07. Oktober 2021 / 18:35 Uhr

Turbine-Neuzugang Teninsoun Sissoko: Mit drei Sprachen zum Stammplatz

Turbine-Neuzugang Teninsoun Sissoko: Mit drei Sprachen zum Stammplatz

Christoph Brandhorst
Märkische Allgemeine Zeitung
03.09.2021, Fußball, 1.Frauenbundesliga, Punktspiel, 1.FFC Turbine Potsdam-Carl Zeiss Jena, Karl-Liebknecht-Stadion
im Bild: v.l. Teninsoun Liliane Sissoko (1.FFC Turbine Potsdam),Adrijana Mori (Carl Zeiss Jena)
Teninsoun Liliane Sissoko stand bislang dreimal in der Startelf des 1. FFC Turbine Potsdam. Es ist ihre erste Auslandsstation. © Julius Frick
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Frauen-Bundesliga: Teninsoun Sissoko hat den ersten Kulturschock nach ihrem Wechsel aus Frankreich zu Turbine Potsdam überwunden. Die Gegner in der Bundesliga sind für die Innenverteidigerin aber alle Neuland - auch Werder Bremen am Sonntag.

Jedes Spiel eine Premiere. Für Teninsoun Sissoko sind die Partien mit dem 1. FFC Turbine Potsdam in der Frauenfußball-Bundesliga allesamt Wundertüten. „Ich habe vor meinem Wechsel nach Potsdam noch nie gegen eine deutsche Mannschaft gespielt, die Gegner aus der Bundesliga kenne ich also gar nicht“, erzählt die 29-jährige Innenverteidigerin in gutem Englisch. Mit dem Deutsch sei das so eine Sache, sagt der Neuzugang, der im Sommer vom FC Fleury, dem aktuellen Tabellenvierten der 1. französischen Liga, an die Havel kam. „Ich versuche schon, so viel wie möglich deutsch zu sprechen, im Alltag ist es aber ein Mix aus Französisch, Englisch und Deutsch.“

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Deshalb seien auch die ersten Wochen in Deutschland, der ersten Auslandsstation der Französin, hart gewesen. „Neues Land, neue Sprache, neues Team“, zählt Teninsoun Sissoko auf, die bei Turbine alle nur „Teni“ rufen. Jetzt habe sie sich eingewöhnt, hebt die Abwehrspielerin hervor, was auch an der familiären Atmosphäre im Club liege. „Der Coach, die Mädels, der ganze Verein, alle sind sehr freundlich und geben sich sehr viel Mühe, dass ich mich wohlfühle.“

In Bildern: Turbine Potsdam dreht Heimspiel gegen SGS Essen

Frauenfußball-Bundesligist Turbine Potsdam erwischte am Sonntag gegen den Tabellennachbarn keinen guten Start, lag zu Beginn  des zweiten Durchgangs sogar 0:2 in Rückstand, erzwang aber durch Treffer von Sophie Weidauer und Selina Cerci (2) noch den 3:2-Heimsieg. Zur Galerie
Frauenfußball-Bundesligist Turbine Potsdam erwischte am Sonntag gegen den Tabellennachbarn keinen guten Start, lag zu Beginn des zweiten Durchgangs sogar 0:2 in Rückstand, erzwang aber durch Treffer von Sophie Weidauer und Selina Cerci (2) noch den 3:2-Heimsieg. © Saskia Nafe

Geboren im Pariser Département Seine-Saint Denis wuchs Teninsoun Sissoko in Aubervilliers, einem Vorort im Norden der französischen Hauptstadt auf. Einen vorzüglichen Ausblick auf den Montmartre mit der berühmten Basilika Sacré-Cœur hat man von dort, es gibt nette Straßencafés und den örtlichen Amateurverein Aubervilliers Municipal Football Club. Hier begann die Neu-Potsdamerin im Alter von zwölf Jahren mit dem Fußball. Nach einer Station beim Le Mans FC unterschrieb sie 2014 bei AS Saint-Etienne ihren ersten Profivertrag, ehe sie sich 2017 Fleury im Pariser Süden anschloss.

Nun kickt sie also in der Bundesliga – aber mit dem kommenden Gegner, dem SV Werder Bremen, der am Sonntag (13 Uhr) im Karl-Liebknecht-Stadion gastiert, kann sie wenig anfangen. Muss sie auch gar nicht, findet sie, schließlich versuche sie ohnehin, in jedem Spiel ihr Bestes zu geben. „Ich will meine Erfahrung einbringen und mithelfen, dass der Club besser abschneidet als in den letzten Jahren“, sagt Teninsoun Sissoko, die sich in Potsdam prompt einen Stammplatz im Defensivzentrum erarbeitet hat. Dreimal stand sie in der Startelf von Chefcoach Sofian Chahed. Nur zuletzt im Heimspiel gegen Essen (3:2) fehlte die 1,73 Meter große Verteidigerin. „Mein Bruder hat geheiratet, da durfte ich über’s Wochenende in die Heimat fahren.“ Dankbar sei sie für diese Möglichkeit, betont aber: „Jetzt bin ich hier, bereit für das nächste Spiel und fit!“

Rieke Dieckmann kickt jetzt bei den Werder-Frauen

Gegen die Werder-Frauen, denen sich vor der Saison die Ex-Potsdamerin Rieke Dieckmann angeschlossen hat, soll nach Möglichkeit der nächste Sieg her. Über die durchwachsene Ausbeute von sechs Punkten aus vier Spielen sagt die zweifache französische U23-Auswahlspielerin: „Es ist nie okay, es geht immer noch ein bisschen besser.“ Gerade die 0:2-Pleite in Leverkusen ärgere sie immer noch, vielleicht auch, weil sie bereits nach 54 Minuten vom Feld musste. „Da waren wir besser, hätten gewinnen müssen“, gibt sie sich ehrgeizig.

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Ihr Blick aber geht lieber nach vorn. Schließlich ist jeder Kontrahent vollkommenes Neuland für die Abwehrstrategin, die als Ersatz für die nach Montpellier gewechselte Johanna Elsig verpflichtet wurde. Die Lücke, welche die langjährige Abwehrchefin hinterlassen hat, will Teninsoun Sissoko füllen. „Ich will in jedem Spiel neu beweisen, dass ich den Platz in der Startelf verdient habe.“ Dass es in der Bundesliga schneller und körperlicher zugeht als in Frankreich, kommt der dynamischen Verteidigerin durchaus zu Gute. „In Frankreich ist es dafür etwas technischer“, sagt sie.


Nur einmal sei sie vor ihrem Wechsel nach Potsdam in Deutschland gewesen – bei einem Trainingscamp, das ihr deutscher Berater organisiert hatte. Dort habe sie auch Melissa Kössler getroffen. Und am Sonntag wird sie auch wieder einen neuen Bundesliga-Gegner kennenlernen – und hoffentlich in guter Erinnerung behalten.