28. April 2021 / 11:09 Uhr

Väter des Erfolgs: Holt Andreas Toba nach EM-Silber auch Olympia-Medaille?

Väter des Erfolgs: Holt Andreas Toba nach EM-Silber auch Olympia-Medaille?

Stefan Dinse
Hannoversche Allgemeine / Neue Presse
Erfolgreiches Team: Trainer Adrian Catanoiu (von links), Turner Andreas Toba und sein Vater Marius.
Erfolgreiches Team: Trainer Adrian Catanoiu (von links), Turner Andreas Toba und sein Vater Marius. © Florian Petrow
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Zwei Männer sind am Erfolg des Turners Andreas Toba maßgeblich beteiligt. Vater Marius unterstützt seinen Sohn, Trainer Adrian Catanoiu treibt Toba zu Höchstleistungen.

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Mit diesem Applaus hat Andreas Toba nicht gerechnet: Der Vizeeuropameister am Reck kommt zum ersten Training nach der EM in Basel, nur einen Tag Pause hat sich der 30-Jährige gegönnt. Vor dem Olympiastützpunkt hat sich eine Abordnung des Niedersächsischen Turner-Bundes versammelt. Es gibt viele warme Worte, unter anderem von NTB-Vizepräsident Carsten Röhrbein. Und ein besonderes Geschenk – ein Pferd. Das Turngerät ohne Pauschen, also die Griffe, gedacht als eine Art Sofa. „Das ist aber nicht zum Sitzen, sondern zum Üben“, flachst Coach Adrian Catanoiu. In diesem Scherz steckt aber ein Funken Wahrheit. Schließlich hat Toba noch viel vor in diesem Jahr. „Dieses EM-Silber stachelt mich erst recht an, ich bin kein bisschen müde.“

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Im weißen Sportdress ist Toba gekommen, ohne Medaille. Der TKH-Star drängt sich nicht gern in den Vordergrund. Ebenso wenig wie sein Trainer, Catanoiu ist Bundesstützpunktleiter in Hannover. Er bekommt einen großen Blumenstrauß von Katharina Preinfalk, NTB-Abteilungsleiterin für olympischen Spitzensport. „Adrian hat großen Anteil an der Silbermedaille, er hat sich zu einem der Toptrainer in Deutschland entwickelt“, attestiert Preinfalk. Immerhin gehören auch Glenn Trebing (TKH) und der verletzte Mika Säfken (TuS Vinnhorst) zur Olympiavorbereitungsgruppe, die Catanoiu betreut.

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Finale auch in Tokio?

Der ehemalige rumänische Spitzenturner gilt aber nicht nur als Vater des Erfolgs. „Für mich ist er fast wie ein zweiter Vater“, sagt Toba. Mit drei Jahren hat ihn Catanoiu erstmals mitgenommen. „Er hat sich immer um mich gekümmert, ich verdanke ihm unglaublich viel“, sagt Toba, dessen Vater Marius ebenfalls zu den Gratulanten zählt. „Ich denke, Andreas hat auch in Tokio Chancen auf das Finale“, sagt der Papa.

Sohn Toba, der ein exzellenter Mehrkämpfer ist und diese Qualität schon 2016 in Rio de Janeiro bewies, wird nun noch mehr Zeit auf das Reck verwenden. Der Schwierigkeitsgrad ist mit dem Ausgangswert 6,3 hoch genug, sagt Catanoiu. Erst hatten beide überlegt, die Übung noch aufzupeppen. „Aber wir setzen auf die gute Ausführung“, betont der Coach. Die EM habe gezeigt, dass dies das probate Mittel sei. Am Reck passieren viele Fehler. Zwei Stürze gab es im Finale, auch Toba unterlief am Anfang ein kleiner Patzer. „Ich dachte, es ist vorbei, das kann er nicht mehr schaffen“, räumt Catanoiu ein, „aber dann hat Andreas das fast perfekt gemacht.“ 13,833 brachten ihm den ersten Treppchenplatz im Einzel. Sich im Corona-Jahr 2020 ohne Wettkämpfe spezialisiert zu haben sei richtig gewesen, sagt der Coach: „Und das Reck war offenbar das richtige Gerät.“

Toba drückt seinen Vater noch einmal zum Abschied, die kleine Runde löst sich rasch auf, gleich soll nun wirklich trainiert werden. Es mache ihn stolz, mit seinem Vater verglichen zu werden, sagt der Sportsoldat. „Er war zum Schluss der Herr der Ringe. Ich der verlässliche Mehrkämpfer, der immer für 82,5 Punkte gut ist und dem Team helfen kann“, sagt Toba und fügt nach einer kleinen Pause hinzu: „Aber nun konnte ich endlich zeigen, dass ich auch andere Potenziale habe. Nämlich das Reck.“