23. März 2020 / 16:20 Uhr

Hantelbank aus Wasserkisten: So kreativ schwitzen die Recken in der Corona-Pause

Hantelbank aus Wasserkisten: So kreativ schwitzen die Recken in der Corona-Pause

Simon Lange
Hannoversche Allgemeine / Neue Presse
Recken-Torwart Domenico Ebner hat sich eine Hantelbank aus Wasserkisten in die eigenen vier Wände gebaut.
Recken-Torwart Domenico Ebner hat sich eine Hantelbank aus Wasserkisten in die eigenen vier Wände gebaut. © privat
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Trainieren ohne Training? Der Sport in Hannover ist wegen der Coronakrise weitgehend lahmgelegt. Die Sportler versuchen, das Beste aus der Krise zu machen. Wir zeigen, wie die Handball-Recken der TSV Hannover-Burgdorf sich fit halten und wie der Tagesablauf von Evgeni Pevnov derzeit aussieht.

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Im Arbeitszimmer ein paar Wasserkisten zu zwei Türmen übereinandergestapelt, dazwischen eine Schuhbank geschoben, Langhantel ausgeliehen – fertig ist Domenico Ebners improvisiertes Fitnessstudio daheim. Der Recken-Torwart ist kreativ geworden, um auch abseits der Trainingshalle fit zu bleiben.

„Eine Supersache, um neben dem normalen Programm, das wir haben, noch zusätzlich etwas zu ma­chen“, erklärt Ebner, der beim Bankdrücken aktuell 75 Kilo stemmt. Mit Kniebeugen will er bis zu 130 Kilo schaffen. Ein kurioses Extraprogramm, das er in den sozialen Medien per Video teilt. Immer verpackt mit einer Botschaft: „Gemeinsam können wir das Virus besiegen!“ Oder: „Wir lassen uns nicht unterkriegen!“

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Bisschen kreativ ✌🏼 Nur eine Langhantel zuhause? Ein paar Wasserkisten und ein Schuhregal und ab gehts 💪🏻 Was sagst du dazu @mlsn34 ? 😄 Wir lassen uns nicht unterkriegen 🤾🏼‍♂️💪🏻 _____ Un po 'creativo ✌🏼 Solo un bilanciere a casa? Un paio di scatole d'acqua e una scarpiera e via. 💪🏻 Che ne dici @ mlsn34? 😄 Non ci lasceremo abbattere 🤾🏼‍♂️💪🏻 @dierecken @salminghandball @liquimolyhbl @federazioneitalianahandball @helden.power #handball #coronatime #wirlassenunsnichtunterkriegen #bankdrücken #Sport #Sports #Motivation #goalkeeper #fitness #staystrong #pallamano #work #creativ #wasser #wasserkisten #inovativ

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"Das ist schon Wahnsinn"

Die Corona-Pandemie hat ihn und seine Teamkollegen zur Handballpause gezwungen. „Es ist schon irreal“, sagt Ebner nachdenklich. Der Halbitaliener sorgt sich vor allem um seine Landsleute jenseits der Alpen: „Das ist schon Wahnsinn, Italien ist ja noch viel krasser betroffen.“

Völlig unklar ist, ob und wann die Recken wieder Handball spielen können. Da sie Profis sind, müssen sie sich trotzdem fit halten. Cheftrainer Carlos Ortega hat mit Athletiktrainer Timm Kostrzewa einen Trainingsplan für die Spieler ausgearbeitet. Grob gefasst: dreimal die Woche Ausdauersport, also Laufen, dreimal die Woche spezielles Training für Kraft, Beweglichkeit und Stabilisation, das die Sportler auch in den eigenen vier Wänden absolvieren können.

Dauerläufe mit hohem Volumen

„Wir wissen ja nicht, wie und wann es weitergeht, deswegen mussten wir zwei Szenarien berücksichtigen“, erklärt Kostrzewa. Dass es entweder, wenn auch unwahrscheinlich, in wenigen Wochen wieder weitergeht oder eben der Spielbetrieb dauerhaft ausgesetzt wird. Vergangenen Dienstag begann die Phase, „in der das Immunsystem gestärkt wird. Also keine extremen Intervallläufe, wo hinterher jeder am Ende wäre“, erklärt der Athletiktrainer. Stattdessen Dauerläufe mit hohem Volumen, um die Grundlagenausdauer zu trainieren.

