04. September 2020 / 10:58 Uhr

Turbine-Coach Sofian Chahed vor Saisonstart: "Leistungsdichte geht weit auseinander"

Turbine-Coach Sofian Chahed vor Saisonstart: "Leistungsdichte geht weit auseinander"

Christoph Brandhorst
Märkische Allgemeine Zeitung
Jetzt ist es offiziell: Sofian Chahed wurde bei Turbine Potsdam als neuer Cheftrainer präsentiert.
Turbine-Trainer Sofian Chahed. © dpa
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Frauenfußball: Der Trainer von Turbine Potsdam im SPORTBUZZER-Interview vor dem Bundesligastart.

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Am Sonntag (14 Uhr, Karl-Liebknecht-Stadion) starten die Bundesliga-Fußballerinnen von Turbine Potsdam gegen die TSG Hoffenheim. Im SPORTBUZZER-Interview spricht Trainer Sofian Chahed über die Vorbereitung, schwere Beine bei den Spielerinnen, die Liga und die bevorstehende Kapitänswahl.

Herr Chahed, seit Juli arbeiten Sie als Trainer bei Turbine Potsdam. Wie würden Sie den Vorbereitungsstand so kurz vor dem Saisonstart einschätzen?

Sofian Chahed: „Wir sind immer noch in der Vorbereitung, da ist es normal, dass noch nicht alle Rädchen ineinander greifen. Die Mannschaft hat aber sehr, sehr gut mitgezogen, deshalb bin ich voller Zuversicht.

Von den Ergebnissen her, war die Vorbereitung durchwachsen.

Ja, richtig. Es gibt Vorbereitungen, da verliert man alles und spielt oben in der Liga mit. Es geht aber auch andersherum. Insofern sind die Resultate eher zweitrangig, da achten wir mehr auf die spielerischen Varianten. Die waren okay. Wir müssen die individuellen Fehler, die zu Gegentoren führen, noch abstellen. Ich bin optimistisch, dass uns das in den Ligaspielen gelingt und wir dann auch bessere Ergebnisse holen. Alles in allem waren die Testspiele aber sehr ordentlich und wir haben zum größten Teil schon das gesehen, was wir sehen wollten.

In Bildern: Turbine Potsdam verliert gegen die SG Saarmund mit 2:9.

Turbine Potsdam verliert das erste Testspiel der Saisonvorbereitung gegen den Männer-Kreisoberligisten SG Saarmund mit 2:9 (1:4). Beide Turbine-Treffer erzielte Neuzugang Selina Cerci. Auch die Neuzugänge Merle Barth und Lena Uebach standen erstmals für das Team von Trainer Sofian Chahed auf dem Rasen. Zur Galerie
Turbine Potsdam verliert das erste Testspiel der Saisonvorbereitung gegen den Männer-Kreisoberligisten SG Saarmund mit 2:9 (1:4). Beide Turbine-Treffer erzielte Neuzugang Selina Cerci. Auch die Neuzugänge Merle Barth und Lena Uebach standen erstmals für das Team von Trainer Sofian Chahed auf dem Rasen. © Christoph Brandhorst

Hat sich ihre Art, zu trainieren, in den ersten Wochen als Trainer einer Frauenmannschaft verändert?

Eigentlich nicht. Die Intensität ist weiter hoch geblieben. Die Mädels haben oft schwere Beine, müssen über diesen Punkt aber auch mal drüber, um sich keine Gedanken mehr zu machen, ob man den Weg noch macht oder nicht. Genau da wollen wir hin. Wir sind auf einem guten Weg.

Wo lag der Schwerpunkt in den letzten Tagen vor dem Ligastart?

Es ging um den Feinschliff und darum, unsere Startelf für Hoffenheim zu finden.

Wie intensiv haben Sie sich schon mit dem Auftaktgegner beschäftigt?

Wir kennen Hoffenheim und ihren Spielstil. Ich tausche mich auch viel mit Dirk Heinrichs aus, wie wir unsere Mädels bestmöglich vorbereiten können. Ich habe Hoffenheim am letzten Spieltag der Vorsaison auch live im „Karli“ gesehen, insofern weiß ich, was da auf uns zukommt.

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Wie würden Sie die Bundesliga insgesamt einschätzen?

