03. Oktober 2021 / 15:56 Uhr

Aufopferungsvoller Kampf: Recken unterliegen MT Melsungen knapp mit 23:25

Aufopferungsvoller Kampf: Recken unterliegen MT Melsungen knapp mit 23:25

Simon Lange
Hannoversche Allgemeine / Neue Presse
Recken-Kapitän
Fabian Böhm landet auf seinem Melsunger Gegenspieler.
Recken-Kapitän Fabian Böhm landet auf seinem Melsunger Gegenspieler. © Florian Petrow
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Nächste Niederlage für die Recken, dieses Mal fällt sie aber deutlich knapper aus als zuletzt in Wetzlar: Im Heimspiel gegen die MT Melsungen unterliegt das Team von Christian Prokop mit 23:25 (12:11), zeigt aber die versprochene Leistungssteigerung. 

Es konnte ja nur besser werden, und es wurde viel besser. Gereicht für einen Sieg hat es trotzdem nicht: Nach dem 16:38 gegen Wetzlar vor einer Woche verlor die TSV Hannover-Burgdorf am frühen Sonntagnachmittag mit 23:25 gegen die MT Melsungen. Vor 2526 Zuschauern in der ZAG-Arena boten die Recken den favorisierten Nordhessen einen großartigen Kampf – unter großen körperlichen Verlusten.

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Das Team von Trainer Christian Prokop erwischte einen guten Start. Nach dem 0:1 setzte Kapitän Fabian Böhm mit dem kraftvollen 1:1 sofort ein Zeichen. Aggressive und aufmerksame Deckung, ein starker Torhüter Domenico Ebner dahinter, ein ruhig-überlegter Spielmacher Veit Mävers, kollektiver Kampf und Hilfe – dieser Mix war ein gutes Rezept für die erste Hälfte.

Bilder vom Spiel der Handball-Bundesliga zwischen der TSV Hannover-Burgdorf und MT Melsungen

Ivan Martinovic begräbt sein Gesicht im Trikot. Zur Galerie
Ivan Martinovic begräbt sein Gesicht im Trikot. ©

Hannover führte 7:4 – und das ohne Evgeni Pevnov (Muskelfaserriss) und Jannes Krone (Sehnenverletzung im Daumen). Den Abwehr-Mittelblock bildeten Bastian Roscheck und Ilija Brozovic. Nejc Cehte, der vor einer Woche einen Bänderriss erlitten hatte, biss auf die Zähne und kam schon in der ersten Hälfte zum Einsatz.

Die MT Melsungen ließ sich vom Drei-Tore-Rückstand aber nicht irritieren und kam mit einem 4:1-Lauf zum 8:8-Ausgleich. Überragend auf Seiten der Gäste im in den ersten 30. Minuten: Torwart Nebosja Simic mit acht Paraden. Kurz vor der Pause gingen die Hessen sogar erstmals seit dem Start wieder in Führung (10:11).

Erfolgreiches Ende des ersten Abschnitts

Doch Hannover hatte noch Chancen – und nutzte sie perfekt. Nach Johan Hansens 11:11 tankte sich Böhm erneut durch, drosch den Ball zum 12:11 in die Maschen und zog sogar noch ein Foul. Julius Kühn kassierte eine Zwei-Minutenstrafe, Melsungen musste in Unterzahl in den zweiten Durchgang.

Was Sportchef Sven-Sören Christophersen nach der Blamage in Wetzlar sehen wollte, „war eine Reaktion – und die habe ich gesehen. Wir sind wach, alle helfen sich gegenseitig“, sagte er in der Pause.


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Die ersten drei Tore nach dem Wechsel fielen von der Siebenmeterlinie. Ivan Martinovic erhöhte gegen seinen zukünftigen Klub auf 13:11, auf der anderen Seite verkürzte der für Tobias Reichmann eingewechselte Ex-Reckenstar Timo Kastening. Weil der Hannoveraner im MT-Trikot gleich darauf eine Zwei-Minutenstrafe kassierte, verwandelte Tobias Reichmann den nächsten Strafwurf zum 13:13.

Es blieb sehr umkämpft und emotional. Weil auch die Melsunger ihre Trommler dabei hatten, war in der ZAG-Arena Daueralarm. Die Stimmung: prächtig.

Prokop zieht die Auszeit-Notbremse

Die Recken-Anhänger gerieten in erste Ekstase, als der für Ebener eingewechselte Urban Lesjak Kastenings Siebenmeter beim Stand von 15:15 (40.) entschärfte. Aus dem Spiel machte es Kastening besser und tanzte den Ball zum 16:17 ins Netz. Grund für Prokop, per Auszeit die Notbremse zu ziehen (42.). Vor allem Wurfmaschine Martinovic hielt die Recken mit seinen Toren im Spiel. Dramatisch: Beim 20:20, seinem achten Treffer, knickte der ohnehin angeschlagene Martinovic erneut mit seinem linken Fuss weg – wie schon vergangene Woche. Der Linkshänder humpelte vom Feld (47.).

Nächster Tiefschlag: die verpatzte Gegenstoß-Chance von Vincent Büchner und Johan Hansen. Keiner wollte, beide Außen spielten sich den Ball zu. Letztlich warf Hansen völlig frei – und Simic hielt (50.).

Das ist der Spielplan der Recken der TSV Hannover-Burgdorf in der HBL-Saison 2021/22

<b>8. Spieltag:</b> HC Erlangen (A), Donnerstag, 21. Oktober, 19.05 Uhr Zur Galerie
8. Spieltag: HC Erlangen (A), Donnerstag, 21. Oktober, 19.05 Uhr ©

„Cool bleiben“, rief Prokop in seiner letzten Auszeit seinen Männern zu (53.). Sein Team lag nur mit einem Tor hinten. Martinovic kam zurück, die Gummibänder im Knöchel waren offenbar noch heile. Doch Melsungen ging mit dem 21:23 erstmals mit zwei Toren in Führung. Den Recken drohte das Spiel aus den Händen zu gleiten.

Doch erst Böhm und dann der unbeugsame Martinovic per Siebenmeter gegen Silvio Heinevetter stellten wieder auf Gleichstand. Die Fans bevorzugten jetzt nur noch einen Stehplatz. Doch der nächste Schock ließ nicht lange auf sich warten. Spielmacher Jonathan Edvardsson knickte ohne äußerliche Einwirkung mit seinem rechten Fuß um – die Fans verstummten, Böhm und Brozovic trugen den Schweden vom Feld.

Ebner muss ins Krankenhaus gebracht werden

Etwa eine Minute vor Schluss, das Spiel war mit 23:25 schon vorentschieden, brach Torwart Ebner plötzlich zusammen. Er war nach einem Abwehrversuch mit dem Hintern heftig auf dem Boden gelandet, hielt sich sofort den linken Brustkorb - und sackte zusammen.

Ebner blieb minutenlang liegen, musste von Ärzten und Sanitätern behandelt werden – und anschließend ins Krankenhaus gebracht werden. Beim Abtransport hob er noch die Faust. Die letzten 60 Sekunden und die nicht mehr zu verhindernde Niederlage – geschenkt.