23. April 2021 / 15:54 Uhr

Altherrenfußball im Shutdown: "Zoom-Übungen brauchst Du nicht anbieten" 

Altherrenfußball im Shutdown: "Zoom-Übungen brauchst Du nicht anbieten" 

Jan-Philipp Wottge
Kieler Nachrichten
Frank Meier (links im Bild) und Marcus Dangl sind sich sicher: Fußballrentner wird hier keiner.
Frank Meier (links im Bild) und Marcus Dangl sind sich sicher: "Fußballrentner wird hier keiner." © Ulf Dahl
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Ein Ball, zwei Tore: Altherrenfußballer reduzieren ihren Sport auf das Wesentliche. Die Antriebsfedern sind Spaß und Geselligkeit. Wie geht es dem Altherrenfußball in der Corona-Zwangspause? Zumindest beim TSV Kronshagen am Kieler Stadtrand denkt noch niemand ans Aufhören.

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Dieser Artikel ist Teil des Aktionsbündnis #GABFAF. Mehr Informationen unter gabfaf.de.

Es ist Mittwoch. In Vor-Corona-Zeiten nahmen die Kronshagener Altherrenfußballer ab 19 Uhr ihren Kunstrasenplatz in Kiel unter Beschlag. Doch auch die AH-Kicker sind pandemiegebeutelt und weit von jener Normalität vergangener Tage entfernt. Seit November 2020 ruht bei den Oldies das runde Leder im Ballschrank. Der Kunstrasen fristet derweil ein Schattendasein. Einzig die Jugendfußballer dürfen in Kleingruppen trainieren.

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Die Aprilsonne entfaltet am wolkenlosen Himmel ihre ganze Kraft, als Marcus Dangl aus dem Auto steigt und dann tief die frische Frühlingsluft am Sportplatz einatmet: „Was für brillantes Fußballwetter. In gut einer Stunde würden wir normalerweise mit unserem Training beginnen“, sagt der 48-Jährige und fügt mit etwas Wehmut an: „Das Kaltgetränk im Anschluss schmeckt bei solchen Temperaturen ja bekanntlich besonders gut.“ Der Gedanke schmerzt. Stillstand! Doch wie lange? Droht dem einen oder anderen Altherrenfußballern nun ein frühzeitiges Dasein als Fußballrentner?

Das Amateurfußball-Bündnis #GABFAF berichtet regelmäßig über Probleme bei Amateurvereinen. Hier eine Auswahl an Klubs, die davon profitiert haben:

Der SV Blau-Weiß 50 Baabe gewinnt 2000 Euro aus der #GABFAF-Vereinskasse Zur Galerie
Der SV Blau-Weiß 50 Baabe gewinnt 2000 Euro aus der #GABFAF-Vereinskasse ©

Marcus Dangl, der Sportliche Koordinator der Ü32-Fraktion, und sein Ü50-Pendant, Frank Meier (63), schütteln energisch den Kopf: „Einige von uns gehören zur Risikogruppe, wir werden bei der Wiederaufnahme eines Trainingsbetriebs nichts überstürzen. Doch im Gegensatz zum Leistungsfußball herrscht bei uns kein Druck oder Zwang, sondern alle gehen ihrer Leidenschaft nach. Hier muss sich keiner mehr etwas beweisen. Und wenn ein paar Kilos bei jedem dazukommen, herrscht auch wieder Waffengleichheit. Vielleicht nimmt die Frotzelei ein wenig zu “, prognostiziert Meier lachend.

Zoom-Meeting mit Pizza und Fußball

Dennoch fehlt allen etwas: „Zoomtraining mit Stabilitätsübungen musst du bei Alten Herren nicht anbieten“, schmunzelt Dangl und plaudert die Alternative aus: „In kleiner Runde treffen wir uns ab und zu per Webmeeting zum Fußballgucken und bestellen dann Pizza. Jeder auf seinem eigenen Sofa. Total coronakonform. Wir versuchen weitestgehend auf solchen Wegen Kontakt zu halten.“

Nach dem ersten Lockdown 2020 tasteten sich die Kicker mit Fußballtennis zurück ans Spielgerät. „Da kann man gut die Abstände einhalten. Aber wir spielen immer noch am liebsten mit einem Ball auf zwei Tore“, sagt Meier.

Knapp 70 Alte Herren zählt man beim TSVK. Damit stellen die AHs knapp ein Sechstel der aktiven Fußballer im größten Verein des Kreises Rendsburg-Eckernförde. Viele der AHs engagieren sich zudem in der Jugendarbeit. „Wir genießen einen hohen Stellenwert im Verein. Es ist wie überall. Da, wo man sich kümmert, wächst etwas. Viele empfinden eine lange und tiefe Verbundenheit mit dem TSV Kronshagen. Das spricht sich rum“, sagt Dangl, der sich gemeinsam mit Meier sowie Coach Kay Haß die AH-Geschicke leitet.

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Das Bier ist bereits abgelaufen

Gleichermaßen haben sie den sportlichen wie auch den sozialen Aspekt im Blick: „Bei uns ist auf und neben dem Platz wichtig. Um sportlich den Altersunterschieden gerecht zu werden, haben wir vor Jahren eine Ü50 gegründet“, erläutert Meier. Dangls Schwiegervater Klaus Ullmann ist mit 74 Jahren der Senior unter den Oldies: „Der ist der Erste auf dem Platz, wenn es wieder los geht. Der hört nicht auf“, ist sich Dangl sicher.

Ob dann auch wieder gemeinsam gefeiert werden kann, steht allerdings in den Sternen. „Das Gesellige ist elementarer Bestandteil eines Altherrenteams. Gibt es einen Anlass zum Feiern, sind alle da. Bei uns gilt die Regel, wer dreimal zur Probe mittrainiert hat, muss entweder Teammitglied werden oder fernbleiben“, sagt Meier und hofft in naher Zukunft wieder auf gemeinsame Teamfahrten und Feiern.

Das Bier ist abgelaufen

Einzig, dass das Bier im Teamcontainer mittlerweile sein Verfallsdatum erreicht hat, sorgt dann doch für Sorgenfalten auf der Stirn der Alten Herren. „Das ist tragisch und zeigt, wie viel Zeit seit dem letzten Training vergangen ist. Aber Fußballrentner wird hier trotzdem keiner. Wir gehen gestärkt aus dieser Phase. Jeder wird noch mehr Lust auf Fußball haben“, verkündet Dangl optimistisch.