Ebner läuft zum Beispiel in der Eilenriede, Teamkollege Evgeni Pevnov bevorzugt den Maschsee. Anschließend folgt das Heimworkout. Dazu gehört: Schulterpräventionstraining, Sta­bi­li­sa­tions­trai­ning, exzentrisches Muskeltraining, um zum Beispiel die Sehnen zu stärken. Die Recken absolvieren auch Varianten des Tabata, das zum Hochintensiven Training (HIIT) gehört. Es sind Übungen ohne Geräte, die 20 Sekunden dauern, gefolgt von zehn Sekunden Pause. Acht Wiederholungen, das Ganze insgesamt viermal – dabei kommen die Recken garantiert ins Schwitzen.

"Glaube, dass die Saison abgebrochen wird"

Nach zehn bis 14 Tagen werden Kostrzewa und Ortega die Lage neu bewerten und sehen, ob das Trainingsprogramm für die Spieler intensiviert werden muss, falls ein baldiger Wiedereinstieg in die Saison realistisch erscheint. Doch davon ist man aktuell weit entfernt. „Ich glaube nicht, dass wir Ende April, Anfang Mai wieder spielen. Ich glaube eher, dass die Saison abgebrochen wird“, sagt Ebner.

Solange das unklar ist, schuftet er natürlich trotzdem zu Hause weiter. Und auch seine Teamkollegen sind ziemlich kreativ. Cris­tian Ugalde hat einen Wurfparcours im Wohnzimmer aufgebaut und trainiert mit seinem Nachwuchs. Ganz stark: Joshua Thiele. Der Kreisläufer stemmt seine Freundin akrobatisch in die Höhe, während die in den Spagat geht.

Bei allem Spaß: Ebner wünscht sich einfach nur, „dass diese Krise möglichst schnell vorbeigeht“.

Mehr zu den Recken
Evgeni Pevnov hält sich zu Hause mit Fitnessübungen fit.
Evgeni Pevnov hält sich zu Hause mit Fitnessübungen fit. © privat
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Der Tagesablauf von Recke Pevnov

Die Recken-Profis können nicht mehr im Team trainieren. Ihr persönliches Fitnessprogramm müssen sie in ihren Alltag einbetten. Recken-Kreisläufer Evgeni Pevnov gibt exklusiv Einblick, wie das in seiner Familie funktioniert.

6 - 7 Uhr: Pevnov wird geweckt – von seinem eineinhalbjährigen Sohn Taro. „Papa! Wach!“, ruft der Knirps – und der Tag beginnt. „Wir kuscheln noch ein bisschen, dann rennt er ins Bad zu Mama“, so Pevnov.

7.15 Uhr: Frühstück. „Die Bespaßungsphase be­ginnt, in der ich auch selber Sport mache“, erklärt Pevnov, bei dem sich zurzeit alles um den Nachwuchs dreht. Zusammen mit seiner Frau Sarah erwartet er gerade einen weiteren Sohn. Um 7.30 Uhr fährt Sarah zur Arbeit. Von 9 bis 10 Uhr läuft Pevnov von seiner Wohnung in Linden-Süd einmal um den Maschsee. Das sind insgesamt zehn Kilometer. Söhnchen Taro rollt im Kinderwagen mit und schaut Papa beim Laufen zu. Davor und danach wird gespielt.

10.30 Uhr: Vorbereitung fürs Mittagessen.

11.30 Uhr: Mittagessen.

12.15 Uhr: Taro hält ein Nickerchen. Zeit für Pevnov, selbst mal abzuschalten oder die Fitnessübungen zu erledigen.

14.30 Uhr: „Wieder Be­spa­ßung für den Rest des Nachmittags“, sagt Pevnov und lacht. Um 15 Uhr ist auch Mama Sarah wieder daheim.

18.30 Uhr: Abendessen. „Der ganze Tag dreht sich gefühlt ums Essen“, flachst Pevnov.

19.30 Uhr: Taro geht schlafen. „Und der Papa ist dann auch nicht mehr lange wach.“ Gute Nacht allerseits!

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