18. Mai 2021 / 12:14 Uhr

Drohender Ortega-Abgang und kleiner Trainer-Markt: Recken brauchen einen Notplan

Drohender Ortega-Abgang und kleiner Trainer-Markt: Recken brauchen einen Notplan

Simon Lange
Hannoversche Allgemeine / Neue Presse
Ist gefordert: Recken-Sportchef Sven-Sören Christophersen.
Ist gefordert: Recken-Sportchef Sven-Sören Christophersen. © imago images/Noah Wedel
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Für den Fall, dass Carlos Ortega die TSV Hannover-Burgdorf nach dem Saisonende verlässt, muss Recken-Sportchef Sven-Sören Christophersen einen Notfallplan haben. Doch der Trainer-Markt ist begrenzt. 

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Es ist ruhig geblieben am Wochenende. Keine neuen Spekulationsmeldungen aus Spanien, entsprechend auch keine Reaktionen der Handball-Recken der TSV Hannover-Burgdorf. Alle halten sich bedeckt im Poker um Trainer Carlos Ortega, der wie berichtet von seinem Ex-Klub FC Barcelona umworben wird.

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Weil der langjährige Erfolgstrainer Xavi Pascual am Saisonende vorzeitig hinwirft, brauchen die Katalanen kurzfristig einen neuen Coach. Ex-Spieler Ortega steht ganz oben auf der Wunschliste, es gibt aber auch andere Kandidaten.

Spielplan der TSV Hannover-Burgdorf in der Bundesliga-Saison 2020/21

<b>37. Spieltag:</b> HBW Balingen-Weilstetten (A), Mittwoch, 23. Juni, 19 Uhr Zur Galerie
37. Spieltag: HBW Balingen-Weilstetten (A), Mittwoch, 23. Juni, 19 Uhr ©

Für Ortega wird Ablöse fällig

Sven-Sören Christophersen, dem Sportlichen Leiter der TSV Hannover-Burgdorf, lag bisher nur ein indirektes Angebot über Ortegas Berater vor. Christophersen wollte das Angebot aus Loyalität zu Ortega immerhin prüfen, betonte aber auch, dass es für 2021 keinen rechtlichen Spielraum gebe.

Ortega könnte die Recken nach Informationen dieser Zeitung erst 2022 aufgrund einer Ablöseklausel in seinem gerade erst bis 2023 verlängerten Vertrag verlassen. Sollte es Barcelona darauf anlegen, ihn jetzt zu verpflichten, wäre eine Ablösesumme von mehreren Hunderttausend Euro fällig. Zwar drücken den spanischen Spitzenklub über eine Milliarde Euro Schulden, im Zweifel wären aber die Euros für Ortega „Peanuts“. Banken geben dem Verein stets neue Kredite, auch schlagkräftige Sponsoren helfen immer wieder gerne aus.

Komplizierte Aufgabe für Christophersen

Für den Fall der Fälle müssen die Recken also vorbereitet sein. Ein Ortega-Ersatz in der Hinterhand ist die Grundvoraussetzung, den Spanier vorzeitig im Sommer gehen zu lassen. Doch das Trainerpuzzle ist für die Recken richtig kompliziert. Denn der Markt an freien Trainern ist zurzeit wie leergefegt, man muss schon genau hingucken. Christophersen sucht sicher nicht nur in Deutschland, auch im Ausland. Ein Ortega-Ersatz muss Erfahrung mitbringen und ein Händchen für die Jugend haben, das ist Christophersen wichtig. Deutschkenntnisse wären ideal, sind aber kein Muss. Auch Ortega konnte kein Wort Deutsch, als er vor vier Jahren in Hannover anfing. Die Spieler verstehen ihn trotzdem.

Hannover hätte problemlos Ersatz in den eigenen Reihen gehabt, wenn Co-Trainer und Ortega-Landsmann Iker Romero sich nicht im späten Winter für den Chefposten bei Zweitligist Bietigheim entschieden hätte. Ex-Recke Hannes Jon Jonsson musste bei den Schwaben gehen und trat kürzlich wegen Misserfolgs sogar vorzeitig zurück. Doch selbst Jonsson ist schon wieder weg vom Markt. Der Isländer geht zum österreichischen Klub HC Hard. Roi Sanchez wäre noch ein guter Kandidat gewesen. Der ehemalige Co-Trainer der Recken unter Jens Bürkle ist aktuell noch Coach der zweiten Mannschaft des FC Barcelona, wechselt im Sommer aber in die Bundesliga nach Stuttgart.

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Prokop weiter eine Option

Trainer der möglichen Abstiegsteams wären zwar im Sommer vielleicht frei. Ein Abstiegstrainer hätte aber einen zu schweren Stand. In Wetzlar hört Kai Wandschneider auf, er dürfte aber keine priorisierte Wahl der Recken sein. Theoretisch frei wäre auch Martin Schwalb, der als Trainer bei den Rhein-Neckar Löwen aufhört und zurück nach Hamburg geht. Schwalb und die Recken sind aber schon einmal nicht zusammengekommen. Ein zweiter Versuch ist unwahrscheinlich. Innerhalb Deutschlands ist Christian Prokop noch eine Option. Der Ex-Bundestrainer hat aber einen laufenden Vertrag beim DHB bis 2022. Beim Verband hätten die Recken im Zweifel einen bekannten Ansprechpartner: Ex-Geschäftsführer Benjamin Chatton ist mittlerweile Vorstand für Finanzen und Recht beim DHB.

Chatton hatte Ortega vor vier Jahren als sensationelle Überraschung nach Hannover geholt. Geht er jetzt, hält es Christophersen vielleicht ähnlich und präsentiert keine naheliegende Personalie, sondern einen Trainer, den ebenfalls die wenigsten auf dem Schirm haben.