20. November 2020 / 13:53 Uhr

Turbine Potsdam zwischen Euphorie und Achtsamkeit

Turbine Potsdam zwischen Euphorie und Achtsamkeit

Christoph Brandhorst
Märkische Allgemeine Zeitung
07.10.2020, Fußball, 1.Frauenbundesliga, Punktspiel, 1.FFC Turbine Potsdam-SC Freiburg, Karl-Liebknecht-Stadion
im Bild: v.l. Selina Cerci (1.FFC Turbine Potsdam) celebrate the goal,Torjubel zum 1:0
Turbines Selina Cerci trifft gegen Werder Bremen auf ihren Ex-Club. © Julius Frick
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Frauen-Bundesliga: Nach dem Erfolg im direkten Duell mit Eintracht Frankfurt ist Turbine Potsdam nun gegen Aufsteiger Werder Bremen gefordert. Trainer Sofian Chahed warnt vor dem Liga-Neuling.

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Das letzte Heimspiel des Jahres in der Frauenfußball-Bundesliga wird für Turbine Potsdam zur Gratwanderung. Wenn die Elf von Trainer Sofian Chahed am Sonntag (14 Uhr/Karl-Liebknecht-Stadion) den SV Werder Bremen empfängt, bewegt sie sich zwischen Euphorie und Achtsamkeit. Chaheds Aufgabe in dieser Woche war es, nach dem verdienten 1:0-Auswärsterfolg beim direkten Konkurrenten Eintracht Frankfurt die Sinne zu schärfen für das Duell mit dem Aufsteiger von der Weser.

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„Wir wollen die Leistung vom letzten Wochenende unterstreichen“, sagt der Turbine-Coach. Und natürlich auch den Schwung mitnehmen, die gute Stimmung nach diesem großen Schritt in Richtung des dritten Platzes, der die Teilnahme an der Champions League in der kommenden Saison bedeuten würde. Doch Chahed mahnt eben auch zur Vorsicht – nicht ohne Grund. „Wir waren schon einmal in dieser Situation, ganz zum Anfang der Saison“, erinnert sich der frühere Bundesliga-Profi. Dem 3:1-Auftakterfolg gegen Hoffenheim folgte im September ein mageres 2:2 bei Liga-Neuling SV Meppen.

In Bildern: Turbine Potsdam gewinnt Klassiker in Frankfurt.

Turbine Potsdam gewinnt Premierenduell mit Eintracht Frankfurt 1:0 (0:0) und festigt Rang 3 in der Frauenfußball-Bundesliga. Die eingewechselte Gina Chmielinski erzielte in der 76. Minute das Tor des Abends im Stadion am Brentanobad. Zur Galerie
Turbine Potsdam gewinnt Premierenduell mit Eintracht Frankfurt 1:0 (0:0) und festigt Rang 3 in der Frauenfußball-Bundesliga. Die eingewechselte Gina Chmielinski erzielte in der 76. Minute das Tor des Abends im Stadion am Brentanobad. © Saskia Nafe

„Da dachten wir, es läuft von alleine“, sagt Chahed, „wir haben Lehrgeld bezahlt. Das gilt es, nicht noch einmal zu tun.“ Die Warnungen des Potsdamer Trainers sind nicht aus der Luft gegriffen. Werder sammelte als Erstliga-Rückkehrer schon neun Zähler und zuletzt durch einen 5:3-Sieg gegen den MSV Duisburg auch reichlich Selbstvertrauen. „Da haben sie gezeigt, dass sie Tore schießen können“, sagt Chahed. Agata Tarczynska ist mit fünf Treffern die Top-Torschützin der Bremerinnen. Die Polin lief in der Saison 2013/14 für den damaligen Zweitligisten Blau-Weiss Hohen Neuendorf aus Oberhavel auf. Und Werders Ungarin Gabriella Tóth holte 2015 mit dem 1. FC Lübars, seinerzeit das Frauenfußball-Projekt von Hertha BSC, die Meisterschaft in Liga zwei.

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Heute heißt der Kooperationspartner des Hauptstadtclubs in Sachen Frauenfußball Turbine Potsdam. Und der Traditionsverein aus der Landeshauptstadt strebt nach sechs Jahren ohne internationalen Startplatz wieder die Qualifikation für den Europapokal an. „Da sehen wir Hoffenheim als direkten Konkurrenten. Ich schätze sie auch spielerisch stärker ein als Frankfurt“, analysiert Sofian Chahed, der selbst als Aktiver immerhin in neun Uefa-Cup- und sieben Europa-League-Partien zum Einsatz kam. Kurz vor Weihnachten kommt es im offiziell ersten Rückrundenspiel sogar schon zum zweiten direkten Duell mit der TSG. So weit schaut der 37-jährige Turbine-Trainer aber noch nicht voraus. „Vorher müssen wir unsere Hausaufgaben machen, der Tabellenplatz sagt jetzt noch nicht viel aus“, fordert Chahed.


Deshalb zählen jetzt vor allem positive Ergebnisse. „Wir wollen gewinnen, zu Null spielen, spielerisch da ansetzen, wo wir in Frankfurt aufgehört haben“, sagt der Coach vor dem Heimspiel am Sonntag, zu dem im „Karli“ erneut keine Zuschauer zugelassen sind. Ein Stolperer wie in Meppen soll sich nicht wiederholen: „Ich denke, dass die Mädels jetzt einen Schritt weiter sind.“