Prokop in Hannover be­kom­men. Recken-Sportchef Sven-Sören Christophersen betonte am Montag: „Wir haben vorher ge­sagt, dass Christian nicht als Feuermann zu uns kommt und es uns darum geht, nachhaltig etwas zu entwickeln.“ Man sei bisher zwar „nicht mit jedem Auftritt 100-prozentig zufrieden“, aber: „Es ist ja auch nicht so, dass wir chancenlos durch die Gegend stolpern.“ Mutig gerechnet, so Christophersen, „sind wir zwei bis vier Punkte hinter dem, was erwartbar war zu diesem Zeitpunkt – und das bildet ab, wie breit diese Liga gerade ist.“ Der Sportchef sagt: „Wir sind nicht naiv und können auch die Tabelle lesen – aber es ist die Tabelle nach zehn Spielen und nicht nach 34.“

Was den Recken in dieser Saison bislang vor allem fehlt, ist die Konstanz. „Wir arbeiten hart, sind sehr kritisch mit uns“, sagt Kapitän Böhm, der überzeugt ist: „Wir haben eine gute Mannschaft.“ Allerdings „be­kom­men wir es leider noch nicht konstant auf die Platte“.


Das ist der Spielplan der Recken der TSV Hannover-Burgdorf in der HBL-Saison 2021/22

<b>14. Spieltag:</b> TuS Nettelstedt-Lübbecke (H), Sonntag, 5. Dezember, 16 Uhr Zur Galerie
14. Spieltag: TuS Nettelstedt-Lübbecke (H), Sonntag, 5. Dezember, 16 Uhr ©

Wichtig, um sich aus der unteren Tabellenregion herauszuarbeiten, sei auch mal ein „konsequentes Erfolgserlebnis“, sagt Chris­to­pher­sen – warum nicht schon am Samstag gegen Flensburg? 3800 Karten sind schon verkauft, es wird eine Zu­schau­er­best­mar­ke für diese Saison geben: „Wir wollen unseren Zu­schau­ern ein Handballfest bieten. Die Flensburger sollen hier nicht auf der Durchreise die Punkte mitnehmen. Um aus dieser Negativstimmung herauszukommen, helfen so eine Spiel und eine Überraschung. Mit den eigenen Fans im Rücken – das sollte Motivation genug sein, den nächsten Schritt nach vorne machen.“

Die Befürchtung von Böhm, die Recken bräuchten drei bis vier Jahre, um wieder im gesicherten Mittelfeld der Tabelle zu landen, kann Christophersen nicht teilen: „Das glaube ich nicht. Unser Ziel ist es schon, im mittleren Drittel mitzuschwimmen. Wenn unsere verletzten Spieler zurückkommen, werden uns weitere Optionen zur Verfügung stehen.“

Keeper Dario Quenstedt ist im Anflug

Der Sportchef nimmt alle Spieler in die Pflicht: „Wir sind auch an einem Punkt, wo der eine oder andere Leistungsträger nicht das Niveau abruft, was man verlangen kann. Und unsere Nachwuchsspieler, die nun schon eine Weile dabei sind, müssen auch den nächsten Schritt in der Liga machen. So kommt man im Gesamtkontext weiter. Das wird jetzt ein interessanter Prozess sein, den es zu beobachten gilt.“

Der Wechsel von Kiels Torwart Dario Quenstedt zum 1. Juli ist so gut wie perfekt. Sein Vertrag beim THW wurde nicht verlängert. „Wenn es was zu verkünden gibt, werde ich das tun“, sagt Quenstedt. Das wird wohl am Mittwoch der Fall sein.