08. September 2021 / 08:20 Uhr

"Habe mich schon verändert": Recken-Coach Christian Prokop im XXL-Interview

"Habe mich schon verändert": Recken-Coach Christian Prokop im XXL-Interview

Simon Lange und Stefan Dinse
Hannoversche Allgemeine / Neue Presse
Gute Aussichten: Recken-Trainer Christian Prokop, hier am Maschsee-Nordufer, freut sich auf die neue Saison.
Gute Aussichten: Recken-Trainer Christian Prokop, hier am Maschsee-Nordufer, freut sich auf die neue Saison. © Christian Behrens
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Die Vorfreude auf die Saison, seine erste mit der TSV Hannover-Burgdorf, ist Christian Prokop im XXL-Interview mit dem SPORTBUZZER anzumerken. Der 42-jährige Neu-Trainer der Recken spricht auch über seine Einstellung zum Handball, die Stadt und sein Familienleben.

Herr Prokop, Sie sind seit etwa fünf Wochen in Hannover – wie haben Sie und Ihre Familie sich eingelebt?

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Es war mit dem Umzug aus Leipzig nach Hannover und der Vorbereitung mit der Mannschaft eine intensive Zeit mit vielen Eindrücken. Wir sind privat gut aufgenommen worden, haben eine schöne Wohngegend im Süden von Hannover gefunden. Die Familie fühlt sich in den ersten Wochen wohl. Meine Tochter hat ihren ersten Grundschultag in Hannover gehabt.

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Hatten Sie denn Zeit, Hannover schon kennenzulernen?

Bisher nicht wirklich. Aber die Gegend um den Maschsee habe ich natürlich gesehen, weil sie auch auf dem Weg zum Training liegt. Tatsächlich waren wir am Sonntag zu viert mit den Kindern unterwegs und haben die Hop-on-hop-off-Tour mit dem Bus gemacht und unter anderem die Herrenhäuser Gärten, das Rathaus und den Zoo gesehen. Eine sehr schöne Tour. Man sieht sehr viel Grün in der Stadt. Das gefällt mir als interessierter Fahrradfahrer.

Tischtennis spielen Sie auch ganz gut. Gibt es noch weitere Sportarten, die Sie lieben?

Aufgrund meiner Knieoperationen ist das schon fast alles gewesen. Im Winter fahre ich sehr gerne Snowboard, wenn sich die Möglichkeit bietet. Generell fit halte ich mich übers Radfahren, Tennisspielen oder das Fitnessstudio, da habe ich meinen Ausgleich. Zudem gehe ich auch gerne in die Sauna.


Das ist der Spielplan der Recken der TSV Hannover-Burgdorf in der HBL-Saison 2021/22

<b>1. Spieltag:</b> Rhein-Neckar Löwen (H), Donnerstag, 9. September, 19.05 Uhr Zur Galerie
1. Spieltag: Rhein-Neckar Löwen (H), Donnerstag, 9. September, 19.05 Uhr ©

Wie sieht’s kulturell aus – Oper, Theater, Kino, TV?

Ich bin ein Filmfreund. Durch die Geburt unserer Kinder ist die Zeit dafür aber knapper geworden. Da ist dann ein Film der einen oder an­de­­ren Serie gewichen. Wenn man erst um 21.30 Uhr da­mit beginnen kann und um 6 Uhr wieder aufstehen muss, sollte man schauen, dass man genug Schlaf bekommt. (lacht)

Was haben Sie zuletzt gesehen?

„For Life“, eine Krimiserie.

Ihr erster sportlicher Eindruck bei den Recken?

Ich habe eine Mannschaft vorgefunden, die intakt ist, die eine gute Arbeitsmoral und Trainingseinstellung an den Tag legt und offen für neuen Input ist.

Der Kader stand – bis auf eine Position – schon lange, bevor Sie nach Hannover gekommen sind. Ein Problem für Sie?

Nein. Den Kader hat mein Vorgänger Carlos Ortega gemeinsam mit Sven-Sören Christophersen zusammengestellt. Nach bestem Wissen und Gewissen – davon bin ich überzeugt. Mit Jonathan Edvardsson haben wir einen Spieler bekommen, der mit seinen Fähigkeiten gut ins Team passen wird. Es sind insgesamt gute, interessante Spieler, die ich zur Verfügung habe. Sehr unterschiedlich auf ihren jeweiligen Positionen.

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Sie vermeiden, ein tabellarisches Saisonziel öffentlich zu formulieren. Können wir Ihnen keine Platzierung entlocken?

Ich möchte erst mal die Saison beginnen lassen. Intern haben wir uns zusammengesetzt und unsere Ziele formuliert. Es geht neben quantitativen Zielen auch um qualitative Ziele, wie wir spielen wollen, wofür wir stehen wollen. Zudem soll die Weiterentwicklung der jungen Spieler fortgeführt werden. Deswegen möchte ich jetzt nicht gleich mit einem Tabellenplatz um die Ecke kommen. Dafür waren die sechs Wochen einfach zu knapp.

Aber mit dem Abstiegskampf hat die Mannschaft hoffentlich nichts zu tun?

Das wäre super, wenn wir uns davon frühzeitig lösen können. Aber die letzte Saison hat gezeigt: Man hätte zum Schluss auch auf dem 14. Platz landen können, nicht auf dem elften. Es ist alles sehr eng in der HBL. Wir wollen eine gute Rolle in der Liga spielen und uns verbessern.

Haben Sie sich entschieden, ob Fabian Böhm Kapitän bleibt?

