21. April 2020 / 07:56 Uhr

"Meisten haben Saison abgehakt": Olsen und Kastening ohne echten Recken-Abschied

"Meisten haben Saison abgehakt": Olsen und Kastening ohne echten Recken-Abschied

Carsten Schmidt
Hannoversche Allgemeine / Neue Presse
Morten Olsen (links) und Timo Kastening müssen sich wohl ohne sportlichen Abschied von den Recken verabschieden.
Morten Olsen (links) und Timo Kastening müssen sich wohl ohne sportlichen Abschied von den Recken verabschieden. © imago images/Eibner
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Am Dienstag wird aller Voraussicht nach der Saisonabbruch beschlossen. Die Abschlusstabelle soll mithilfe eines Quotienten ermittelt werden. Wann geht es bei den Recken weiter? Der SPORTBUZZER skizziert die Möglichkeiten. Klar ist: Für Morten Olsen und Timo Kastening gibt es keinen echten Abschied.

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Wie wahrscheinlich ist der Saisonabbruch?

Die dafür nötige Dreiviertelmehrheit zeichnet sich klar ab. Auch die Spitze des Dachverbandes HBL sieht mittlerweile keine Alternative. „Die meisten haben die Saison abgehakt“, sagte Präsident Uwe Schwenker. Geschäftsführer Frank Boh­mann betonte, dass „unter den derzeit vorgegebenen Time­lines eine Fortsetzung der Saison schwer vorstellbar“ sei.

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Die noch vorgesehene Wiederaufnahme des Spielbetriebs am 16. Mai ist unrealistisch, wegen der Kontaktbeschränkungen bis zum 3. Mai. Der folgende Vorbereitungszeitraum wäre viel zu kurz. Das ist auch die Ansicht der Recken-Führung, die daher einen Abbruch für unumgänglich hält.

Gibt es noch Alternativen?

Bob Hanning, Manager der Füchse Berlin, hatte vorgeschlagen, die Saison Ende Juni kompakt an einem Ort zu Ende zu spielen. Dieser Vorschlag stieß auf wenig Gegenliebe.

Warum sind Geisterspiele keine Option?

Die Handballer sind auf Ticketing-Einnahmen in erheblichem Maß (25 bis 30 Prozent des Budgets) angewiesen. Den Re­cken (geschätzter Etat 6,5 Millionen Euro) entsteht allein im Fall einer Absage der vier noch ausstehenden Saison-Heimspiele ein Verlust in deutlich sechsstelliger Euro-Höhe.

Im Falle von Wettkämpfen ohne Publikum bliebe es für die Vereine bei null Einnahmen durch Kartenverkauf, zudem entfiele die Grundlage für staatliche Hilfe wie Kurzarbeitergeld. Das würde die finanzielle Lage der Klubs verschärfen.

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Wie wird die Spielzeit bei Abbruch gewertet?

Es gibt in diesem Falle keine Absteiger, aber zwei Aufsteiger und damit 20 Klubs in der neuen Runde. Die Saison wird voraussichtlich mit der Tabelle vom 8. März beendet, dabei wird die Quotientenregel angewandt (Zahl der Punkte durch Spiele mal 100). Kiel wäre Erster, die Recken belegten Rang vier und wären potenzieller Europa-League-Starter. Über die Vergabe des Titels und der Europacup-Plätze entscheidet letztlich das HBL-Präsidium.

Was wird aus dem Final Four und dem All-Star-Game?

Entscheidungen stehen noch aus. Das All-Star-Game (16. Mai in der ZAG-Arena in Hannover) wird wohl abgesagt, das Final Four auf die Folgesaison verschoben – weil Großveranstaltungen mit mehr als 1000 Teilnehmern bis 31. August verboten sind. Der DHB-Pokal 2020/2021 wird im Abbruchsfall nicht durchgeführt, um bei einer 20er-Bundesliga Platz für mehr Termine zu schaffen.

Was machen die Profis derzeit?

Sie halten sich nach Plänen in den eigenen vier Wänden oder im Freien fit. Die Hallen sind geschlossen, Teamtraining ist auch wegen den Kontaktbeschränkungen nicht möglich.

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Wann startet die neue Saison?

Der erste Spieltag ist auf den 27. bis 30. August terminiert. Wegen des Großveranstaltungsverbots muss dieser Termin um mindestens eine Wo­che verschoben werden. Die Vorbehalte: Enden die Verbote tatsächlich Ende Au­gust, und dürfen sich die Profis ab Mitte Juli im Team vorbereiten?

Und wann geht’s im Europacup los?

Das ist auch ungewiss, vielleicht erst 2021. Das Final Four der Champions League 2019/2020 ist auf den 28./29. Dezember verschoben worden.

Welches Personal haben dann die Recken?

Ein Abbruch brächte den sauberen Schnitt zum 1. Juli, dann würden Johan Hansen und Filip Kuzmanovski in Hannover spielen und Timo Kas­te­ning (Melsungen), Morten Ol­sen (Gudme) und Joshua Thiele (Minden) für die neuen Klubs auflaufen. Eine Saisonverlängerung über den 30. Juni hinaus würde in Vertragsfragen erhebliche Komplikationen schaffen.