20. September 2021 / 17:19 Uhr

Türkei-Trainer Stefan Kuntz über Werben um Top-Talente: Erwarte "keinen Gewissenskonflikt"

Türkei-Trainer Stefan Kuntz über Werben um Top-Talente: Erwarte "keinen Gewissenskonflikt"

Redaktion Sportbuzzer
RedaktionsNetzwerk Deutschland
Stefan Kuntz ist als neuer Trainer der türkischen Nationalmannschaft gefordert.
Stefan Kuntz ist als neuer Trainer der türkischen Nationalmannschaft gefordert. © dpa (Montage)
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Als erfolgreichster U21-Nationaltrainer der DFB-Geschichte zieht es Stefan Kuntz in die Türkei. Mit der türkischen A-Nationalmannschaft will der 58-Jährige die Qualifikation zur WM 2022 in Katar schaffen. Theoretisch könnte Kuntz sein Team mit Talenten aus den DFB-Juniorenmannschaften verstärken. Einen Gewissenskonflikt erwartet er dabei nicht.

Der bisherige deutsche U21-Erfolgscoach Stefan Kuntz hat einen Vertrag für drei Jahre als neuer türkischer Nationaltrainer unterschrieben. Am Montag wurde der 58-Jährige in Istanbul als Nachfolger von Senol Günes offiziell vorgestellt und soll die Türkei zur WM 2022 in Katar führen. Dafür sei angesichts der misslichen sportlichen Lage "ein kleines Wunder" notwendig, wie er auf einer Medienrunde am Montag erklärte.

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Bei dem ambitionierten Vorhaben wolle er sich von einer Kombination aus der Qualität der Spieler, "die echt großes Potenzial" besäßen und "der Unterstützung der türkischen Fans" tragen lassen, erklärte Kuntz weiter. Wären auch Talente aus den DFB-Juniorenmannschaften eine Option für den A-Kader der Türkei? Mit Akteuren wie Emrehan Gedikli von Bayer Leverkusen (18 Jahre), Kerim Calhanoglu vom FC Schalke 04 (19) oder Eyüp Aydin vom FC Bayern (17) spielen mehrere Youngster mit deutsch-türkischer Staatsbürgerschaft im deutschen Nachwuchs. Konkret habe er auf die Talente jedoch aktuell noch "kein Auge geworfen", so Kuntz auf SPORTBUZZER-Nachfrage. "Die Spieler sind noch nicht ganz so weit, um für die A-Nationalmannschaft zu spielen."

Zudem könne er niemanden "gegen seine innere Überzeugung" für eine Nation gewinnen, erklärte der 25-malige deutsche Nationalspieler weiter. "Wenn man sich mehr deutsch fühlt, wird man logischerweise eher in Deutschland bleiben." Folglich erwartet Kuntz auch nicht, dass er "in einen Gewissenskonflikt" kommt, erklärte der 58-Jährige und verwies auf die eigenständige Entscheidungshoheit der Akteure. "Die Spieler haben das in sich drin, für welches Land sie spielen wollen."

So oder so steht der frühere Stürmer, der 1995/1996 für Besiktas Istanbul spielte, bei seinem neuen Job vor einer herausfordernden Aufgabe. Um die Qualifikation für die Weltmeisterschaft im kommenden Jahr direkt zu schaffen, muss die Türkei in der Gruppe G den ersten Platz belegen. Als Zweiter bestünde noch die Chance, sich das Ticket über die Playoffs zu sichern. Derzeit belegt die Türkei mit elf Punkten aus sechs Spielen den dritten Rang hinter den Niederlanden und Norwegen (jeweils 13). Beim Debüt von Kuntz geht es am 8. Oktober im direkten Duell gegen Norwegen, drei Tage später steht das Auswärtsspiel in Lettland an.