14. Oktober 2017 / 20:29 Uhr

Turbulentes Spitzenspiel : RB Leipzig mit Sensationssieg in Dortmund

Turbulentes Spitzenspiel : RB Leipzig mit Sensationssieg in Dortmund

Anne Grimm
Leipziger Volkszeitung
Torschütze Yussuf Poulsen und Bruma von bejubeln das 1:2 gegen Dortmund.
Torschütze Yussuf Poulsen und Bruma von bejubeln das 1:2 gegen Dortmund. © dpa
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Zwei Platzverweise, zwei Elfmeter und viele Tore – RB Leipzig gewinnt das Topspiel und fügt dem Spitzenreiter BVB die erste Bundesliga-Niederlage zu.

Dortmund. Sensationssieg für RB Leipzig beim ungeschlagenen Tabellenführer Borussia Dortmund. Das Team von Trainer Ralph Hasenhüttl hat mit dem 3:2 (2:1)-Erfolg beim BVB am Samstagabend eine beeindruckende Serie geknackt und den Schwarz-Gelben die erste Heimniederlage in der Bundesliga nach zweieinhalb Jahren zugefügt. Vor mehr als 80.000 Zuschauern hätte es kaum mehr Dramatik, Spannung und Gesprächsstoff geben können.

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Von einem frühen Rückstand lassen sich die Leipziger nicht schocken, bereits nach zehn Minuten gleicht Marcel Sabitzer zum 1:1 aus. Mit dem 2:1 von Yussuf Poulsen (25.) geht der Vizemeister in die Kabine. Nach der Pause erhöht Jean-Kevin Augustin per Elfmeter schnell zum 3:1. Der BVB verkürzt ebenfalls per Strafstoß noch einmal auf 3:2. Nach 41 Bundesligaheimspielen ohne Niederlage in Serie ist Dortmund erstmals wieder geschlagen.

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Hasenhüttl geriet im Anschluss regelrecht ins Schwärmen: „Wir waren, obwohl wir sehr schnell 0:1 in Rückstand geraten sind, immer von uns überzeugt. Wir haben den Gegner mit unseren schnellen Gegenstößen vor Probleme gestellt und im richtigen Moment die Tore gemacht. Ich bin sehr stolz auf diese tolle Truppe.“

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Sein Gegenüber Peter Bosz lobte den Sieger, kritisierte aber seine Mannschaft: „Gratulation an Leipzig, es ist das erste Mal, dass ich das in der Bundesliga mache. Auch wenn Leipzig sehr gut Druck gemacht hat, haben wir es nicht gut gemacht. Es war heute nicht unser Fußball, wir haben die Räume nicht gut genutzt und auch noch schlecht verteidigt. In der zweiten Halbzeit haben wir versucht, es anders zu machen. Doch wir haben unsere Chancen nicht genutzt, deshalb hat Leipzig verdient gewonnen.“

Mutige Aufstellung

Einige Überraschungen hat Ralph Hasenhüttl parat, entscheidet sich für eine offensive Ausrichtung: Bruma beginnt für Emil Forsberg, der in dieser Woche am längsten mit der Nationalmannschaft unterwegs war. Kevin Kampl, der 2015 für ein halbes Jahr das BVB-Trikot trug, darf für Diego Demme anfangen. In der Innenverteidigung ersetzt Stefan Ilsanker Kapitän Willi Orban. Marcel Sabitzer trägt die Binde des Spielführers, erfährt das erst kurz vor Anpfiff. Timo Werner nimmt auf der Bank Platz.

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Borussia Dortmund - RB Leipzig (Imago) (4) Zur Galerie
Borussia Dortmund - RB Leipzig (Imago) (4) ©

Vor dem Stadion ist es extrem entspannt geblieben. Doch die Dortmunder Südtribüne lässt es sich nicht nehmen, mit Plakaten zu provozieren. „Die Wand der Schande grüßt die Schande der Liga“, steht auf dem größten aller Banner. Die BVB-Fans mimen in der Anfangsphase die Besiktas-Anhänger und pfeifen immer wenn die Leipziger in Ballbesitz sind.

