06. Juni 2021 / 18:30 Uhr

Turbine-Saisonabschluss: Tränen, Tore und Trara auf der Tribüne (mit Galerie)

Turbine-Saisonabschluss: Tränen, Tore und Trara auf der Tribüne (mit Galerie)

Christoph Brandhorst
Märkische Allgemeine Zeitung
06.06.2021, Fußball, 1.Frauenbundesliga, Punktspiel, 1.FFC Turbine Potsdam-SGS Essen, Karl-Liebknecht-Stadion
im Bild: v.l. Stina Johannes (SGS Essen),Bianca Schmidt (1.FFC Turbine Potsdam) Tor zum 2:2
Bianca Schmidt köpft in ihrem letzten Spiel im Turbine-Trikot zum viel umjubelten Ausgleich ein. © Julius Frick
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Frauen-Bundesliga: Turbine Potsdam verabschiedet zum Saisonfinale verdiente Spielerinnen – Bianca Schmidt trifft im letzten Spiel zum 2:2-Endstand gegen Essen.

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Die Szene des Tages gab es zehn Minuten vor dem Abpfiff. Für Johanna Elsig gingen am Sonntagnachmittag in diesem Moment neun Jahre beim Frauenfußball-Bundesligisten Turbine Potsdam zu Ende. Beim abschließenden, aber sportlich wertlosen 2:2 (0:2) gegen die SGS Essen durfte die 28-Jährige noch einmal die Kapitänsbinde tragen. Die übergab sie bei ihrer Auswechslung in der 80. Minute an Bianca Schmidt. Auch die 31-Jährige tritt nach insgesamt sogar zwölf Turbine-Jahren und vielen Titeln ab – eine Szene, die in Erinnerung bleiben wird, gelang ihr noch.

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Vorstand und Fans – knapp 300 Dauerkarteninhaber durften zum Saisonfinale im Karl-Liebknecht-Stadion wieder für Stimmung auf den Rängen sorgen – verabschiedeten nach dem Abpfiff die beiden verdienten Spielerinnen, ebenso wie Torhüterin Emma Lind (Zukunft offen), die Youngster Jamie Gerstenberg und Mieke Schiemann (gehen in die USA) sowie die beiden Physiotherapeuten Thomas Schultz und Jessica Viehweger. Da flossen die Tränen. „Die Emotionen vor dem Spiel haben einen schon überwältigt, deshalb bin ich jetzt ehrlich gesagt auch froh, dass es vorbei ist“, gab Elsig nach dem Abpfiff zu. 2012 war die Verteidigerin mit einem Kreuzbandriss im Gepäck aus Leverkusen nach Potsdam gewechselt. „Ich bin froh, dass ich diesmal gesund rausgekommen bin“, sagte die 15-fache Nationalspielerin.

Nach 0:2-Rückstand: Turbine Potsdam holt gegen die SGS Essen noch einen Punkt.

Im letzten Spiel der Bundesliga-Saison 2020/21 kommt der 1. FFC Turbine Potsdam nach einem 0:2-Pausenrückstand gegen die SGS Essen noch zu einem 2:2-Unentschieden. Die Tore für die Gäste erzielten Estelle Lucie Pauline Laurier (39.) und Lena Ostermeier (44.). Für Turbine waren Sara Holmgaard (48.) und Bianca Schmidt (90.+2) erfolgreich. Zur Galerie
Im letzten Spiel der Bundesliga-Saison 2020/21 kommt der 1. FFC Turbine Potsdam nach einem 0:2-Pausenrückstand gegen die SGS Essen noch zu einem 2:2-Unentschieden. Die Tore für die Gäste erzielten Estelle Lucie Pauline Laurier (39.) und Lena Ostermeier (44.). Für Turbine waren Sara Holmgaard (48.) und Bianca Schmidt (90.+2) erfolgreich. © Julius Frick

Sogar 51 Mal ist Bianca Schmidt für Deutschland aufgelaufen. Bei Turbine war ihr das zuletzt kaum noch vergönnt. „Die ersten Jahre waren sehr erfolgreich, die letzten liefen für mich nicht gut“, blickte die Defensivspielerin zurück, die im Potsdamer Trikot 2010 den Champions-League-Sieg und insgesamt vier Meistertitel feierte. „Spaß haben“, hätte ihr Elsig beim Wechsel mit auf den Weg gegeben. Und den hatte Bianca Schmidt noch mal. In der zweiten Minute der Nachspielzeit klärte Essen nach einem Freistoß nicht, Turbines Nummer 20 stieg zum Kopfball hoch und nickte zum umjubelten 2:2 ein.



Mit dem Remis zum Abschluss konnten am Ende alle leben. Zumal am vierten Platz des 1. FFC schon vor dem letzten Spieltag nicht mehr zu rütteln war. Für die erhoffte Europapokal-Qualifikation genügt das nicht. Mit Johanna Elsig und Bianca Schmidt gehen die letzten beiden Spielerinnen, die das mit Turbine erlebt haben. Doch die Unbeständigkeit, die Chaheds Elf auch gegen Essen an den Tag legte, zog sich wie ein roter Faden durch die Saison und verhinderte letztlich ein besseres Abschneiden. „Wir waren in der ersten Halbzeit die klar bessere Mannschaft, aber machen die Tore nicht“, analysierte Johanna Elsig. Stattdessen führte die SGS nach einem Schlenzer von Estelle Laurier (39.) und einem sehenswerten Fallrückzieher von Lena Ostermeier (44.). Direkt nach Wiederanpfiff verkürzte Sara Holmgaard aus 20 Metern (48.).

Zukunft von Bianca Schmidt noch offen

Der Schlusspunkt war Bianca Schmidt vorbehalten. „Da ist mir nochmal einer gelungen“, sagte sie gewohnt cool. Während Johanna Elsigs Weg wohl nach Frankreich zum HSC Montpellier führt, ist die Zukunft der gebürtigen Thüringerin offen. „Ich wäre gern geblieben“, sagte sie. Doch bei Turbine traute man ihr die 1. Bundesliga sportlich nicht mehr zu. „Vielleicht spiele ich nochmal im Ausland“, so die angehende Polizistin. „Sonst fange ich halt im Oktober an, als Kommissarin hier in Potsdam die Stadt sicherer zu machen“, fügte sie lachend hinzu.

Turbine Potsdam: Mersnik – Weidauer, Elsig (80. B. Schmidt), Agrez, S. Holmgaard – Chmielinski, Graf (67. K. Holmgaard), Orschmann (67. Kössler), Barth (67. Mesjasz), Ehegötz (55. Höbinger) – Cerci.