05. Oktober 2019 / 16:23 Uhr

Recken fahren zum Topspiel nach Melsungen: "Wäre gelogen, wenn ich sage, ich spüre keinen Druck"

Recken fahren zum Topspiel nach Melsungen: "Wäre gelogen, wenn ich sage, ich spüre keinen Druck"

Carsten Schmidt
Hannoversche Allgemeine / Neue Presse
Die Recken können nach sieben Siegen in sieben Spielen mit breiter Brust zu ihrem nächsten Auswärtsspiel reisen.
Die Recken können nach sieben Siegen in sieben Spielen mit breiter Brust zu ihrem nächsten Auswärtsspiel reisen. © Florian Petrow
Anzeige

Das Spiel gegen den nächsten Reckengegner ist in mehrfacher Sicht etwas Besonderes. Der MT Melsungen ist der zukünftiger Arbeitgeber von Timo Kastening, Ex-Recke Kai Häfner spielt bereits bei dem Tabellensiebten. Mit einem Wiedersehen ist jedoch nicht zu rechnen - zumindest nicht auf dem Spielfeld. 

Anzeige

Die Handball-Recken freuen sich auf das nächste Topspiel in der Bundesliga. „Darauf arbeitet man als Sportler doch hin, dafür schindet man sich, nimmt Entbehrungen in Kauf“, sagte der Sportliche Leiter Sven-Sören Christophersen vor der Partie der TSV Hannover-Burgdorf bei der MT Melsungen (Sonntag, 16 Uhr, in Kassel). Seine Mannschaft reist als Tabellenführer mit einer makellosen Bilanz nach Nordhessen – zehn Siege in zehn Pflichtspielen. Und die beiden jüngsten Erfolge über Meister Flensburg – 23:22 in der heimischen Tui-Arena in der Bundesliga und 26:20 auswärts im Pokal-Achtelfinale – lassen Fans und Experten deutschlandweit aufhorchen. „Ich werde sowohl von Hannoveranern als auch von auswärtigen Bekannten auf die aktuellen Erfolge angesprochen“, sagte Christophersen.

Anzeige

Einsatz von Kai Häfner fraglich

Gegner Melsungen, der aktuelle Tabellensiebte, hat aber dasselbe Kaliber wie die Flensburger. Die MT hat sich in den vergangenen Jahren mit Unterstützung des Pharmariesen B. Braun AG als Hauptsponsor sukzessive mit Topspielern verstärkt – unter anderem mit Kai Häfner, der zuvor fünf Jahre bei den Recken aktiv war. Der rechte Rückraumspieler würde zu gern auf die alten Kollegen treffen, sein Einsatz ist aber nach einer Kopfverletzung in Leipzig ausgesprochen fraglich.

Die Stimmung ist dennoch gut in Nordhessen. Die Mannschaft hat den Stotterstart mitsamt einer 23:36-Blamage beim Aufsteiger Balingen überwunden und zuletzt unter anderem die Topteams Magdeburg und Rhein-Neckar Löwen geschlagen. Zudem können die Melsunger auf viel Unterstützung in der fast ausverkauften Rothenbachhalle bauen. Daher hießt die Devise der MT: „Respekt vor den Recken, aber wir wollen am Sonntag gewinnen.“

Bilder vom Spiel der Handball-Bundesliga zwischen der TSV Hannover-Burgdorf und SG Flensburg-Handewitt

Ivan Martinovic schreit seine ganze Freude heraus. Zur Galerie
Ivan Martinovic schreit seine ganze Freude heraus. ©

Recken-Torhüter haben großen Anteil am Erfolg

Die Hannoveraner setzen derweil auf ihre eigenen Stärken, die vor allem in der Abwehr liegen. „Einen großen Anteil an dieser Defensivleistung haben auch unsere Torhüter“, sagte Chris­tophersen. „Jeder hatte schon sein Spiel.“ Dabei hat der 34-Jährige wieder die Begegnungen mit Flensburg im Blick: Im Bundesliga-Heimspiel glänzte Domenico Ebner, im Pokalduell brachte Urban Lesjak den Gegner mit seinen Paraden zur Verzweiflung und zeigte, warum ihn die Recken vor gut einem Jahr verpflichtet haben.


Ein Wermutstropfen trübt indessen die famose Stimmung im hannoverschen Lager. Spielmacher Morten Olsen knickte in Flensburg um. „Es ist keine schwerwiegende Verletzung, wahrscheinlich reichen ein paar Tage Pause“, sagte Chris­tophersen. Der Zeitraum bis zur Partie in Melsungen könnte aber zu knapp bemessen sein. „Wir werden kurzfristig entscheiden, ob ein Einsatz möglich ist“, sagte Christophersen.

Mehr zum Buntsport in der Region Hannover

"Wäre gelogen, wenn ich sage, ich spüre keinen Druck"

Ein besonderes Spiel steht Timo Kastening morgen bevor. Der Recken-Rechtsaußen wechselt 2020 nach Melsungen, zu „einem der spannendsten Projekte im europäischen Handball“, wie der 24-Jährige über seinen künftigen Arbeitgeber urteilte. „Es wäre gelogen, wenn ich sage, ich spüre keinen Druck“, sagte Kastening. „Ich kann da mit einer guten Leistung meine Visitenkarte abgeben.“ Immerhin hat er in Melsungen auf Rechtsaußen mit Tobias Reichmann und Dimitri Ignatow künftig starke Mitbewerber.

Die aktuelle Aufmerksamkeit richtet der Rechtsaußen aber auf seine Recken: „Wir sind eine verschworene Truppe. Wir sind auf der Erfolgswelle. Wir fahren mit breiter Brust nach Melsungen, und dann schauen wir mal, was dort geht.“