Mentale Stärke

Bereits nach fünf Minuten nutzt der Gastgeber einen Patzer von Ilsanker, dem der Ball verspringt, zur Führung. Torjäger Aubameyang schaltet schnell und sprintet auf Peter Gulacsi zu. Sein Schuss landet im unteren rechten Eck. Die Leipziger bleiben völlig unbeeindruckt. Nur zwei Minuten später hat Augustin den Ausgleich auf dem Fuß – Keeper Bürki rettet die Dortmunder mit einer Beinparade.

DUCHKLICKEN: Die RB-Elf in der Einzelkritik

Péter Gulácsi: Bärenstark auf der Linie, mehrfach Retter in der Not. Note 2. (@ GEPA Pictures) Zur Galerie
Péter Gulácsi: Bärenstark auf der Linie, mehrfach Retter in der Not. Note 2. (@ GEPA Pictures) ©

Dafür setzt sich Halstenberg nach einem Freistoß im Kopfballduell gegen Toljan durch und verlängert auf Sabitzer – der ist vor Bürki zur Stelle und nickt zum Ausgleich (10. ) ein. Die RB-Führungsriege um Ralf Rangnick und Oliver Mintzlaff jubelt auf der Pressetribüne.
Keita ist nach einer Viertelstunde als erster Spieler auf dem Rasen schon wieder mit Gelb vorbelastet. Nach 20 Minuten fängt sich der Gastgeber wieder. Götze tankt sich mehrfach durch die RB-Abwehr, Sahins Distanzschuss flattert nur knapp am RB-Tor vorbei.

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Roman Bürki: Mit der Schweizer Nationalmannschaft muss der Torhüter nachsitzen, will er bei der WM im kommenden Jahr in Russland dabei sein, beim BVB läuft es wie am Schnürchen. Zumindest in der Liga, wo Roman Bürki in dieser Saison erst zweimal hinter sich greifen musste. Gegen Leipzig zeigte Bürki am Anfang einen ganz starken Fußreflex, am ersten Gegentor, als er am Ball vorbeisegelte, war er jedoch ebenso beteiligt wie am zweiten, als er Brumas Pass durch die Beine ließ. NOTE 4 Zur Galerie
Roman Bürki: Mit der Schweizer Nationalmannschaft muss der Torhüter nachsitzen, will er bei der WM im kommenden Jahr in Russland dabei sein, beim BVB läuft es wie am Schnürchen. Zumindest in der Liga, wo Roman Bürki in dieser Saison erst zweimal hinter sich greifen musste. Gegen Leipzig zeigte Bürki am Anfang einen ganz starken Fußreflex, am ersten Gegentor, als er am Ball vorbeisegelte, war er jedoch ebenso beteiligt wie am zweiten, als er Brumas Pass durch die Beine ließ. NOTE 4 ©

Brumas Alleingang

Der BVB hat vor dem Anpfiff erst zwei Gegentreffer in der Bundesliga kassiert – nach 25 Minuten zappelt der Ball schon zum zweiten Mal im Netz der Dortmunder. Erneut ist die rechte BVB-Abwehrseite, wo sonst der verletzte Luksa Piszcek seinen Stammplatz hat, die Schwachstelle der Schwarz-Gelben. Bruma setzt sich im Alleingang gegen Toljan durch, tunnelt anschließend Bürki. Poulsen muss nur noch zum 2:1 einschieben (25.).


Dortmund wird nach einer halben Stunde von den eigenen Fans ausgepfiffen, weil es gegen clever stehende und schnelle umschaltende Leipziger nicht zur Entfaltung kommt. RB kann endlich mal wieder den Pressingfußball spielen, der ihm liegt.

