15. Juli 2020 / 10:59 Uhr

Turbine-Trainer Sofian Chahed im SPORTBUZZER-Interview: "Überraschungsfußball und Attacke"

Turbine-Trainer Sofian Chahed im SPORTBUZZER-Interview: "Überraschungsfußball und Attacke"

Christoph Brandhorst
Märkische Allgemeine Zeitung
Sofian Chahed hat seine Arbeit als Turbine-Trainer am Potsdamer Luftschiffhafen aufgenommen.
Sofian Chahed hat seine Arbeit als Turbine-Trainer am Potsdamer Luftschiffhafen aufgenommen. © Saskia Nafe
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Frauen-Bundesliga: Turbine Potsdams neuer Trainer Sofian Chahed spricht über seine Ideen und Hoffnungen, die er mit seinem Wechsel in den Frauenfußball verbindet.

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Der Ex-Herthaner Sofian Chahed ist seit Anfang Juli neuer Trainer des Frauenfußball-Bundesligisten Turbine Potsdam. Der 37-Jährige, der auf den scheidenden Matthias Rudolph folgt, soll nicht nur die Bundesliga-Mannschaft führen, sondern auch die Verbindung zu den Nachwuchstrainern herstellen und ein einheitliches Spielsystem aller Turbine-Teams fördern. Am 20. Juli startet er mit seiner neuen Mannschaft in die Vorbereitung.

Herr Chahed, sie sind seit gut zwei Wochen offiziell als Trainer bei Turbine Potsdam in der Verantwortung. Was war ihre erste Amtshandlung?

Sofian Chahed: Erstmal habe ich das neue Büro eingerichtet, ein, zwei Kleinigkeiten verändert. Und dann natürlich ganz viel organisiert – mit der Pressestelle, mit Geschäftsführer Stephan Schmidt, wenn es um das Trainingslager und die Testspiele geht. Das hat mir Spaß gemacht. Ich war auch häufig hier am Luftschiffhafen, habe mir einen Überblick verschafft. Jetzt freue ich mich auf den 20. Juli, wenn es endlich raus auf den Platz geht.

Kennenlernen mussten Sie auch ihr Trainerteam. Ist das inzwischen komplett?

Dirk Heinrichs kannte ich schon, bevor ich das erste Mal bei Turbine aufgeschlagen bin. Wir haben mit Herthas U15 gegen Turbine gespielt, da waren wir in Kontakt, haben uns ab und zu mal ausgetauscht. Wir als Staff haben uns schon in einer lockeren Runde kennengelernt, weil das Team hinter dem Team auch wichtig ist. Ich bringe aber niemanden mit. Eric Steinborn wird das Trainerteam ergänzen und im Athletikbereich arbeiten. Wir freuen uns, dass wir da eine weitere Kraft gewinnen konnten.

In Bildern: 50 ehemalige Spielerinnen vom 1. FFC Turbine Potsdam – und was aus ihnen wurde

Klickt Euch durch die Galerie der 50 ehemaligen Spielerinnen vom 1. FFC Turbine Potsdam. Zur Galerie
Klickt Euch durch die Galerie der 50 ehemaligen Spielerinnen vom 1. FFC Turbine Potsdam. ©

Wie wichtig ist es für Sie, dass mit Dirk Heinrichs ein turbine-erfahrener Mann als Co-Trainer an ihrer Seite bleibt?

Extrem wichtig. Er kennt die ganzen Abläufe und Strukturen, nicht nur im Verein, sondern auch im Frauenfußball. Deshalb war es auch mein Wunsch, dass er bleibt, aber auch vom Verein nicht anders gewollt.

Für Sie ist es die erste Station im Frauenfußball. Wie sehr haben Sie sich damit im Vorfeld auseinandergesetzt?

Ab und zu habe ich schon ein Spiel im Fernsehen geschaut. Aber so richtig intensiv wurde es erst, als Turbine ins Gespräch kam. Ich habe aber durch meine Profi-Laufbahn glücklicherweise in ganz Deutschland ein gutes Netzwerk und habe mich viel ausgetauscht – da habe ich bisher nur Positives gehört. Auch bei den Gesprächen mit Turbine hatte ich sofort ein gutes Bauchgefühl.

Sie haben sich einige Turbine-Spiele als Video angesehen, waren beim letzten Saisonspiel gegen Hoffenheim sogar schon im Stadion. Wie war ihr erster Eindruck von der Mannschaft?

Ich war positiv überrascht. Was ich im Stadion gesehen habe, war taktisch sehr gut. Das war sehr diszipliniert und kompakt, mit einer sauberen Viererkette und einem sauberen Spielaufbau. Sicherlich sind mir zwei, drei Sachen aufgefallen, die nicht ganz so gut liefen, aber das ist überhaupt nicht schlimm. Das sind Kleinigkeiten.

Auf welche Art Fußball können sich Turbine-Fans unter Sofian Chahed freuen?

(Lacht) Überraschungsfußball und Attacke! Mehr verrate ich heute noch nicht.