Ja. Fabian Böhm bleibt unser Kapitän. Der Mannschaftsrat wurde aus dem Team heraus ge­wählt.

Haben Sie sich auch in Sachen Co-Trainer entschieden?

Es ist besprochen, dass Athletiktrainer Timm Kostrzewa das als Übergangslösung unterstützend macht. Und so werden wir auch in die Saison gehen. Aber das Trainerteam wird sich noch vergrößern.

Bilder vom Handball-Testspiel zwischen der TSV Hannover-Burgdorf und dem HSV Hamburg

Ex-Recke Casper Mortensen wird von Jóhan Hansen (links) und Nejc Cehte in die Mitte genommen. Zur Galerie
Ex-Recke Casper Mortensen wird von Jóhan Hansen (links) und Nejc Cehte in die Mitte genommen. ©

Auf der Spielmacherposition: Jonathan Edvardsson oder Veit Mävers? Oder beide?

Beide. Ich wünsche mir es, ihre beiden Spielstile für den Gegner so schwer ausrechenbar, nicht lesbar zu ma­chen, dass uns das Chancen eröffnet. Es sind zwei unterschiedliche Spielertypen. Bei Veit läuft der Ball sehr flüssig, er kennt seine Ne­ben­leute aus dem Effeff. Das ist bei Jonathan noch nicht möglich. Aber er ist voller Energie, ist willig und bissig. Ein sehr guter Mix. Und wir dürfen nicht vergessen, dass wir auch Filip Kuzmanovski haben, der den Part auf Rückraum Mitte und Rückraum links sowie in der Ab­wehr stärkt.

Egal, wer wann anfängt, auch am Donnerstag – das ist kein Hierarchiehinweis?

Nein. Ich sehe das gemeinschaftlich. Das soll unsere Stärke sein.

Wie ist das in der Kabine – werden Sie auch mal laut?

Natürlich gehört laut werden dazu – es sollte je­doch nie die persönliche Ebene betreffen. Es muss auf der Handlungsebene bleiben. Natürlich gab es da schon einige Situationen, in denen ich nicht einherging mit der Leistung, die angeboten wurde. Wir besprechen das klar und konstruktiv.

Sie haben mal zu Leipziger Zeiten gesagt, Sie seien ein Handballbesessener. Gilt der Satz noch?

Ich bin Handballtrainer aus Leidenschaft, aber als Handballbesessenen würde ich mich nicht mehr bezeichnen. Aus der Nationalmannschaftszeit habe ich positiv für mich mitgenommen, dass ich nicht alles auf Biegen und Brechen verändern kann. Nur weil ich denke, das ist das perfekte Spiel.

Ich habe es besser verstanden, die Spieler mitzunehmen und ihnen auch Freiheiten in einem gewissen Rahmen zu geben. Dementsprechend muss und kann ich auch nicht mehr alles mit höchstem Perfektionismus vorgeben. Ich habe mich schon verändert im Vergleich zu der Zeit, als ich in Leipzig angefangen habe.

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Haben Sie das Kapitel Nationalmannschaft abgehakt und Ihren Frieden damit gemacht? Es war ja keine einfache Zeit ...

Da ist jetzt ein Haken dran. Es brauchte seine Zeit, weil ich meine Freistellung als sehr überraschend und un­ge­recht empfunden habe. Aber es war trotzdem eine über weite Strecken tolle Zeit, für die ich dankbar bin. Was die Menschen betrifft, die ich kennenlernen durfte, die Ereignisse, die wir zu­sam­men erlebt haben. Auch in Sachen Persönlichkeitsentwicklung hat mir die Zeit sehr viel gegeben. Ich freue mich, jetzt wieder in der Bundesliga aktiv zu sein.

Sie treten in Hannover ein großes Erbe an, das die Spanier Carlos Ortega und Iker Romero hier hinterlassen haben. Es war in Summe die erfolgreichste Zeit der Recken. Eine Last für Sie?

Nein. Ich empfinde das nicht als Last, sondern als bereichernd und gewinnbringend, wenn ich diese Mannschaft erlebe. Gerade im Angriffsspiel sind Elemente vorhanden, die nicht viele Mannschaften in der Liga in der Art und Weise spielen. Das ist erfrischend. Sicher sind auch spanische Elemente im Abwehrspiel sehr positiv zu sehen, wie Steals oder das Fallenstellen. Nur – ich bin kein Spanier.

Ich habe mir auf die Fahnen geschrieben, die Stärken und Schwächen des Teams zu analysieren und daraus das Optimum für die Spieler anzupassen. Das haben wir in den letzten sechs Wochen angeschoben – und sind damit natürlich noch nicht am Ende. Aber ich sehe schon wichtige Schritte nach vorne.

Das alles wird Zeit brauchen. Haben Sie sich selbst ein Limit gesetzt?

Nein. Aber wir Sportler sind natürlich ungeduldig und wollen am liebsten alles so zügig wie möglich umsetzen. Ich freue mich einfach auf diese Saison und den Start gegen die Rhein-Neckar Löwen. Das Kribbeln ist schon spürbar.

Wie sieht bei Ihnen die unmittelbare Vorbereitung auf so ein Spiel aus? Können Sie dann noch schlafen? Gehen Sie mit dem Taktikbrett ins Bett?

Ich lese jetzt Kinderbücher vor. (lacht) Es ist für mich persönlich wichtig, eine gute Mischung aus Ablenkung beziehungsweise Entspannung und konzentrierter Vorbereitung auf das Spiel zu finden. Ich möchte mich einfach in einen guten Zu­stand bringen, um richtige Entscheidungen treffen zu können.