04. Mai 2020 / 10:49 Uhr

Auf Kastenings Spuren: So bilden die Recken ihre nächsten Toptalente aus

Auf Kastenings Spuren: So bilden die Recken ihre nächsten Toptalente aus

Carsten Schmidt
Hannoversche Allgemeine / Neue Presse
Joel Wunsch (am Ball) ist eines der Burgdorfer Talente, denen Heidmar Felixson den großen Sprung zutraut.
Joel Wunsch (am Ball) ist eines der Burgdorfer Talente, denen Heidmar Felixson den großen Sprung zutraut. © Thomas Bork/Volker Klein
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Bis zu drei Eigengewächse sollen pro Jahr den Sprung ins Bundesliga-Team der TSV Hannover-Burgdorf schaffen. Eine anspruchsvolle Aufgabe für den Isländer Heidmar Felixson, Nachwuchs-Koordinator in der Recken-GmbH. In der Corona-Krise gibt es für die Talente Hausaufgaben.

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Die Talenteschmiede läuft auf Sparflamme. „Wegen Covid-19 sind alle unsere Trainingshallen geschlossen“, sagt Heidmar Felixson, Handball-Abteilungsleiter bei der TSV Burgdorf und Nachwuchs-Koordinator in der Recken-GmbH. „Die Jungs haben Hausaufgaben von ihren Trainern mitbekommen.“

"Auf die meisten ist Verlass"

Und die sportliche Heimarbeit des Burgdorfer Nachwuchses wird kontrolliert. „Wir halten Kontakt per Video und lassen uns auch Fotos zuschicken“, sagt Felixson und ergänzt: „Auf die meisten ist Verlass. Und wer jetzt nicht richtig mitmacht, der hat ohnehin nicht das Zeug zum Profi.“

Der 43-Jährige ist an der Schnittstelle Talente, Amateure, Profis tätig – seine Aufgabe: Kinder und Jugendliche sichten, die eines Tages in die Bundesliga-Mannschaft aufrücken können. Er trainiert die TSV Burgdorf II, die in der 3. Liga um Punkte spielt als eine Art U23 der Recken. Die Spielklasse bezeichnet der Isländer als ideal für den Aufbau: „Hauptsache, wir steigen nicht ab. Auftritte in der Oberliga bieten nicht den Anreiz, und das Niveau ist auch nicht so hoch.“

Die TSV Burgdorf II kämpft in der 3. Liga um Punkte.
Die TSV Burgdorf II kämpft in der 3. Liga um Punkte. © Volker Klein
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In der abgebrochenen aktuellen Spielzeit hatten sich die „Jungrecken“ auf dem 13. Platz unter 16 Mannschaften eingereiht. Für Felixson war dieses Jahr dennoch besonders erfolgreich: Acht von 19 Spielern aus seinem Aufgebot sind im Bundesliga-Umfeld gelandet. Jannes Krone, Hannes Feise und Vincent Büchner erhielten für die neue Saison einen Profivertrag, Veit Mävers und Martin Hanne gehören zum Erweiterungskader des hannoverschen Bundesligisten ebenso wie Torhüter Felix Wernlein.

Donker von Schulteroperation ausgebremst

Joshua Thiele will sich beim Erstligisten GWD Minden weiterentwickeln. Malte Donker zählte bis Dezember 2019 ebenfalls zum Bundesliga-Aufgebot, dann bremste ihn eine Schulteroperation aus. „Angepeilt ist, dass aus der Burgdorfer Jugend ein bis drei Spieler pro Jahr den Sprung in die erste Mannschaft schaffen“, sagt Felixson.

Und als besonderer Glücksfall gilt es, wenn sich einer zum Nationalspieler durchbeißt – wie Timo Kastening, der nach zwölf Jahren bei der TSV ab dem Sommer im Melsunger Starensemble auflaufen wird.

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Das Zeug zu einer analogen Entwicklung bescheinigen Experten dem 19-jährigen Mävers, der in der Bundesliga mit erstaunlicher Kaltschnäuzigkeit beeindruckt. „Er hat hervorragende Anlagen“, sagt Felixson über den Juniorennationalspieler. „Er investiert aber auch viel in den Handball.“ Der Isländer hat aber noch mehr Empfehlungen. „Petar Juric, Bastian Weiß und Joel Wunsch sind auf dem Sprung“, urteilt er über drei Twens aus der „Zweiten“.

Die A-Jugendlichen Justus Fischer, Kjell Maelecke und Jannis Pätz (alle 17) wurden zu Sichtungen oder Länderspielen der deutschen Nachwuchsauswahl eingeladen, Felixson lobt auch die Entwicklung von Lukas Friedhoff. Bei der Talentesichtung hilft den Recken die Quasialleinstellung als Bundesligist in Niedersachsen, Nordhorn-Lingen in der Grafschaft Bentheim ist weit entfernt. Am ehesten zieht es den begabten Nachwuchs aus Hildesheim, Celle, Peine und dem Schaumburger Land zur TSV.

Bereits drei Spieler der A-Junioren der TSV Burgdorf wurden zu Sichtungen oder Länderspielen der deutschen Nationalmannschaft eingeladen.
Bereits drei Spieler der A-Junioren der TSV Burgdorf wurden zu Sichtungen oder Länderspielen der deutschen Nationalmannschaft eingeladen. © Thomas Bork

„Wir bieten den Jugendlichen an, bei uns mitzutrainieren und sich weiterzuentwickeln, aber eine Zeit lang weiterhin für ihren Heimatverein zu spielen“, sagt Felixson. Beim Sichten von jungen Handballern aus Nordniedersachsen hilft dann die Infrastruktur im hannoverschen Sportpark. „Das Internat ist ein Segen“, sagt der TSV-Jugendkoordinator.

Betreut würden die ältesten Nachwuchsspieler bisher von Iker Romero, Co-Trainer im Bundesliga-Team von Carlos Ortega, künftig leitet der 40-Jährige im Nachwuchsbereich altersübergreifende Einheiten mit den hoffnungsvollsten Talenten. Romero erhielt 200 Einsätze in der spanischen Auswahl, er war als Aktiver, Weltmeister und Champions-League-Sieger, ist also der ideale Lehrmeister. „Unsere zweite Mannschaft und die A-Junioren lernen dasselbe Spielsystem wie die Profis“, sagt Felixson.

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Kreative Recken-Fans in der Festung! Zur Galerie
Kreative Recken-Fans in der Festung! ©

Bei den Jüngeren setzt das intensive Training beim Übergang von der D- in die C-Jugend ein, mit etwa 13, 14 Jahren. „Da geht es zunächst um Technik und Athletik“, sagt Felixson. Und natürlich um den Charakter. „Wir beobachten den Fleiß und die Einsatzfreude der Jungen im Training“, sagt Felixson. „Wir schauen, wie sie sich gegenüber den Mitspielern, aber auch im Kontakt mit ihren Kontrahenten im Wettkampf sowie den Schiedsrichtern verhalten.“

Und die Burgdorfer achten auf die Schule. „Wir setzen auf ein duales System mit einer vernünftigen Ausbildung parallel zum Leistungssport“, sagt Felixson. „Vom Handball allein kannst Du nicht leben.“