23. April 2020 / 10:41 Uhr

Wöchentliche Challenges: So hält Semir Zan seine Jungs bei Laune (mit Videos!)

Wöchentliche Challenges: So hält Semir Zan seine Jungs bei Laune (mit Videos!)

Nicola Wehrbein
Hannoversche Allgemeine / Neue Presse
Havelses Trainer Semir Zan, weiß seine A-Junioren mit Hausaufgaben, die Spaß machen, zu beschäftigen.
Havelses Trainer Semir Zan, weiß seine A-Junioren mit Hausaufgaben, die Spaß machen, zu beschäftigen. © Debbie Jayne Kinsey/privat
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Normalerweise würden sich die A-Junioren des TSV Havelse derzeit für einen Platz im Regionalliga-Kader von Herrencoach Jan Zimmermann empfehlen. Doch sie hängen in der Warteschleife. Trainer Semir Zan lässt sich einiges einfallen, um seine Spieler bei Laune zu halten. Das Ergebnis: tolle Videos!

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Ein Nachwuchstalent des TSV Havelse hat bereits den Vertrag für die 1. Herren in der Tasche: Jannis Neugebauer unterschrieb beim Regionalligisten bis zum 30. Juni 2022. Der Kapitän der A-Junioren soll schon in der Rückrunde – wenn denn wieder trainiert und gespielt werden darf – fest zum Kader der Regionalliga-Mannschaft von Trainer Jan Zimmermann gehören.

Semir Zan lässt sich eine Menge einfallen

Weitere U19-Akteure hängen noch in der Warteschleife. Normalerweise können sich die Jungs auf dem Platz zeigen und mit starken Auftritten für den Männerbereich empfehlen – aber in Corona-Zeiten ist eben (fast) nichts normal. U19-Coach Semir Zan lässt sich eine Menge einfallen, um seine Spieler fit und bei Laune zu halten. Und er weiß, dass Zimmermann noch den einen oder anderen seiner Kicker im Visier hat.

„Saisonabbruch im Amateurfußball. Oder doch nicht. Jetzt die neueste Variante: eine Fortsetzung der Serie beginnend zwischen dem 15. August und 1. September ab der Oberliga abwärts. Ich lese so viel über alle möglichen Szenarien“, sagt Zan. „Wenn wir ab Ende Mai wieder starten und in mehreren Englischen Wochen die Saison in der A-Junioren-Regionalliga zu Ende spielen könnten, wäre das purer Luxus. Doch danach sieht es derzeit leider nicht aus. Wir hängen alle in der Schwebe.“

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Der Norddeutsche Fußballverband, der für die Regionalligen zuständig ist, hat bislang keine Strategie bekannt gegeben. „So unbefriedigend das für uns alle auch ist, aber für eine solche Corona-Situation hatte eben niemand einen Plan in der Tasche. Und Fußball ist nun mal ein Kontaktsport. In der Haut der Verantwortlichen in den Gremien der Fußballverbände möchte ich nicht stecken. Wie auch immer sie entscheiden, sie können es nicht allen Vereinen recht machen, so viel steht fest“, sagt Zan.

"Der Kontakt zu den Spielern ist eng"

Auch das Datum der Rückkehr zu gemeinsamen Übungseinheiten auf dem Platz steht noch in den Sternen. Deshalb gilt beim Garbsener Nachwuchs schon länger: Jeder für sich statt alle zusammen. Einfallsreichtum ist in diesen Wochen bei der Trainingsgestaltung ganz besonders gefragt. „Der Kontakt zu den Spielern ist eng. Es gibt von uns online einen Trainingsplan, der sowohl auf den athletischen Bereich als auch auf Balltechnik abzielt. Vier bis fünf Einheiten die Woche. Das wird auch kontrolliert. Die Jungs erledigen ihre fußballerischen Hausaufgaben hochmotiviert“, schildert Zan.