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Gab es Kontakt mit ihrem Vorgänger Matthias Rudolph?

Nein, dazu gab es leider keine Gelegenheit. Er hat gute Arbeit geleistet, auch gute Neuverpflichtungen getätigt. Er war nach Bernd Schröder vier Jahre als Cheftrainer für Turbine tätig und hat insofern auch eine Zeit hier geprägt. Ich freue mich jetzt aber, das Ruder hier in die Hand zu nehmen und Turbine hoffentlich auch ein bisschen in neues Fahrwasser zu leiten.

Sie waren in den vergangenen vier Jahren als Trainer in der Nachwuchsakademie von Hertha BSC tätig. Was wird sich in ihrer Arbeit in Potsdam verändern?

Ich glaube, maximal in der Ansprache wird sich ein bisschen was ändern. Aber ich werde ich bleiben. Es stehen auch hier elf Spielerinnen auf dem Platz und die Taktik bleibt die Gleiche. So werde ich es auch angehen.

Gibt es auch Parallelen zu ihrer Arbeit bei Hertha BSC?

Die Zusammenarbeit mit dem Luftschiffhafen wird sicher interessant werden, da die Spielerinnen teilweise noch hier aufs Gymnasium gehen. Das war in Berlin auch so. Insofern kenne ich die Strukturen mit der Sportschule. Jetzt muss man schauen, welche feinen Unterschiede es gibt.

Sie bringen sicher auch personell ihre eigenen Vorstellungen mit. Wird es weitere Neuzugänge für Turbine geben?

Ich bin mit Stephan Schmidt (Geschäftsführer; Anm.d.Red.) in engem Austausch. Da wir leider drei Langzeitverletzte haben, schauen wir gerade, ob wir vielleicht nochmal aktiv werden. Wir haben die Augen und Ohren offen.

Am Montag werden Sie zum ersten Mal mit der Mannschaft trainieren. Wo liegen zu Beginn der Vorbereitung die Schwerpunkte?

Zuerst kommen die Grundlagen. Taktische Dinge sind aber von Anfang an mit dabei. Im Trainingslager kommt dann der Feinschliff. Danach wird es nochmal ein bisschen um Spritzigkeit und Schnelligkeit gehen, sodass wir dann zum ersten Spiel am 5./6. September topfit sind. Außerdem werde ich versuchen, im Laufe der Vorbereitung auch mit jeder Spielerin ein Einzelgespräch zu führen.

Gefragter Gesprächspartner am ersten Tag: Sofian Chahed.
Sofian Chahed bei seiner Vorstellung als neuer Trainer von Turbine Potsdam. © Christoph Brandhorst
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Bei ihrer Vorstellung haben Sie betont, gemeinsam mit der Mannschaft eine Zielstellung für die neue Saison entwickeln zu wollen. Ist der 3. Platz, der dann erstmals auch für die Champions League berechtigt, da ein Anreiz?

Hundertprozentig! Wir sind im Leistungsbereich, da zählen am Ende der Saison natürlich Tabellenplätze und Punkte. Ich hoffe, dass die Mannschaft genau so ehrgeizig ist. Dann schauen wir aber, was von den Spielerinnen kommt. Ich werde mich jetzt nicht festlegen und sagen, dass wir Dritter, Vierter, Zweiter oder Erster werden. Wir werden das Ziel gemeinsam mit der Mannschaft erarbeiten.

Was glauben Sie, wie kann sich Turbine Potsdam in der Bundesliga gegen die Dominanz der Lizenzvereine wie Wolfsburg oder Bayern behaupten?

Wir wollen junge Talente entwickeln und sie bestmöglich auf alles Weitere vorbereiten. Ich denke, dass wir mit unseren jungen Spielerinnen hier sehr gut fahren. Das zeigen auch die Transfers von Lena Uebach (kommt von Bayer Leverkusen; Anm.d.Red.) und Selina Cerci (Werder Bremen), da haben wir zwei talentierte Spielerinnen geholt, die wir jetzt weiterentwickeln müssen. Wir versuchen, den Spielerinnen hier dafür ein gutes, familiäres Umfeld zu bieten. Vergleichen können wir uns mit den Lizenzvereinen nicht, schon rein finanziell. Die kaufen sich die besten Spielerinnen, das können und wollen wir nicht. Wir wollen Spielerinnen entwickeln.

Zum Abschluss eine private Frage: Auf Instagram sah man Sie kürzlich mit Ex-Profi Maik Franz, Weltmeister André Schürrle und Ex-Hertha-Angreifer Sami Allagui auf dem Tennisplatz. Wie kam es denn zu dieser illustren Runde?

Ich spiele seit einem Jahr regelmäßig mit einem alten Fußballfreund Tennis. Da haben sich dann immer mehr angeschlossen, mittlerweile sind wir eine große Runde. Jeden Dienstagabend stehen da interessante Matches auf dem Court an. Normalerweise ist auch Malik Fathi dabei, der kennt André Schürrle aus gemeinsamen Zeiten in Mainz, also kam er mal mit dazu.