05. Februar 2021 / 21:44 Uhr

Turbine Potsdam rutscht im Schneeduell mit dem VfL Wolfsburg einmal zu viel aus

Turbine Potsdam rutscht im Schneeduell mit dem VfL Wolfsburg einmal zu viel aus

Christoph Brandhorst
Märkische Allgemeine Zeitung
20210205_Wolfsburg_Potsdam_(c)SN-04
Wolfsburgs Ingrid Engen (l.) entwischt Turbine-Neuzugang Karen Holmgaard. © Saskia Nafe
Anzeige

Frauen-Bundesliga: Sofian Chaheds Turbinen legen beim Doublesieger einen couragierten Start hin, gleichen zweimal aus, stehen am Ende aber mit leeren Händen da. Starker Schneefall sorgte für viele Zufallsprodukte auf dem Platz. Eine Absage wäre durchaus vertretbar gewesen.

Anzeige

Die Rasenheizung im Wolfsburger AOK-Stadion kam am Freitagabend nicht mehr hinterher. Turbine Potsdams Jahresauftakt in der Frauenfußball-Bundesliga beim VfL, dem Dominator der letzten Jahre, wurde im dichten Schneefall zur Rutschpartie. Eine Absage wäre durchaus vertretbar gewesen. Wolfsburgs Ex-Potsdamerin Felicitas Rauch meinte nach dem Abpfiff, dass sie solche Bodenverhältnisse "nur bei abgesagten Spielen" schon mal gesehen habe und dass "viel Zufall dabei war".

Anzeige

Die widrigen Bedingungen schienen den Gästen um Trainer Sofian Chahed zunächst in die Karten zu spielen. Es dauerte eine Weile, ehe sich die individuelle Überlegenheit der Wölfinnen auf dem weißen Untergrund, der vieles zum Zufall machte, abzeichnete. Am Ende rutschte Turbine beim 2:3 (1:2) einmal zu viel aus. Chahed setzte beim Kaltstart – Turbine bestritt im Winter corona-bedingt kein einziges Vorbereitungsspiel – auf vier Neulinge. Emma Lind im Tor sowie die dänischen Zwillinge Karen und Sara Holmgaard und das 19-jährige Eigengewächs Lea Bahnemann in der Vierer-Abwehrkette durften von Beginn an ran.

Turbine Potsdam verliert Schneeschlacht beim VfL Wolfsburg

Turbine Potsdam legt im Auswärtsspiel bei Doublesieger VfL Wolfsburg einen couragierten Start hin, kassiert aber letztlich eine 2:3 (1:2)-Niederlage im Wolfsburger Schneegestöber, das viele Aktionen auf dem Platz zu Zufallsprodukten machte. Zur Galerie
Turbine Potsdam legt im Auswärtsspiel bei Doublesieger VfL Wolfsburg einen couragierten Start hin, kassiert aber letztlich eine 2:3 (1:2)-Niederlage im Wolfsburger Schneegestöber, das viele Aktionen auf dem Platz zu Zufallsprodukten machte. © Saskia Nafe

Aber auch der scheidende VfL-Coach Stephan Lerch hatte einen Zugang aufzubieten: Die Schwedin Rebecka Blomqvist kam aus Göteborg und traf in ihrem ersten Bundesliga-Spiel nach 23 Minuten zum 1:0 für den Favoriten. Bis dahin hatten die Potsdamerinnen Chaheds neu formulierte Spielidee gut umgesetzt. Mehr Mut hatte der Trainer gefordert. „Wir wollen den Gegner nicht nur begleiten“, sagte er. Und die Gäste waren keinesfalls als Geleitschutz für den Doublesieger in die Autostadt gereist, sie stellten die Wolfsburgerinnen vor Probleme. Selina Cerci ließ mit einem Antritt erst drei Gegenspielerinnen stehen und dann aus 25 Metern auch VfL-Torfrau Katarzyna Kiedrzynek alt aussehen – 1:1 (27.). Doch schon beim Eckball kurz darauf wirkte die Turbine-Defensive wieder indisponiert. Aus dem Schneegestöber im Fünfmeterraum traf Nationalspielerin Kathrin Hendrich zur erneuten Wolfsburger Führung (28.). Kurz vor der Pause kam es für die Brandenburgerinnen noch schlimmer: Startelf-Debütantin Lea Bahnemann rauschte – halb ausgerutscht, halb übermotiviert – in Lena Oberdorf hinein und sah dafür die gelb-rote Karte.

In Unterzahl probierten es Chaheds Turbinen mit Nadelstichen, nicht selten half dabei das rutschige Geläuf. So wie in der 51. Minute, als Nina Ehegötz an der Sechzehnergrenze an den Ball kam, ihn im Fallen voll traf und zum 2:2 versenkte. Zu rutschig wurde es anschließend aber auch für Potsdams Torfrau Emma Lind, als sie den Schuss aus spitzem Winkel von Zsanett Jakabfi zum 2:3 aus Potsdamer Sicht passieren ließ (57.). Wieder lief Turbine hinterher, Entlastungsangriffe wurden immer seltener. Emma Lind verhinderte gegen Svenja Huth den K.o. (87.), doch der VfL spielte den Vorsprung souverän runter. Da half auch die Potsdamer Brechstangen-Taktik in der Schlussphase nicht mehr.


VfL Wolfsburg: Kiedrzynek - Hendrich, Doorsoun, Goeßling, Rauch - Engen, Obi - Wolter (67. Blässe), Huth (90.+2 Svava), Rolfö (33. Jakabfi) - Blomqvist (67. Popp).

Turbine Potsdam: Lind - Bahnemann, Elsig, K, Holmgaard, S. Holmgaard - Mesjasz, Barth (81. Gerhardt) - Kössler (60. Chmielinski), Höbinger (45. Graf), Ehegötz (60. Weidauer) - Cerci (78. Mori).

Schiedsrichterin: Mika Derlin (Bad Schwartau)

Tore: 1:0 (23.) Blomqvist, 1:1 (30.) Cerci, 2:1 (31.) Hendrich, 2:2 (51.) Ehegötz, 3:2 (57.) Jakabfi.

Gelb-Rot: Bahnemann (42.).