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Gehrdens Sascha Romaus sieht das Spiel vor lauter Bällen nicht. Zur Galerie
Gehrdens Sascha Romaus sieht das Spiel vor lauter Bällen nicht. ©

Vor allem die wöchentlichen Challenges erfreuen sich im Team größter Beliebtheit. „Bei diesem Wettbewerb müssen die Spieler jeweils bestimmte Herausforderungen meistern, etwa den Ball hochhalten – zweimal links, zweimal rechts – und gleichzeitig erst das Einmaleins und dann das Alphabet aufsagen. Das Ganze halten sie auf Video fest, und wir bewerten nach einem Punktesystem. Die Gewinner bekommen kleine Preise“, erklärt der Coach.

Besonders tolle Videos sind bei der Aufgabe „Tor des Monats“ entstanden, beispielsweise der Fallrückzieher von Neugebauer auf einen Basketballkorb, der Treffer von Asad Dlakic in die Wäschebox im heimischen Badezimmer oder der präzise Schuss ins Schwarze von Silas Löhning – auf ein im Tor hängendes Plakat mit ausgeschnittenem Loch und dem Spruch: „Corona ist ein Arschloch.“ Für eine gewisse Zeit könne das Trainerteam die Jungs auf diese Weise gut beschäftigen und die Spannung hochhalten, sagt Zan. „Aber auf Dauer wird das schwierig.“

Havelses A-Junioren machen ihre Hausaufgaben

Kreative Trainingseinheiten sind das eine. Die fehlende Fußball-Normalität das andere. Zumal die Havelser Youngster sich gern für höhere Aufgaben empfehlen würden. „Für die Jungs tut es mir furchtbar leid, die Situation ist echt schwierig. Es ist total schade, dass sie nicht die Möglichkeit haben, in Punktspielen zu zeigen, was sie draufhaben, oder mal in der Ersten mitzutrainieren“, sagt Zan.

Fast täglich tauscht sich der ­A-Junioren-Coach mit Zimmermann aus: „Derzeit befasst Jan sich bei der Kaderplanung primär mit den Akteuren, die er schon im Team hat und deren Vertragsverlängerung er herbeiführen möchte. Danach kommt das junge Gemüse an die Reihe“, sagt Zan. Der Herrentrainer habe sich schon einen Eindruck verschafft und mehrere Spieler der U19 auf dem Schirm. Wer einen Vertrag erhalte, werde sich in den nächsten Wochen konkretisieren.

Havelses A-Junioren erinnern an einen Werbespot

Derweil ist auch Zan damit beschäftigt, am Kader für die nächste Saison zu feilen – was sich unter den gegebenen Umständen als knifflig erweist. „Wir hatten mit einigen ambitionierten Spielern von anderen Klubs Probetrainings vereinbart, aber daraus wird ja nun erst mal nichts.“ Dafür kann er sich gewiss sein, dass vielversprechende Nachwuchskräfte aus den eigenen Reihen aufrücken.

Zukunft von Zan selbst ist ungeklärt

Die B-Junioren des TSV, unter der Regie von Trainer Roberto Cerro, spielen in der Niedersachsenliga um den Aufstieg. „Da sind viele Talente dabei, die direkt den Sprung in die U19 schaffen können“, meint Zan, dessen eigene Zukunft beim TSV Havelse bislang noch ungeklärt ist. „Vollkommen unabhängig von meiner Person versuche ich, diese Serie so gut es geht zu Ende zu bringen. Dazu gehört auch, Spieler zu scouten und für den Verein zu begeistern, also eine gute Mannschaft auf die Beine zu stellen – ob für mich oder meinen Nachfolger.“ Grundsätzlich sei er für alles offen, „ich kann mir gut vorstellen, zu bleiben oder eben zurück in den Herrenbereich zu gehen. So richtig angekommen bin ich doch noch gar nicht.“

Erst Mitte Februar hatte er die Havelser A-Junioren (nach der Trennung von Stefan Gehrke) übernommen, die Zusammenarbeit war erst mal nur bis Saisonende geplant. „Mit dem 1:1-Remis gegen Spitzenreiter VfL Osnabrück waren wir auf einem gutem Weg“, sagt Zan. „Dann kam Corona.“