20. Juni 2021 / 13:45 Uhr

Turbine-Präsident Kutzmutz: "Dringendste Aufgabe ist, die Mitglieder wieder zusammenzuführen"

Turbine-Präsident Kutzmutz: "Dringendste Aufgabe ist, die Mitglieder wieder zusammenzuführen"

Christoph Brandhorst
Märkische Allgemeine Zeitung
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Rolf Kutzmutz geht in seine dritte Amtszeit als Präsident von Turbine Potsdam. © Christoph Brandhorst
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Frauen-Bundesliga: Der Generationswechsel an der Spitze des 1. FFC Turbine Potsdam ist erstmal verschoben. Rolf Kutzmutz wird mit zehn Stimmen mehr als Herausforderin Tabea Kemme als Präsident bestätigt – er will die Spaltung des Clubs überwinden.

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Weißer Rauch stieg am späten Freitagabend über dem Potsdamer Kongresshotel zwar nicht auf, die Erleichterung war trotzdem groß, als es kurz vor Mitternacht auf der Mitgliederversammlung des 1. FFC Turbine Potsdam endlich eine Entscheidung gab: Rolf Kutzmutz bleibt Präsident des Frauenfußball-Bundesligisten. Der 73-Jährige setzte sich in der Präsidentschaftswahl gegen seine 29 Jahre alte Herausforderin Tabea Kemme durch – mit der denkbar knappen Mehrheit von 110:100 Stimmen.

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Die Ex-Nationalspielerin, die in ihrer Karriere zwölf Jahre lang das Turbine-Trikot getragen hatte, wollte die erste Frau an der Spitze eines Frauenfußball-Bundesligisten werden. Und beim sechsfachen Deutschen Meister, der allerdings seit neun Jahren titellos ist, einen Generationswechsel einleiten. Der wird nun erstmal verschoben. Der hitzig geführte Wahlkampf (Kutzmutz: „Sowas gab es in dieser Form bei Turbine zum ersten Mal“) hinterlässt im Club einen tiefen Graben. Der frühere Linken-Bundestagsabgeordnete will die Spaltung überwinden. „Wir werden den Verein nur gemeinsam oder gar nicht voranbringen können“, sagte er am Sonnabendvormittag nach einer kurzen Nacht. „Meine dringlichste Aufgabe sehe ich darin, über alle Differenzen hinweg die Mitglieder des Vereins und Anhänger wieder zusammenzuführen.“ Natürlich wolle er mit seinem Vorstandsteam dafür sorgen, dass Turbine „in den nächsten Jahren wieder in der Spitze der Bundesliga und nach Möglichkeit auch in der Champions League mitspielt“.

Die Trikots von Turbine Potsdam seit 2005

<b>Saison 2005/06 (Heimtrikot)</b> Klassisch: Im blauen Jersey mit weißen Akzenten an der Seite jubeln Ariane Hingst (l.) und die Torschützin zum 1:0, Conny Pohlers (r.), am 14. Mai 2006 beim Heimspiel gegen den 1. FFC Frankfurt. Am Ende der Saison sprang das Double aus Meisterschaft und DFB-Pokal-Sieg für die Turbinen heraus. Zu erwähnen sei die Tordifferenz von 115:13. Allein Conny Pohlers konnte sich mit 36 Toren zur besten Torschützin der Bundesliga krönen. Zur Galerie
Saison 2005/06 (Heimtrikot) Klassisch: Im blauen Jersey mit weißen Akzenten an der Seite jubeln Ariane Hingst (l.) und die Torschützin zum 1:0, Conny Pohlers (r.), am 14. Mai 2006 beim Heimspiel gegen den 1. FFC Frankfurt. Am Ende der Saison sprang das Double aus Meisterschaft und DFB-Pokal-Sieg für die Turbinen heraus. Zu erwähnen sei die Tordifferenz von 115:13. Allein Conny Pohlers konnte sich mit 36 Toren zur besten Torschützin der Bundesliga krönen. ©

