20. Juni 2019 / 19:38 Uhr

TSV Hannover-Burgdorf verpflichtet Kroaten Ivan Martinovic vom VfL Gummersbach

TSV Hannover-Burgdorf verpflichtet Kroaten Ivan Martinovic vom VfL Gummersbach

Stefan Dinse
Hannoversche Allgemeine / Neue Presse
Recken-Geschäftsführer Eike Korsen (rechts) Mit TSV-Neuzugang Ivan Martinovic.
Recken-Geschäftsführer Eike Korsen (rechts) Mit TSV-Neuzugang Ivan Martinovic. © Florian Petrow
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Die TSV Hannover-Burgdorf meldet Vollzug: Am Donnerstag unterschrieb der kroatische Jung-Nationalspieler Ivan Martinovic einen Dreijahresvertrag bei den Recken. Der 21-Jährige soll die Nachfolge von Nationalspieler und TSV-Kapitän Kai Häfner antreten, der ab der kommenden Saison für die MT Melsungen auflaufen wird.

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Am Ende wusste Ivan Martinovic nicht mehr, was los ist. Die Konfusion war groß im dramatischsten Handball-Abstiegsfinale aller Zeiten. Der Kroate hatte mit dem VfL Gummersbach ein Unentschieden erkämpft in Bietigheim, hatte stattliche 141 Tore erzielt in seiner ersten Bundesliga-Saison. Das musste doch einfach reichen. Es hieß aber warten auf das letzte Ergebnis. „Das waren die längsten und schlimmsten zwei Minuten meines Lebens“, sagt der 21-Jährige.

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Dann kam die Kunde, dass Ludwigshafen noch mit einem Tor gewonnen hatte gegen Minden. Der Bundesliga-Dino Gummersbach war erstmals abgestiegen. Martinovic sackte am Pfosten zusammen. „Es war das Unwahrscheinlichste, was passieren konnte, unglaublich“, so Martinovic. Ein einziges Tor fehlte dem VfL. Dadurch ist für den Linkshänder allerdings eine andere Tür aufgegangen, er wechselt zur TSV Hannover-Burgdorf. Am Donnerstag unterschrieb er einen Dreijahresvertrag.

Recken-Neuzugang Ivan Martinovic stellt sich vor

„Das ging mir durch den Kopf, ja. Aber es hilft nichts. Du musst aufstehen und kämpfen.“

809 Treffer hat Gummersbach in der Saison erzielt, und da soll es auf ein Tor ankommen unter dem Strich? „Ja, es ist verrückt. Da fragst du dich, ob du mal irgendwann 10 Prozent zu wenig gegeben hast“, erzählt der Kroate auf Deutsch mit leichtem Wiener Akzent. In der ersten Halbzeit hatte der Mann aus dem rechten Rückraum die Latte getroffen gegen Bietigheim. Das hätte der eine verflixte Treffer sein können. „Das ging mir durch den Kopf, ja. Aber es hilft nichts. Du musst aufstehen und kämpfen.“

Die Zeit, in ein mentales Loch zu fallen, ist ihm ohnehin nicht geblieben. Recken-Sportchef Sven-Sören Christophersen rief ihn zwei Tage nach dem Abstieg in seiner Heimatstadt Wien an und machte ein Angebot. Immerhin galt es für die TSV, Kai Häfner zu ersetzen. Lange überlegen musste Martinovic nicht: „Die 1. Bundesliga war immer mein Traum. Hier will ich den nächsten Schritt gehen.“ Der VfL und Martinovic lösten den Vertrag, der noch zwei Jahre gelaufen wäre. Christophersen nennt den Neuen einen jungen, hungrigen Spieler: „Es ist ein Vorteil, dass er die Liga kennt und Deutsch spricht.“


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Martinovic' Ziel sind die Olympischen Spiele

Das macht es leichter für Martinovic, den Nationalspieler und Kapitän Häfner (wechselt nach Melsungen) zu ersetzen. „Ich weiß, dass es schwer wird. Kai ist ein unglaublich guter Spieler. Aber ich bin ein ähnlicher Typ und werde alles dafür tun“, betont Martinovic. Er ist in Wien geboren und aufgewachsen, vor Gummersbach spielte er für Fivers Margareten aus dem 5. Wiener Bezirk. Ins österreichische Handball-Nationalteam wie sein Bruder Marin (20) und seine beiden jüngeren Schwestern Ana und Kristina wollte er jedoch nicht. Das große Ziel sind die Olympischen Spiele mit Kroatien. Dafür pendelte er oft zu Lehrgängen in die Heimat seiner sportverrückten Eltern Zoran und Dubravka. „Es war nicht immer leicht, hat sich aber gelohnt“, sagt Martinovic.

„Wir wollen eine bessere Saison spielen als die letzte. Das Potenzial dazu hat diese Mannschaft.“

Bevor er bei den Recken (Trainingsstart ist am 12. Juli) richtig einsteigt, steht mit Kroatiens Junioren die WM in Spanien an. Eine Wohnung im Pelikanviertel hat Martinovic bereits, er übernimmt die von Domagoj Srsen, der die TSV verlassen hat. Und es bleibt gerade genug Zeit für eine Woche Urlaub mit Freundin Miriam, einer Wiener Beachvolleyballerin, an der kroatischen Adria. Hat er in all der Hektik schon an ein Ziel mit den Recken gedacht? „Wir wollen eine bessere Saison spielen als die letzte. Das Potenzial dazu hat diese Mannschaft.“