02. April 2020 / 09:19 Uhr

Normale Saison wäre für Recken-Coach Carlos Ortega ein Traum: "Vermisse mein Team"

Normale Saison wäre für Recken-Coach Carlos Ortega ein Traum: "Vermisse mein Team"

Stefan Dinse
Hannoversche Allgemeine / Neue Presse
Recken-Trainer Carlos Ortega sorgt sich um seine Familie in Spanien - und vermisst seine Mannschaft.
Recken-Trainer Carlos Ortega sorgt sich um seine Familie in Spanien - und vermisst seine Mannschaft. © Florian Petrow
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Carlos Ortega ist in diesen Tagen in Spanien ein gefragter Gesprächspartner. Im Interview mit dem SPORTBUZZER spricht der Trainer der TSV Hannover-Burgdorf über die Corona-Pandemie und ihre Folgen für die Menschen in seinem Heimatland und seine Familie, aber auch über Sportliches.

Herr Ortega, was hören Sie aus Ihrer Heimat in diesen schweren Tagen?

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Bei uns in Andalusien ist es nicht so schlimm wie in Barcelona oder Madrid. Aber ich habe in dieser Situation Angst um meine Eltern in Malaga, sie sind schon recht alt und nun komplett allein. Sie gehen nicht mehr raus, meine Schwester bringt ihnen Lebensmittel und stellt sie vor die Tür. Und die beiden haben natürlich auch Angst um mich und uns hier.

Es gibt schlimme Bilder aus spanischen Kliniken ...

Ja, es fehlt vor allem an Schutzausrüstung. Wenn du über 75 Jahre alt bist, sieht es nicht gut aus. Viele Menschen sterben. Zwar werden Notfall-Krankenhäuser errichtet, dennoch ist die Lage katastrophal. Und ich befürchte, auch hier in Deutschland wird es noch schlimm.

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Wie hat sich Ihr Leben verändert, sind Sie sehr vorsichtig?

Wir haben vier Kinder, sie und meine Frau gehen nicht mehr raus. Das tue nur noch ich, um Lebensmittel einzukaufen. Ansonsten bleiben wir daheim, zum Glück haben wir einen kleinen Garten. Es sind noch zu viele Leute auf den Straßen unterwegs, das ist mein Eindruck. Und ich nehme an, das wird sich noch ändern müssen. Wir werden damit leben müssen, einfach zu Hause zu sein.


Was tun Sie mit der Familie den ganzen Tag?

Wir sind oft im Garten, spielen meist Handball. Aber auch mal Hockey mit meiner kleinen Tochter. Diese Lage ist für uns alle nicht so leicht. Den ganzen Tag mit der Familie zu verbringen, ist zwar schön. Aber nach einer Zeit musst du dir etwas einfallen lassen.

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Platz 1: Timo Kastening mit 144 Toren (50 Siebenmeter) ©

Was vielen offenbar hilft, ist die Musik. Sind Sie musikalisch?

Zwei meiner Söhne spielen Gitarre und Klavier.

Und Sie?

Ich singe (lacht).

Was spielen sie denn, wenn sie nicht im Garten sind?

Besonders gern Trivial Pursuit.

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Auf Deutsch?

Nein, die spanische Version.

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Die Handball-Bundesligamannschaft des TSV Hannover-Burgdorf. ©

Haben Sie eine Antwort auf die Frage, ob diese Handballsaison noch zu Ende gespielt werden kann?

Nein, aber ich kann es mir nicht vorstellen. Diese Krise ist noch nicht überwunden, es wäre zu gefährlich.

Fall es zu einem Abbruch kommt, wie sähe dann eine Lösung aus? Sie und die Recken auf Platz vier und damit im EHF-Cup?

Es ist definitiv nicht mein Job, darüber zu entscheiden. Aber ja, als Vierter wären wir normalerweise im EHF-Cup. Aber es fällt mir schwer, darüber nachzudenken. Andere Sachen sind jetzt wichtiger. Die Gesundheit aller nämlich.

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Was gibt es Neues aus Ihrer Mannschaft?

Ivan Martinovic wird nach seiner Verletzung wohl maximal noch eine Woche brauchen, um wieder voll trainieren zu können. Sonst sind alle fit, es gibt keine Corona-Infektion. Aber mir ist klar, dass die Lage für keinen von uns leicht ist. Keiner weiß, was kommen wird.

Was vermissen Sie am meisten?

Mir fehlt das Laufen, die Bewegung draußen. Und natürlich vermisse ich mein Team, das Training, die Spiele, einfach alles.

Was macht Ihnen Hoffnung in dieser Krise?

Ich hoffe, dass es bald einen Impfstoff gibt. Und dass wir die nächste Saison wieder normal spielen können. Das ist mein Traum.