07. September 2021 / 08:25 Uhr

"Verständlicherweise Zurückhaltung": Recken haben erst 2000 Karten verkauft

"Verständlicherweise Zurückhaltung": Recken haben erst 2000 Karten verkauft

Simon Lange
Hannoversche Allgemeine / Neue Presse
Sonderlich voll wird's am Donnerstag bei den Recken auf den Rängen wohl nicht.
Sonderlich voll wird's am Donnerstag bei den Recken auf den Rängen wohl nicht. © Debbie Jayne Kinsey
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Die Euphorie ist gebremst: Die Recken haben für das Auftaktspiel gegen die Rhein-Neckar Löwen erst rund 2000 Karten verkauft. Vier Faktoren "tragen dazu bei, dass verständlicherweise noch Zurückhaltung herrscht", so Geschäftsführer Eike Korsen. Er hofft auf klarere Regeln für Oktober.

Eine volle ZAG-Arena, 10000 Zuschauer – davon können die Recken der TSV Hannover-Burgdorf im Augenblick nur träumen. Selbst wenn die Fans das Ticketsystem der Recken auf Hochtouren bringen würden, ließe die aktuelle Corona-Verordnung eine rappelvolle Halle gar nicht zu. Aber der Zuschaueransturm bleibt ohnehin aus. Für das Auftaktspiel der TSV am Donnerstag um 19.05 Uhr gegen das Top-Team Rhein-Neckar Löwen sind erst rund 2000 Eintrittskarten verkauft.

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Die Euphorie ist gebremst – und das hat Gründe: Im Spätsommer ist die Indoor-Sportart Handball noch nie der größte Zuschauermagnet gewesen; die komplizierten Corona-Regeln; die verständliche Unsicherheit der Menschen, sich zu einer Massenveranstaltung zu begeben; die kurze Vorlaufzeit. „Alle vier Faktoren tragen dazu bei, dass verständlicherweise noch Zurückhaltung herrscht“, sagt Recken-Geschäftsführer Eike Korsen.

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HBL-Geschäftsführer Frank Bohmann sieht kurz vorm Ligastart ein Zuschauerproblem auf die Klubs zukommen. „Die kommen hoffentlich wieder, ansons­ten wird es gar nicht so leicht“, sagte der besorgte Bohmann nach dem Supercup-Sieg des THW Kiel gegen den TBV Lemgo in Düsseldorf. Nur 3007 Fans hatten zugesehen. Gehofft hatte die HBL auf bis zu 8000. Enttäuschend, fand Bohmann. „Wir hätten uns sicher mehr gewünscht. Es wären mehr gegangen“, sagte er.

„Das zeigt auch, dass es kein Selbstläufer ist. Das wird an einigen Standorten ähnlich aussehen. Man wird einen Teil der Leute erst wieder zurückgewinnen müssen“, prophezeite Bohmann. Er schimpfte auch über die unterschiedlichen Coronaschutz-Bestimmungen in Deutschland: „Das ist ein Landesflickenteppich.“

Klare Standortnachteile für einige Klubs

Während beispielsweise in Schleswig-Holstein Kiel (per Sondergenehmigung 90 Prozent Auslastung) oder Flensburg und auch die Klubs in Nordrhein-Westfalen (100 Prozent in Lemgo), Sachsen, Sachsen-Anhalt und Hessen ihre Hallen fast oder ganz auslasten können, dürfen in anderen Bundesländern weit weniger rein. Wie in Niedersachsen. Ein klarer Standortnachteil, der sich negativ auf die wirtschaftliche Situation auswirken könnte.

Die Beschlussvorlage der Chefs der Staatskanzleien sah vor, dass die betroffenen Sportvereine mit 5000 Fans planen können. Je nach Interpretation der Anwendung der zusätzlichen 50-Prozent-Kapazitätsregel wären in der 10000 Zuschauer fassenden ZAG-Arena sogar bis zu 7500 Plätze möglich gewesen.


Das ist der Spielplan der Recken der TSV Hannover-Burgdorf in der HBL-Saison 2021/22

<b>1. Spieltag:</b> Rhein-Neckar Löwen (H), Donnerstag, 9. September, 19.05 Uhr Zur Galerie
1. Spieltag: Rhein-Neckar Löwen (H), Donnerstag, 9. September, 19.05 Uhr ©

Niedersachsen war eines der Vorreiterländer einer neuen Verordnung. In dieser gibt es jedoch noch einen Verweis auf die geltende Abstandsregelung. Und die sorgt dafür, dass die Recken gerade sogar nur 3600 Besucher reinlassen können.

Be­son­ders für die Planbarkeit der Dauerkartenplätze ist das kompliziert. Das Dauerkartensystem wurde ausgesetzt, die Stammgäste bekommen stattdessen ein Vorkaufsrecht. Zudem sind die Fans generell in ihrer Sitzplatzwahl eingeschränkt, die beliebtesten Plätze im Unterrang sind rar. Die aktuelle Lage, sagt Korsen, „kostet uns unterm Strich Besucher“ – und damit Geld.

Korsen hofft auf klarere Regeln

Andere Klubs in anderen Ländern haben Planungssicherheit bis Ende Oktober, die Recken gerade mal nur für die nächsten zwei Wochen. Gegen Ende September wird die Verordnung angepasst. Korsen ist zuversichtlich, dass es dann für Oktober klarere Regeln geben wird. Auch Bohmann geht „davon aus, dass es auch in den stark beschränkten Bundesländern zu weiteren Lockerungen kommen wird“.

Fakt ist: Stimmung kommt auch bei einer kleinen Anzahl an Fans auf. Das haben schon die Spiele Ende der vergangenen Saison gezeigt. Korsen: „Ein Besuch lohnt sich also.“