05. Januar 2021 / 20:57 Uhr

Nach Kreuzbandriss: So schuften die Havelser Engelking und Schleef für ihr Comeback

Nach Kreuzbandriss: So schuften die Havelser Engelking und Schleef für ihr Comeback

Christian Purbs
Hannoversche Allgemeine / Neue Presse
Sie schuften für ihr Comeback: Die Havelser Marco Schleef (links) und Torben Engelking (rechts), die beide einen Kreuzbandriss hinter sich haben.
Sie schuften für ihr Comeback: Die Havelser Marco Schleef (links) und Torben Engelking (rechts), die beide einen Kreuzbandriss hinter sich haben. © Debbie Jayne Kinsey
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Sie bilden eine Schicksalsgemeinschaft: Bei Torben Engelking und Marco Schleef vom TSV Havelse riss im Herbst 2020 das Kreuzband. Der Weg zurück ist steinig, doch das Duo zeigt Kampfgeist und sehnt dem Comeback auf dem Platz entgegen.

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In dieser oder in der nächsten Woche wird sich Torben Engelking wieder die Laufschuhe anziehen und joggen können. Nach vielen kleinen Schritten wird diese Laufeinheit für den Stürmer des TSV Havelse ein Meilenstein sein auf seinem Weg zurück, nachdem er sich Anfang September im Regionalligaspiel beim FC Oberneuland einen Kreuzbandriss zugezogen hatte. So weit ist Marco Schleef noch nicht. Auch den Rechtsverteidiger der Havelser hat es böse erwischt, beim Spiel Mitte Oktober gegen Hannover 96 II war auch sein Kreuzband im rechten Knie gerissen.

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"Mir war sofort klar, dass da etwas im Arsch ist"

Auf diese Woche hatte sich Torben Engelking schon lange gefreut. Erst der Saisonstart beim FC Oberneuland am 6. September, fünf Tage später dann das große Pokalspiel beim Bundesligisten Mainz 05. Doch nur ein paar Minuten lang wirbelte der Außenstürmer beim 2:0-Sieg im Auftaktspiel auf der rechten Seite, dann war nichts mehr so wie vorher. „Der Ball ging im Strafraum in Richtung Grundlinie. Ein Mitspieler hat noch gerufen, dass ich den Ball anticken soll, um so vielleicht noch einen Elfmeter rauszuholen, da auch der Torwart rausgekommen war. Kurz davor bin ich im Rasen hängengeblieben und habe noch einen kleinen Ruck vom Torwart gekriegt. Ich bin nach vorne gefallen und es hat zweimal im Knie geknallt. Mir war sofort klar, dass da etwas im Arsch ist“, erzählt der 24-Jährige von der verhängnisvollen Szene, die zu der Verletzung führte, die für jeden Fußballer ein Albtraum ist.

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Levestes Sascha Romaus überwindet Kirchdorfs Schlussmann Jens Trampenau und trifft zum vermeintlichen 1:1-Ausgleich. ©

Bänderrisse "sind dagegen ja Firlefanz"

Was in seinem Knie alles kaputtgegangen ist, erfährt Engelking, der am Montag seinen Vertrag beim TSV Havelse bis zum Juni 2022 verlängerte, wenige Tage später nach der Kernspintomographie. „Beim MRT kam raus, dass es ein Kreuzbandriss, ein leichter Knorpelschaden und ein Meniskusanriss ist. Es hatte also schon ein bisschen was erwischt im Knie“, sagt der TSV-Spieler, für den es die erste schwere Verletzung in seiner Karriere ist. „Ich hatte zwar schon ein paar Bänderrisse, aber das ist im Vergleich zu einem Kreuzbandriss ja Firlefanz.“

Drei Wochen später wird der Angreifer operiert, statt Trainingseinheiten mit der Mannschaft gehören seitdem die fast täglichen Besuche bei den Physiotherapeuten des Gesundheitsstudios Körperwerk in Gehrden zu seinem Alltag. Nach Wochen mit Stabilitäts- und Kraftübungen geht es langsam bergauf. „Wenn man akribisch dabei ist sieht man auch, dass es Schritt für Schritt besser wird. Und das motiviert einen dann auch, immer mehr und weiterzumachen“, sagt Engelking, der in Hannover Mathematik und Sport studiert und Lehrer werden will.

Engelking froh über Unterstützung aus dem Umfeld

Wichtig sei in dieser Zeit für ihn die Unterstützung durch die vielen Freunde in seinem Umfeld gewesen. „In meinem Freundeskreis gibt es einige Kumpels, denen das auch schon passiert ist. Die haben viel von ihren Erfahrungen mit so einer Verletzung gesprochen und standen mir immer zur Seite. Auch, als ich einen Fahrdienst zum Physio brauchte, denn in den ersten Wochen nach der Operation durfte ich kein Auto fahren und war auf andere angewiesen. Das hat super geklappt und war sehr wichtig für mich“, sagt Engelking, der in einer Wohngemeinschaft in Hannover wohnt.

