29. Oktober 2020 / 18:44 Uhr

Erst Pokalaus, dann Lockdown: Für Havelse ist die Unterbrechung "echt schade"

Erst Pokalaus, dann Lockdown: Für Havelse ist die Unterbrechung "echt schade"

Christian Purbs
Hannoversche Allgemeine / Neue Presse
Havelses Trainer Jan Zimmermann gibt Anweisungen.
Havelses Trainer Jan Zimmermann gibt Anweisungen. © Christian Hanke
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Der TSV Havelse hat am kommenden Wochenende spielfrei und wird deshalb in diesem Jahr wohl kein Spiel mehr bestreiten. Trainer Jan Zimmermann akzeptiert die Absage-Entscheidung selbstredend - schade sei es aufgrund der starken Form des TSV dennoch. Derweil überlegt der Coach schon, wie man die angefangene Regionalliga-Saison zu Ende bringen könnte.

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Es ist ja, wie es ist – und manchmal kommt es halt knüppeldicke. Schon am Aus im Viertelfinale des Niedersachsenpokals hatte der TSV Havelse am Mittwoch gehörig zu knapsen. Der Titelverteidiger verlor bei der SV Drochtersen/Assel unglücklich mit 3:5 nach Elfmeterschießen, nach Ablauf der regulären Spielzeit hatte es 1:1 gestanden. Und dann folgte auch noch die Nachricht, dass der Tabellenführer der Südstaffel der Regionalliga Nord aufgrund der Corona-Pandemie in diesem Jahr wohl kein Spiel mehr absolvieren wird.

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„Die neue Verfügungslage, die am 2. November in Kraft treten wird, beinhaltet, dass Mannschaftssport im Amateurbereich bis auf Weiteres nicht mehr erlaubt ist. Dies bedeutet, dass auch alle Spiele in den Spielklassen des Norddeutschen Fußball-Verbandes bis auf Weiteres, mindestens aber bis Ende November abgesetzt werden müssen“, teilte der Verband in einer Pressemitteilung mit. Der für das Wochenende angesetzte Spieltag, an dem die Havelser spielfrei sind, findet noch statt.

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Auch kein Training im November

„Es ist eine schwierige Situation fürs ganze Land, und natürlich akzeptieren wir, dass wir uns in das eingliedern müssen, was auch für alle anderen gilt. Für uns ist es allerdings echt schade, weil wir gut drauf sind und eine tolle Saison spielen“, sagte TSV-Trainer Jan Zimmermann.

Dass die Havelser wahrscheinlich Weihnachten als Spitzenreiter feiern werden, ist, wenn überhaupt, nur ein schwacher Tost. Zunächst einmal bis Ende des Monats wird der Ball auf der TSV-Anlage in Garbsen ruhen, die Trainingseinheiten im November fallen ebenso aus wie das für Dienstag angesetzte Spitzenspiel beim punktgleichen Tabellenzweiten Werder Bremen II.

"Wenn im November nicht trainiert werden darf, kann im Dezember nicht gespielt werden"

Wie es nach der Zwangspause weitergehen wird, ist noch völlig unklar. Fest steht für Zimmermann jedoch, dass von den zehn Spielen, die seine Mannschaft in 2020 noch absolvieren sollte, keines mehr in diesem Jahr angepfiffen werden kann. „Wenn im November nicht trainiert werden darf, kann im Dezember nicht gespielt werden. Das würde für uns bedeuten, dass wir im nächsten Jahr zehn Spiele nachholen müssten. Das ist nicht realistisch“, sagte der 41-Jährige.

Das hätte zur Folge, dass der Modus in der Regionalliga, in der in den Staffeln Nord und Süd jeweils elf Teams spielen, verändert werden müsste. „Es wäre eine Option, die aktuelle Wertung als Grundlage zu nehmen und in die Auf- beziehungsweise Abstiegsrunde zu wechseln. Oder man belässt es bei den beiden Staffeln Nord und Süd und spielt dann nur den Ersten aus, der gegen den Ersten aus der anderen Staffel um den Aufstieg spielt. Die letzten drei Mannschaften aus jeder Staffel würden dann absteigen“, sagte Zimmermann.

„Wie auch immer: Es gibt Möglichkeiten, dass wir im nächsten Jahr ein vernünftiges sportliches Ergebnis hinbekommen. Es ist der Vorteil der auf elf Teams begrenzten Staffeln, dass man da flexibel reagieren kann.“

Pokalaus in Drochtersen

Dass der Regionalliga-Primus sich mit einer Pokal-Niederlage in die Zwangspause verabschiedet hat, lag auch daran, dass er in Drochtersen zu spät reagierte. „Wir sind nicht so ins Spiel gekommen, wie wir uns das gewünscht hatten. Nach einer zähen ersten Halbzeit, in der wir Drochtersen nicht in Bedrängnis bringen konnten, haben wir es nach der Halbzeit besser gemacht. In der Phase, in der wir das Spiel im Griff hatten, haben wir dann nach einem langen Ball das 0:1 kassiert“, sagte Zimmermann.

Bilder vom Spiel der Regionalliga Nord zwischen dem TSV Havelse und HSC Hannover

Havelses Leon Damer (links) und Gürkan Öney vom HsC verfolgen den Ball. Zur Galerie
Havelses Leon Damer (links) und Gürkan Öney vom HsC verfolgen den Ball. ©

Nach Drochtersens Führung durch Alexander Neumann (68. Minute) habe die Mannschaft jedoch super reagiert und sei sofort wieder im Spiel gewesen. „Wir haben enormen Druck gemacht und hatten so viele Chancen, dass wir den Ausgleich schon viel früher hätten machen müssen“, sagte der Havelser Coach. Der gelang den Garbsenern immerhin noch in der 84. Minute durch Noah Plume. Das 1:1 kam jedoch zu spät, um die Partie noch zu drehen, was „absolut verdient gewesen wäre“, sagte Zimmermann.

Tasky und Cicek vergeben vom Punkt

Hatten die Havelser im vergangenen Jahr das Glück noch auf ihrer Seite, als sie den LSK Lüneburg im Pokal-Viertelfinale im Elfmeterschießen besiegten und ins Halbfinale einzogen, platzte nun in Drochtersen der Traum von der Titelverteidigung durch zwei verschossene Elfmeter von Deniz Cicek und Niklas Tasky. „Im Elfmeterschießen, das zu den wenigen Sachen im Fußball gehört, die schlecht planbar sind, hat’s uns halt erwischt“, sagte Zimmermann. „Wir haben in der ersten Halbzeit nicht mutig genug gespielt und sind deswegen ausgeschieden.“