02. Februar 2022 / 15:20 Uhr

Die Hoffnung des TSV Luthe: Ohne Zauberei, aber mit Zuversicht im Jubiläumsjahr

Die Hoffnung des TSV Luthe: Ohne Zauberei, aber mit Zuversicht im Jubiläumsjahr

Dirk Herrmann
Hannoversche Allgemeine / Neue Presse
Luthes Trainer Steffen Ulrich will mit seiner Mannschaft unbedingt die Klasse halten.
Luthes Trainer Steffen Ulrich will mit seiner Mannschaft unbedingt die Klasse halten. © Michael Plümer
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In der Vorrunde hatte der TSV Luthe extremes Verletzungspech. Es war schon ein wenig "Zauberei" nötig, wie Coach Ulrich sagt, um den Trainingsbetrieb aufrechtzuerhalten. Das soll im Jubiläumsjahr Geschichte sein. Mit neuer Zuversicht geht der Bezirksligist die Mission Klassenerhalt an.

Es ist eines der spektakulärsten Tore in der Vorrunde der Bezirksliga 4. Noch vor der Mittellinie setzt Simon Eickemeier zu einem Dropkick an, auf seiner langen Flugbahn verschwindet der Ball kurzzeitig im Mischmasch aus schummrigem Flutlicht und Abendhimmel, bevor er in hohem Bogen und ohne Bodenkontakt direkt im Gehäuse des TuS Mecklenheide zum 4:0-Endstand einschlägt.

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Beim einzigen Auswärtssieg des TSV Luthe, der nur aus Mellendorf noch einen Punkt mitnimmt, ist der Treffer des Mittelfeldspielers der sehenswerte Höhepunkt. Wollte man es ihm nachmachen, wahrscheinlich wären unzählige Versuche nötig, bis es klappt. Grund zum Jubeln wie bei Eickemeiers Kunstschuss hatten die Luther in der ersten Saisonhälfte indes eher selten. In einer Staffel mit acht Klubs mussten sie sich mit dem sechsten Platz begnügen.

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„Wir sind hinter unseren Erwartungen geblieben“, räumt Trainer Steffen Ulrich ein. „Die Aufstiegsrunde ist für uns zwar nie ein Thema gewesen. Aber ein bisschen weiter oben in der Tabelle wollten wir schon landen.“ Zwei Negativserien verhinderten das: Erst blieb sein Team fünfmal hintereinander sieglos, später folgten noch vier Niederlagen am Stück. Ab Ende März geht es in der Abstiegsrunde nun um den Klassenerhalt.

Wenn Ulrich für diese Aufgabe einen Wunsch äußern könnte, dann wohl den, von weiteren Verletzungssorgen verschont zu bleiben. Davon hatte er vor der Winterpause schon genug. Bereits zu Saisonbeginn fielen Simon Lindemann und Adrian Stammer aufgrund von Bänderrissen aus, und auch mit Louis Cordes, mangels Alternativen gerade zum Stürmer umgeschult, ließ sich nicht mehr lange planen – ihn stoppte ein Kreuzbandriss.

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Personelle Hilfe aus den anderen Mannschaften

Die Liste der Ausfälle wurde immer länger und endete schließlich bei Levin Bommert, der sich einen Ellenbogen brach. Ulrich: „Je herbstlicher es wurde, desto schlimmer erwischte es uns. So hart hat es uns noch nie getroffen.“ Ohne die Unterstützung der anderen TSV-Mannschaften hätten die Luther an manchen Spieltagen keine komplette Elf zusammenbekommen. Von den Altherren halfen Robert Berg und Marcel Dunkel aus; aus der Reserve rückten Adrian Siuta, Norman Mischke, Henrik Deppe, Dominik Luther sowie die Brüder Finn und Mats Ehrenberg auf.

Zum Schluss debütierten mit Niklas Haag, Ben Schlape und Patrick Mandrella außerdem drei A-Junioren. „Die Strukturen, um im Training einen langfristigen Leistungsaufbau zu gewährleisten, hatten wir aber nicht“, blickt Ulrich zurück. „Nach den vielen Ausfällen im eigenen Stamm war das eher Zauberei.“ Selbst Co-Trainer David Brammer hatte noch einmal seine Fußballschuhe wieder schnüren müssen.

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Die Zuversicht, den TSV Luthe im Jahr seines 100-jährigen Bestehens auf Bezirksebene zu halten, lässt sich Ulrich dennoch nicht nehmen. Kürzlich haben die Luther mit der Vorbereitung begonnen, die dazu genutzt werden soll, taktisch variabler agieren und „mehr Offensivpower“ entwickeln zu können. Zum Einstudieren hat Ulrich eine Reihe von Testspielen vereinbart, alle auswärts auf Kunstrasen: Bei der U19 und der Reserve des SC Hemmingen-Westerfeld, beim TSV Barsinghausen, Garbsener SC, VfL Westercelle und TSV Kirchdorf sowie in Engelbostel gegen den SV Dedensen. „In der Abstiegsrunde müssen wir vom ersten Spiel an Gas geben können“, sagt der Trainer.

Zumal die Luther für den Klassenerhalt eine bessere Ausbeute brauchen werden als in der Vorrunde. Da waren es nur 14 Punkte in 14 Partien, ein Zähler pro Spiel also – dieser Schnitt dürfte in den acht Begegnungen der Abstiegsrunde nicht reichen. „Wir haben die Mittel, um mitzuhalten und drin zu bleiben“, betont Ulrich, der bis auf den im vergangenen Sommer von der SG Ostercappeln/Schwagstorf verpflichteten Tim Lingnau, der wieder in seine Heimat zurückgekehrt ist, weiter mit dem gleichen Kader planen kann. „Einer der ersten drei Plätze – das muss unser Blick sein, da wollen wir hin“, sagt Ulrich.

Zum Abschluss einer bisher holprig verlaufenen Spielzeit wäre das für die Luther ein gutes Ende zum richtigen Zeitpunkt: Zwei Wochen nach dem letzten Spieltag sind für das erste Juli-Wochenende die Feierlichkeiten zum Vereinsjubiläum geplant.

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