DURCHKLICKEN: Protestmarsch der BVB-Fans

Vor dem Spiel protestierten die Anhänger von Borussia Dortmund mit einem Fanmarsch gegen RB Leipzig und Kommerzfußball. (@ Imago) (3) Zur Galerie
Vor dem Spiel protestierten die Anhänger von Borussia Dortmund mit einem Fanmarsch gegen RB Leipzig und Kommerzfußball. (@ Imago) (3) ©

Hasenhüttl setzt auf Sicherheit

Nach der Pause kommt Diego Demme für den Gelb vorbelasteten Keita. Dortmund wechselt gleich auf zwei Positionen: Weigl kommt für Sahin, Pulisic für Toljan. Der Wiederbeginn ist turbulent: Sokratis bringt Augustin im Strafraum zu Fall und sieht dafür Rot. Der Franzose tritt selbst an und verwandelt sicher in der rechten, unteren Ecke zum 3:1.

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RB Fans verfolgen die Partie gegen Dortmund (Dirk Knofe) (4) Zur Galerie
RB Fans verfolgen die Partie gegen Dortmund (Dirk Knofe) (4) © Dirk Knofe

Auch RBL steht ab der 56. Minute nur noch mit zehn Mann auf dem Platz: Ilsanker sieht nach Fouls an Götze und Aubameyang innerhalb von kurzer Zeit Gelb-Rot. Schlimmer noch: auch der BVB bekommt einen Foulelfmeter. Nach einer Berührung von Upamecano an Aubameyang zieht Schiedsrichter Aytekin den Videoassistenten zu Rate und zeigt auf den Punkt. Der BVB-Stürmer verwandelt zum 2:3-Anschlusstreffer.
Hasenhüttl reagiert, bringt Konrad Laimer für den Torschützen Augustin und stärkt weiter seine Defensive. Es bleibt eine wacklige Angelegenheit, Dortmund drückt auf den Ausgleich. In der 84. Minute hält Gulacsi einen Kopfball von Yarmolenko. Orban kommt in der Schlussphase für Sabitzer. Der Rest ist nur noch Bangen und grenzenloser Jubel.

DURCHKLICKEN: Die Stimmen zum Spiel

Mario Götze (BVB): „Der Schiedsrichter und sein Gespann haben es sehr gut gemacht. Wir müssen auf uns und unsere Gegentore schauen. Das war nicht optimal. Drei Gegentore zu Hause, das darf uns nicht passieren. Wenn wir das frühe 1:0 machen, brauchen wir mehr Stabilität, müssen auf das zweite Tor gehen. Dann kommen wir aus der Pause, bekommen das dritte Gegentor plus die Rote Karte. Schlechter hätte es nicht laufen können. Wenn Auba das dritte macht, spielen wir 3:3. Wenn man ehrlich ist, haben wir auch Pech gehabt.“ (@Imago) Zur Galerie
Mario Götze (BVB): „Der Schiedsrichter und sein Gespann haben es sehr gut gemacht. Wir müssen auf uns und unsere Gegentore schauen. Das war nicht optimal. Drei Gegentore zu Hause, das darf uns nicht passieren. Wenn wir das frühe 1:0 machen, brauchen wir mehr Stabilität, müssen auf das zweite Tor gehen. Dann kommen wir aus der Pause, bekommen das dritte Gegentor plus die Rote Karte. Schlechter hätte es nicht laufen können. Wenn Auba das dritte macht, spielen wir 3:3. Wenn man ehrlich ist, haben wir auch Pech gehabt.“ (@Imago) ©

Die Statistik zum Spiel:

RBL: Gulacsi - Bernardo, Ilsanker (Gelb-Rot, 56.), Upamecano, Halstenberg - Kampl, Keita (46. Demme) – Sabitzer (86. Orban), Bruma - Poulsen, Augustin (65. Laimer)

BVB: Bürki – Toljan (46. Pulisic), Sokratis (Rot, 47.), Toprak, Zagadou - Castro, Sahin (46. Weigl), Götze - Yarmolenko, Aubameyang, Philipp (50. Bartra)

Tore: 1:0 Aubameyang (5.), 1:1 Sabitzer (10.), 1:2 Poulsen (25.), 1:3 Augustin, Foulelfmeter (49.), 2:3 Aubameyang, Foulelfmeter (64.)

Zuschauer: 80.100

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