Auch für Tabea Kemme stehe die Tür weiter offen, betonte Kutzmutz, der seit 21 Jahren im Verein ist, seit 2015 als Präsident. Die unterlegene Kandidaten veröffentlichte am Morgen nach der Marathonsitzung, die unter Ausschluss der Öffentlichkeit stattfand, ein Statement: „Persönlich werde ich mich weiter für den Frauenfußball engagieren. Ich werde mich weiterhin einsetzen, die gesellschaftliche Rolle des Frauenfußballs nach vorn zu tragen.“ Ob das bei Turbine Potsdam sein wird, ließ sie offen. „Auch wenn das Wahlergebnis für mich persönlich enttäuschend ist, zeigt es doch die Notwendigkeit, den Verein Turbine Potsdam zu erneuern“, schrieb Kemme weiter.

Ex-Spielerin Stefanie "Ulla" Draws wird Schatzmeisterin

Das will auch Kutzmutz, wie er sagte. „Die Wahl verschafft mir die Möglichkeit, meine Ideen, die ich noch habe, für Turbine einzubringen. Wenn ich das Gefühl habe, dass es in gute Hände übergeben werden kann, werde ich das auch tun.“ Sein Vorstandsteam – nach der Präsidentenwahl zogen die Anwärter aus dem Kemme-Lager laut Kutzmutz ihre Kandidaturen für die übrigen Posten zurück – bringe mehr denn je zum Ausdruck, dass Turbine ein Frauenfußballverein sei. Ulrike Häfner, Referentin im Brandenburger Ministerium für Bildung, Jugend und Sport, sowie Uwe Reher erhielten Mehrheiten als Vize-Präsidentin und Vize-Präsident. Ex-Turbine-Spielerin Stefanie Draws ist neue Schatzmeisterin. Auf die Wahl der 31-Jährigen, die elf Jahre für den Club auflief, ist der wiedergewählte Präsident besonders stolz. „Sie ist ein Spiegelbild dafür, was man als Spielerin nach der Karriere erreichen kann.“ Als Beisitzer wurden Gordon Engelmann, die Fanclub-Vorsitzende Susanne Lepke und Triathlon-Trainer Rick van Riemsdijk gewählt. Letzterer sei ein Fachmann für den sportlichen Bereich.

Das Scheitern der Kandidatur von Tabea Kemme kommt durchaus überraschend. Sie hatte im Vorfeld der Wahl kräftig die Werbetrommel gerührt, stellte in Kurzfilmen auf ihrem Instagram-Profil ihr Konzept und Mitglieder ihres Kompetenzteams vor, zu dem unter anderen auch der frühere Turbine-Cheftrainer Matthias Rudolph gehörte. Zahlreiche Neueintritte in den Verein hatte es gegeben.

Erste Schritte hat Rolf Kutzmutz schon im Kopf: Eine hauptamtliche Physiotherapeutin will der Verein einstellen, auch auf der Suche nach einer Teammanagerin sei man. Und aus der Bundesliga-Mannschaft sei auch der Wunsch nach einem Sportlichen Leiter geäußert worden.

Elsig-Ersatz kommt aus Frankreich

Turbine Potsdam hat auf der Mitgliederversammlung am Freitagabend auch die Verpflichtung der französischen Abwehrspielerin Teninsoun Sissoko bekanntgegeben. Die 28-Jährige kommt vom Erstligisten FC Fleury und sei als Ersatz für die zum HSC Montpellier wechselnde Johanna Elsig eingeplant. Sissoko bringt die Erfahrung von 115 Einsätzen für Le Mans, Saint-Étienne und Fleury in der französischen Division 1 mit. Handlungsbedarf sehen die Turbine-Verantwortlichen auch auf der Torhüterposition. Die Gespräche mit einer neuen Keeperin sollen kurz vor dem Abschluss stehen. Ex-Turbine Caroline Siems hat sich derweil Bayer 04 Leverkusen angeschlossen.