Statt nach Gehrden will der TSV-Stürmer bald wieder nach Havelse zum Training fahren. „Wenn alles gut läuft und das jetzt mit dem Laufen gut funktioniert, hoffe ich, Anfang März wieder mit der Mannschaft trainieren zu können. Da wir so gut im Zeitplan sind, ist das auch realistisch.“

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Schleef braucht mehr Zeit

So schnell wird es bei Marco Schleef nicht gehen. „Ich bin im Vergleich zu Torben leider noch ein bisschen hintendran. Aber Torben wurde ja auch früher operiert. Bei mir sieht es so aus, dass ich in etwa vier Wochen wieder locker mit dem Laufen anfangen kann. Bis dahin mache ich viel Krafttraining und fahre Fahrrad. Alles, was halt geht“, sagt der 21-Jährige, der sich den Kreuzbandriss im rechten Knie am 16. Oktober beim 2:0-Erfolg gegen 96 II zuzog und mit Engelking seitdem eine Havelser Schicksalsgemeinschaft bildet. Weitere Schäden wie bei seinem Teamkameraden gibt es bei ihm zum Glück jedoch nicht.

Im Gegensatz zu Engelking konnte Schleef fast alle bisherigen Begegnungen der Havelser mitmachen, lediglich im Punktspiel gegen den HSC sowie bei der Pokalniederlage bei der SV Drochtersen/Assel musste der Rechtsverteidiger aufgrund seiner Verletzung passen. In allen Partien der Regionalliga sowie den beiden Pokalspielen in Rehden und Mainz stand der Nachwuchsspieler in der Startelf und gehörte mit seinen starken Leistungen zu den Akteuren, auf die sich Trainer Jan Zimmermann verlassen konnte.

Nach Ausfallschritt knackt es laut im Knie

„Das ist alles schon sehr ärgerlich“, sagt Schleef. „Der Trainer meinte auch, dass ich gerade auf einem guten Weg gewesen sei. Ich habe mich auch gut gefühlt und gedacht, dass es wirklich gut aussieht, wenn es so weitergeht. Aber so ist das halt im Sport: Gerade dann, wenn es am besten läuft, kommt etwas dazwischen, was einen zurückwirft.“ An die Szene, die zu seiner schweren Verletzung führte, kann sich der Defensivspieler „leider noch ganz genau erinnern. Ich wollte eine Flanke blocken und habe einen Ausfallschritt gemacht. Dabei bin ich mit dem rechten Bein aufgekommen und nach innen weggeknickt. Es hat laut geknackt und ich wusste, dass da irgendetwas kaputt ist“, berichtet Schleef.

Die Schmerzen seien das kleinere Problem, sagt der Verteidiger, „die sind zum Glück so gut wie weg“. Zu knabbern habe er jedoch daran, die Situation so anzunehmen wie sie ist. „Das ist eine riesengroße Kopfsache. Der Vorteil ist, dass zurzeit nicht gespielt werden kann. Da bin ich ganz froh drüber, dass ich nicht allzu viele Spiele verpasse. Man macht sich viele Gedanken, wartet darauf, dass es jeden Tag besser wird“, sagt der 21-Jährige, der Ende 2019 ein Sportmanagementstudium begonnen hat. „Natürlich wünscht man der Mannschaft in jedem Spiel Glück, aber nur zuschauen und nicht helfen zu können, das ist schon richtig schlimm.“

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Die Havelser bereiten sich mit einem Spezial-Aufwärmshirt auf die Partie vor - sie denken an ihren verletzten Mitspieler Torben Engelking. Zur Galerie
Die Havelser bereiten sich mit einem Spezial-Aufwärmshirt auf die Partie vor - sie denken an ihren verletzten Mitspieler Torben Engelking. ©

Große Gesten aus der Mannschaft

Hilfe gibt es für die beiden Verletzten vom TSV-Team, das mit ihren kleinen Gesten große Wirkung erzielt. Beim Warmmachen vor dem Pokalspiel in Mainz trugen die Havelser Spieler ein Aufwärm­shirt mit dem Schriftzug Torben #EinTeam, Kapitän Tobias Fölster führte die Havelser Elf im Heimspiel gegen den HSC im Trikot des Teamkollegen Marco Schleef auf den Platz. „Das war ein schöner Moment für mich, der mir Kraft und Motivation gegeben hat. Wir sind echt eine gute Mannschaft“, sagt Schleef.

Wenn während seiner Reha alles nach Plan läuft, will das Havelser Talent im Sommer zur Vorbereitung auf die neue Saison wieder ins Mannschaftstraining einsteigen. Sein Wunsch für dieses Jahr: „Ich will noch stärker zurückkommen.“