12. September 2020 / 14:18 Uhr

Streit um DFB-Pokalspiel gegen Schalke 04: Türkgücü-Geschäftsführer Max Kothny bezieht Stellung

Streit um DFB-Pokalspiel gegen Schalke 04: Türkgücü-Geschäftsführer Max Kothny bezieht Stellung

René Wenzel
RedaktionsNetzwerk Deutschland
Türkgücü-Geschäftsführer Max Kothny glaubt fest an eine DFB-Pokal-Partie gegen den FC Schalke.
Türkgücü-Geschäftsführer Max Kothny glaubt fest an eine DFB-Pokal-Partie gegen den FC Schalke. © Türkgücü München/Montage
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Zwei Tage vor dem DFB-Pokal-Spiel zwischen dem 1. FC Schweinfurt und dem FC Schalke 04 hat das Münchner Landgericht eingegriffen. Drittligist Türkgücü München soll den Platz des bayerischen Rivalen einnehmen und gegen den Bundesliga-Klub spielen. Im SPORTBUZZER-Interview spricht Türkgücü-Geschäftsführer Max Kothny über die kurzfristige Absage, die weiteren Schritte und finanzielle Auswirkungen.

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Das für Sonntag geplante DFB-Pokalspiel von Schalke 04 wurde nach einem Gerichtsentscheid vorerst abgesetzt. Zuvor hatte das Landgericht München I am Freitag entschieden, dass Drittliga-Aufsteiger Türkgücü München anstelle des Regionalligisten 1. FC Schweinfurt 05 gegen den Bundesligisten antreten soll. Auf Antrag des Bayerischen Fußballverbandes (BFV) verschob der Deutsche Fußball-Bund am Freitagabend bis zur endgültigen Klärung des Rechtsstreits die Erstrundenpartie.

Türkgücü war vor dem Landgericht gegen den Beschluss des BFV vorgegangen, die Schweinfurter als bestes bayerisches Amateurteam neben dem TSV 1860 München für den DFB-Pokal zu melden. Die Löwen hatten das Ticket über den Toto-Pokal gebucht. Türkgücü war vom BFV in der Corona-Pause zum Aufsteiger in die 3. Liga benannt worden und wurde deshalb nicht für den DFB-Pokal berücksichtigt. Das Landgericht sah diesen BFV-Beschluss als "rechtswidrig" an und erließ die von Türkgücü beantragte einstweilige Verfügung. Der BFV kündigte Widerspruch an. Im SPORTBUZZER-Interview erklärt Türkgücü-Geschäftsführer Max Kothny die Situation.

SPORTBUZZER: Herr Kothny, der Freitagabend dürfte für Sie nach der Meldung über das abgesagte DFB-Pokalspiel zwischen dem 1. FC Schweinfurt und dem FC Schalke 04 sehr turbulent verlaufen sein.

Max Kothny (23): Ja, es war schon ein bisschen etwas los. Wir haben es sogar bis nach Indien in die Zeitung geschafft. Die ganze Welt hat über dieses Ding berichtet. (schmunzelt)

Wie kam es dazu, dass die Partie erst zwei Tage vor dem eigentlichen Termin abgesagt wurde?

Das ging verfahrenstechnisch gar nicht anders. Wir mussten erst die Meldung des Bayerischen Fußball-Verbandes abwarten, dass Schweinfurt am DFB-Pokal teilnehmen darf. Und die kam erst am 6. September, also vor noch nicht einmal einer Woche. Wir haben gleich am Montagmorgen unseren Einspruch sowie unseren Antrag auf einstweilige Verfügung fertig gemacht. Darauf war der Bayerische Fußball-Verband vorbereitet. Es ging dann alles per Eilverfahren. Die Meldung vom Gericht gab es erst am Freitag. Also hätten wir es gar nicht schneller machen können.

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Wie geht es jetzt weiter?

Wir werden weiter daran arbeiten, dass wir dieses Eilurteil nochmals bekräftigt bekommen. Wenn das Verfahren weiterlaufen sollte, werden wir es auch weiterführen.

Wie optimistisch sind Sie, dass das Verfahren für Türkgücü München positiv ausgeht?

Es ist seit Jahren gelebte Praxis, dass die beste Amateur-Mannschaft aus Bayern am DFB-Pokal teilnehmen darf. Und das sind nun mal wir. Es gab vom Bayerischen Fußball-Verband eine Spielordnung, die besagte: Sollte zum Zeitpunkt der DFB-Pokal-Meldefrist der Spielbetrieb in der Regionalliga Bayern fortgesetzt worden sein, spielt die zu dem Datum beste Amateurmannschaft im DFB-Pokal.

Das wäre dann Schweinfurt, da Türkgücü als Drittliga-Aufsteiger nicht mehr in der Regionalliga Bayern aufgeführt wird.

Da die Regionalliga aber später fortgesetzt wird, greift dieser Passus nicht. Ein Eingeständnis des BFV ist, dass er die Spielordnung einen Tag vor der Meldung für den DFB-Pokal so geändert hat, dass dieser eine kritische Satz (die zu dem Zeitpunkt beste Regionalliga-Mannschaft ist für den DFB-Pokal qualifiziert, Anm. d. Red.) rausgenommen wurde. Das ist für mich ein Schuldeingeständnis des Bayerischen Fußball-Verbandes. Es zeigt mir, dass wir der rechtmäßige Teilnehmer am DFB-Pokal sein müssten.

Wenn Sie sich so sicher sind: Haben Sie schon mit den Planungen für ein mögliches Spiel gegen den FC Schalke 04 begonnen?

Dafür ist es jetzt noch zu früh. Es gilt erst mal abzuwarten, wie der BFV reagiert. Und dann ist der DFB als Austräger unser erster Ansprechpartner.

Sie hätten in München viele Möglichkeiten, um das Spiel vor Ort und nicht, wie es Schweinfurt geplant hatte, in Gelsenkirchen auszutragen. Das Stadion an der Grünwalder Straße, das Olympiastadion …

Die Möglichkeiten hätten wir, klar. Aber über diese Optionen möchte ich aktuell noch nicht sprechen.

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Der FC Schalke 04 hat die kurzfristige Absage kritisiert. Der Schalker Sportvorstand Jochen Schneider sagte: "Letztendlich kann man nur den Kopf über die Vorgehensweise des Bayerischen Fußball-Verbandes schütteln, der über Wochen und Monate hinweg offensichtlich nicht in der Lage war, den rechtmäßigen Vertreter am DFB-Pokal zu bestimmen." Hatten Sie schon Kontakt mit S04?

Nein, gar nicht. Ich kann die Kritik verstehen. Für Schalke ist es sicherlich eine schwierige Situation. Aber wir konnten die Entscheidung vom Verband nicht einfach so hinnehmen.

Als Erstrundenteilnehmer würde der Verein 180.000 Euro erhalten. Wie wichtig wäre die DFB-Pokal-Teilnahme für Türkgücü?

Als Aufsteiger in die 3. Liga, die sowieso finanziell sehr schwer ist, ist es eine Summe, die wir auch in unserer Kalkulation von Anfang an mitaufgenommen haben. Sollten wir nicht am DFB-Pokal teilnehmen können, wäre der Verlust besonders im Marketingbereich extrem. Ein Livespiel auf Sky, dann noch gegen einen Bundesligisten, das wäre auch für das Image des Vereins sehr wichtig. So eine Sache müssen wir einfach mitnehmen. Deswegen bleiben wir auch weiter hartnäckig dran und wollen unbedingt am Wettbewerb teilnehmen.