Ich glaube, dass die Leistungsdichte leider relativ weit auseinandergeht. Die ersten Mannschaften sind sehr, sehr stark. Dann gibt es drei bis fünf Mannschaften, die um die Plätze dahinter kämpfen. Und dann gibt es Mannschaften, bei denen eigentlich im Vorfeld klar ist, dass sie nur gegen den Abstieg spielen werden – das ist in der Männer-Bundesliga nicht immer so. Den Durchschnitt schätze ich stark ein, aber es wir eben auch Mannschaften geben, die abfallen werden.

Sie wollten sich in der Vorbereitung mit der Mannschaft auf ein Saisonziel einigen – was kam dabei heraus?

Das obere Drittel ist die Zielstellung, das kam auch von der Mannschaft. Wir haben aber keinen konkreten Platz ausgegeben. Wir wollen mindestens das erreichen, was wir im letzten Jahr geschafft haben – wenn nicht sogar noch mehr.

Welche Spielerinnen bilden den Mannschaftsrat?

Das sind Johanna Elsig, Merle Barth, Marie Höbinger, Karoline Smidt Nielsen und Vanessa Fischer. Wir haben geschaut, dass wir eine gesunde Mischung haben. Wir nehmen den Mannschaftsrat bei vielen Entscheidungen mit, auch die Kapitänswahl wird im Dialog erfolgen. (Inzwischen wurden Merle Barth und Karoline Smidt Nielsen zum neuen Kapitänsduo bestimmt; Anm.d.Red.)

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Wie haben sich die Neuzugänge bislang präsentiert?

Ich habe das Gefühl, sie haben sich ganz schnell integriert. Leider hatten wir etwas Pech mit Verletzungen. Selina Cerci und Lena Uebach waren in der Vorbereitung angeschlagen. Merle Barth hat komplett mitgezogen und sich bisher, sowohl was die Fitness als auch die Leistungen angeht, als die stabilste erwiesen. Melissa Kössler hat auch einen ordentlich Eindruck hinterlassen, ist bislang verletzungsfrei.

Sie sprechen die Verletzungen an. Wie ist der Stand im Turbine-Lazarett?

Adrijana Mori ist auf dem Weg zurück ins Mannschaftstraining. Anna Gerhardt, Lara Schmidt, Mieke Schiemann und Sara Agrez sind nach ihren teils schweren Verletzungen noch im Aufbau. Bei Selina (Cerci; Anm.d.Red.) und Lena (Uebach, muss nach einer Knie-OP längere Zeit pausieren; Anm.d.Red.) müssen wir schauen, wie lange sie noch ausfallen.

Mit Maria Plattner hat Turbine noch einen Neuzugang quasi aus dem Trainingslager in Österreich mitgebracht.

Ich glaube, sie ist nicht nur ein Neuzugang mit Perspektive, sondern kann uns auch sofort weiterhelfen. Sie ist eine Instinktfußballerin. Wenn sie den Ball hat, macht sie meistens automatisch vieles richtig, findet Lösungen. Sie ist sicher noch jung und etwas unerfahren, aber ich glaube, sie kann uns in dem einen oder anderen Spiel direkt weiterhelfen.

Besteht personell noch Handlungsbedarf?

Wir haben unsere Augen und Ohren weiterhin offen. Unter den Langzeitverletzten sind ja vor allem viele Abwehrspielerinnen. Aber ich kann nicht sagen, ob noch etwas passiert.

Auch im Trainerteam gab es im Sommer Veränderungen. Wie sieht die Aufgabenverteilung aus?

Eric Steinborn ist Fitnesstrainer. Kristian Nicht konnten wir als neuen Torwarttrainer gewinnen. Gebündelt wird alles bei Dirk Heinrichs als Co-Trainer und mir. Das hat sich ganz gut eingespielt, wir haben ein System, einen Plan. Ich bin froh, dass ich diese Unterstützung habe, allein wäre das eine Mammutaufgabe.

Jetzt läuft der Countdown. Wie groß ist die Vorfreude auf den Bundesliga-Start schon?

Die ist natürlich groß! Mein letztes Spiel, in dem es um Punkte ging, war vor Corona. Danach kamen nur Freundschaftsspiele oder sogar Trainingseinheiten mit Abstand. Das geht mal zwei Wochen, aber jetzt freue ich mich, dass wir wieder mit Zweikämpfen trainieren können, dass es wieder um Punkte geht. Wir hatten eine lange Vorbereitung, deshalb freuen wir uns alle, dass es gegen Hoffenheim endlich wieder losgeht.